Inga Ehret, Pressesprecherin für Mobility Solutions bei der Robert Bosch GmbH - Copyright Bosch

Interview – Das elektronische Achsantriebssystem eAxle von Bosch

Die Bosch-Gruppe ist ein international agierendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit laut eigenen Angaben weltweit 390.000 Mitarbeitern und einem nach vorläufigen Zahlen erzielten Umsatz von 73,1 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016. Der Bereich Mobility Solutions ist ein Unternehmensbereich, der als Lösungsanbieter in Kooperation mit den Automobilherstellern neue Systemlösungen entwickelt. In einem Kurzinterview mit Inga Ehret, Pressesprecherin für Mobility Solutions bei der Robert Bosch GmbH, werfen wir einen Blick auf Neuentwicklungen im Bereich der Elektromobilität.

gcm: Das elektrische Achsantriebssystem von Bosch namens eAxle feierte auf der NAIAS Weltpremiere. Können Sie uns die wesentlichen Innovationen des Systems vorstellen?

Der Antrieb hat das Potenzial, dem Markt für Elektrofahrzeuge einen weiteren Schub zu geben. Aktuell besteht ein Antriebsstrang für Elektro- oder Hybridfahrzeuge aus einzelnen Komponenten. Zukünftig vereint das elektrische Achsantriebssystem von Bosch Getriebe, E-Maschine und Leistungselektronik in einem kompakten Gehäuse. Das reduziert die Komplexität des E-Antriebs und macht den Antriebsstrang deutlich günstiger, kompakter und effizienter. So kann bei der Herstellung beispielsweise auf viele Stecker, Kabel, Dichtungen und Lager verzichtet werden. Die Gesamtkonstruktion ist so ausgelegt, dass sich der Antriebsstrang skalieren lässt. Das System wird damit deutlich wirtschaftlicher und Fahrzeughersteller können die Produktionskosten sowohl für Elektro- als auch für Hybridfahrzeuge senken.

gcm: Die Wärmepumpe ersetzt zunehmend die konventionellen Zuheizer im Auto. Welche Lösungen bietet Bosch an und welche Effekte lassen sich damit erzielen?

Das Prinzip der Wärmepumpe kennen die Verbraucher von ihrem Kühlschrank. Dort erzeugt das Gerät Kälte im Inneren und die bei dem Vorgang entstehende Wärme entweicht in die Küche. Beim neuen Thermomanagement für Elektrofahrzeuge schafft eine Pumpe mit 1.000 Watt elektrischer Leistung Wärme entsprechend einer Heizleistung von 2.000 bis 3.000 Watt. Konventionelle Zuheizer, welche den Innenraum eines Hybrid- oder Elektrofahrzeuges erwärmen, haben nur einen halb so hohen Wirkungsgrad. Im Fahrzeug anfallende Wärme und Kälte wird über fein regelbare Kühlmittelpumpen und -ventile von Bosch dort aufgenommen, wo sie anfällt, und dahin transportiert, wo sie benötigt wird.

Wärmepumpen und intelligentes Thermomanagement bringen Elektroautos ein deutliches Stück weiter – und das ist wörtlich gemeint. Für einen Stadtfahrzyklus beispielsweise, bei dem ein großer Anteil der Batterieenergie zur Heizung der Kabine im Winter benötigt wird, kann der Reichweitenvorteil ziemlich groß sein: ungefähr 25 Prozent. Auf der Autobahn hingegen wird ein größerer Teil der Batteriegesamtenergie für das eigentliche Fahren des Fahrzeugs verwendet. Hier ist im Winter eine Reichweitenverlängerung von etwa 5 Prozent möglich.

Wärmepumpen werden zunehmend zur Ergänzung der traditionellen Kabinenheizverfahren, zur Erhöhung der Reichweite und des Kabinenkomfort von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen eingesetzt. Wir haben viele Thermomanagement-Produkte, die die Wärmepumpentechnologie unterstützen können, beispielsweise Kühlmodul-Ventilatoren, Kühlmittelpumpen und -ventile oder Druck- und Temperatursensoren für das Thermosystem.

gcm: Bei welchen Herstellern und konkret in welchen Automodellen werden diese Systeme aktuell und in naher Zukunft eingesetzt?

Wir sehen momentan bei europäischen und asiatischen OEMs die größte Zahl an Anwendungen von Wärmepumpen, erwarten aber, dass die Wärmepumpen-Ausrüstungsraten in allen Regionen ansteigen werden.

Addendum:

Interview green car magazine mit Inga Ehret, Pressesprecherin für Mobility Solutions bei der Robert Bosch GmbH

Titelbild: Inga Ehret, Pressesprecherin für Mobility Solutions bei der Robert Bosch GmbH – Copyright Bosch

green car magazine Ausgabe IV – 2017

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