Matthias Zink . Copyright Schaeffler

Schaeffler setzt auf emissionsfreie Antriebe

Schaeffler ist ein global agierender Automobil- und Industriezulieferer. Im Automobilbereich liegen die Kernkompetenzen bei der Entwicklung und Produktion von Komponenten und Systemen für Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie Technologien für den elektrifizierten Antriebsstrang der Zukunft. Auch auf der IAA 2017 in Frankfurt stellte Schaeffler Produkte für umweltfreundliche Antriebe vor: dabei eine modular konzipierte und flexibel einsetzbare elektrische Achse oder auch visionäre Produkte wie der Radnabenantrieb „eWheelDrive“. Laut eigenen Angaben erwartet das Unternehmen einen Anteil von 30  Prozent rein elektrisch betriebener Fahrzeuge bis zum Jahr 2030. In einem Kurzinterview gibt uns Matthias Zink, seit Januar 2017 CEO Automotive der Schaeffler Gruppe, Einblicke in die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität.

GCM: Die Zulieferer der Automobilindustrie setzen verstärkt auf Eigenentwicklungen im Bereich der Elektromobilität. Auf welche Schwerpunkte setzt Schaeffler in den nächsten Jahren?

Zink: Die Weichen für das Zeitalter der elektrifizierten Antriebsarchitekturen hat Schaeffler bereits Ende der 90erJahre mit Hybridprodukten im Getriebeumfeld und der begonnenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit gestellt. 2011 wurde das Systemhaus eMobilität ins Leben gerufen, um sich systematisch gebündelt dem Thema Elektromobilität zu stellen. Heute blickt das Unternehmen auf ein breites Elektromobilitäts-Produktportfolio. Von Hybridmodulen über die elektrische Achse bis hin zum Radnabenantrieb können Schaeffler-Produkte in Hybrid-Fahrzeugen und reinen Elektroautos integriert werden. Diese Lösungen stehen für die Automobilbranche bereit, um den dort stattfindenden Umbruch erfolgreich zu bewältigen; und das sowohl bei 48-Volt- als auch Hochvolt-Systemen. Mit dem neuen Unternehmensbereich namens E-Mobilität bündelt Schaeffler ab 2018 seine Systemlösungen, das Engineering sowie die Industrialisierung für hybride und rein batteriebetriebene Fahrzeuge für den Antriebsstrang der Zukunft. Von einzelnen Produkten kommend entwickeln wir uns so aus der Gesamtbetrachtung der elektrifizierten Antriebstopologien hin zu technologischen Gesamtsystemlösungen. Dabei kann die Mobilität von morgen nur nachhaltig sein, wenn die gesamte Energiekette betrachtet wird: von der Energieerzeugung über die Konvertierung und Speicherung bis hin zu technischen Lösungen für die verschiedensten Antriebsstränge. Experten bezeichnen das als Well-to-Wheel-Methode. Hier setzen wir einen strategischen Schwerpunkt und bieten auch weiterhin konsequent Lösungen an, um die Effizienz des konventionellen Verbrennungsmotors weiter zu steigern sowie innovative Technologien für die Elektrifizierung von hybridischen und rein elektrischen Antrieben.

GCM: Welche Rolle werden die neuen innovativen Automobilhersteller im Bereich der Elektromobilität einnehmen?
Zink: Die Mobilitätswelt von morgen und somit auch der Bereich Elektromobilität werden sehr vielfältig und individuell sein. Eins steht fest: Die eine singuläre Lösung wird es nicht geben, denn bei der Entwicklung von zukünftigen Antriebskonzepten müssen weltweit die unterschiedlichsten Anforderungen berücksichtigt werden. Das heißt: Es werden viele neue Player mit innovativen Produkten, Ideen und Konzepten
auf den Markt kommen. Die globale und digitale Welt führt dabei zu einer zuvor unbekannten Geschwindigkeit des Austausches, dem Unternehmen wiederum mit zunehmendem Tempo zu begegnen haben. Entscheidend ist, dass wir die Herausforderungen der Zukunft und die zunehmende Komplexität nur gemeinsam meistern werden. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt somit in Kooperationen. Unternehmen benötigen den Drang, sich verändern zu wollen – wir müssen mit neuem Spirit an zukünftige Aufgabenstellungen gehen. Auf dem Weg vom Nadellagerhersteller zum Hightech-Konzern hilft Schaeffler der fokussierte Blick auf eine Vielzahl von Themen. So betrachten wir heute gesamte Antriebsstränge für Hybridfahrzeuge und Autos mit Verbrennungsmotoren, höchst integrierte Elektroantriebe inklusive Getriebe und Steuerungssoftware sowie Digitalisierungsaspekte oder Mobilitätskonzepte, zum Beispiel den Schaeffler Bio-Hybrid. All das können Sie nicht alleine stemmen.

GCM: Schaeffler hat beschlossen, die Unternehmensstrukturen zu vereinfachen und zu dezentralisieren. Welche Veränderungen sind entscheidend für die Zukunft von Schaeffler?

Zink: Grundsätzlich ist die langfristige und strategische Ausrichtung auf Wachstum entscheidend. Klingt simpel, ist es aber nicht. In einem dynamischen Markt- und Wettbewerbsumfeld, das mit erheblichen Veränderungen verbunden ist, sehen wir zentrale Wachstumstreiber in den Themen Elektromobilität, Industrie 4.0 und Digitalisierung. Durch die Etablierung des neuen Vorstandsressorts teilt Schaeffler sein Geschäft zukünftig in die drei Sparten Automotive OEM, Automotive Aftermarket und Industrie. So stellen wir uns kundenorientierter – mit dem klaren Fokus auf Technologien und Produkte – auf. Je nach Markt und Anforderung ist die neue Unternehmensstruktur in seinen Handlungsfeldern deutlich fokussierter, zielgerichteter und schneller. Um die Bandbreite dieser Handlungsfelder zu definieren, war es wichtig, Orientierung zu bieten. Dafür hat Schaeffler im Rahmen seiner Strategie namens Mobilität für morgen vier Fokusfelder definiert. Sie erstrecken sich über die urbane Mobilität und interurbane Mobilität über umweltfreundliche Antriebe bis hin zur Energiekette. Veränderungen bedeuten am Ende immer Fortschritt und diesen erreicht man nur, indem neue Wege eingeschlagen werden. Als börsennotiertes Familienunternehmen und einer der führenden Technologiekonzerne packen nahezu 90.000 Mitarbeiter gemeinsam an. So sind wir hervorragend aufgestellt, um die Mobilität für morgen im Interesse unserer Kunden und Geschäftspartner aktiv mitzugestalten.

Addendum:

Interview aus dem green car magazine VI/2017

Titelbild  Matthias Zink, CEO Automotive der Schaeffler Gruppe – Copyright Schaeffler

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