Borgward vor Strategiewechsel?

Borgward vor Strategiewechsel?

25. Juli 2019 0 Von nh
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Ein Borgward ist für die Älteren nicht nur einfach ein Auto; es sind vor allem Kindheitserinnerungen sowie die Geschichten und Erlebnisse, die mit diesem Auto verbunden werden. Nichts wird derzeit so gut gehütet, wie das Geheimnis um das Comeback von Borgward in Bremen. Einen ersten Vorgeschmack auf die neue Ära der traditionellen Automarke aus Bremen gab es auf dem Genfer Automobilsalon 2016 mit der Vorstellung der neuen Elektro- und Hybridfahrzeuge. Zurzeit wird der Markt in China als Markteinführung für die neu gestalteten SUV-Modelle der Marke genutzt. Gibt es eine neue Euphorie um die Marke Borgward?

+++ Borgward-Update vom 12.07.2019
Produktionsstandort Bremen gestrichen

Der Autobauer Borgward hat nach Angaben der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) die Frist für die Reservierung einer 140.000 Quadratmeter großen Fläche im Güterverkehrszentrum Bremen verstreichen lassen. Über die Entscheidung hatte der „Weser Report“ berichtet.

Nach der umfassend promoteten Ankündigung des Produktionsstandortes Bremen im Jahr 2016 folgt jetzt die komplette Stornierung des angedachten Comebacks in Bremen. “Wie und in welcher Form Borgward künftig in Bremen aktiv wird, wird derzeit geprüft”, sagte Sprecher Marco Dalan. “Bremen ist und bleibt die Heimat von Borgward. Wir bleiben auch weiterhin in engem Kontakt mit der WFB.”.

Nach der Ankündigung in 2016 gab es zahlreiche Veränderungen in der Führungsriege und inzwischen mit dem chinesischen Unternehmen Ucar eine neue Mehrheitsbeteiligung an Borgward. Ucar ist spezialisiert auf Mitfahrdienste und Kurzzeitmieten für Mobilität. Im Gegensatz zu Konkurrent Uber stellt Ucar seinen Fahrer vorwiegend Autos im Premiumsegment zur Verfügung für die Fahrten. Darüber hinaus wird eine Internet-Autoverkaufsplattform, über die auch Borgward vermarktet werden können, sowie ein Reiseportal betrieben.

Fazit

Der Trend geht über die Mehrheitsbeteiligung von Ucar und den Andeutungen der Wirtschaftsförderung eindeutig in Richtung Fahrdienstleister und stellt die Dienstleistungen für Mobilität in den Mittelpunkt. Dabei könnte auch der Standort Bremen in die Überlegungen einbezogen werden.

+++ Borgward-Update vom 28.03.2019
Noch keine Entscheidung für den Produktionsstandort Bremen

Das große Comeback von Borgward in Bremen lässt weiter auf sich warten. Der Aufsichtsrat der Borgward Group AG hat im Dezember 2018 Xiuzhan Zhu zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft ernannt. Borgward hat dies in Stuttgart bekanntgegeben. Das von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) 140.000 Quadratmeter große Grundstück ist seit fast zwei Jahren für Borgward reserviert – ohne dass der Autohersteller auch nur annäherungsweise mit dem Bau der geplanten Fertigungshalle begonnen hätte. Ob der Bau jemals realisiert wird ist zur Zeit völlig unklar.

In der Vergangenheit wurde seit der großformatig angelegten Comeback-Pressekonferenz vom Oktober 2016 mehrfach angekündigt, schon bald mit dem Bau einer Fertigungshalle zu starten. Schon Ende 2018 lief die Reservierungsfrist für das Grundstück aus. Jetzt wurde bekannt gegeben, die Reservierungsfrist wurde verlängert bis zur Mitte des Jahres 2019.

+++ Borgward – Update vom 12. April 2017 +++

Gemeinsame Pressemitteilung der BORGWARD Group AG und der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH:

„Wir heißen Borgward herzlich in Bremen willkommen“, ergänzte Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB. „Das Güterverkehrszentrum Bremen bietet mit seiner hervorragenden verkehrstechnischen Anbindung optimale Standortbedingungen für das Vorhaben der Borgward Group.“ Auch Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, begrüßt das Engagement der Borgward Group an der Weser: „Wir freuen uns außerordentlich über die Standortentscheidung von Borgward. Das Land Bremen verfügt über eine große Kompetenz in der Automobilbranche und gewinnt mit Borgward eine starke Marke mit Ambitionen, im europäischen Markt eine wichtige Rolle zu spielen, hinzu.“Bremen / Stuttgart – Die Traditionsmarke Borgward kehrt nach Bremen zurück. Der Stuttgarter Automobilkonzern plant, auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums im Bremer Westen ein 140.000 Quadratmeter großes Gelände zu erwerben. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding unterzeichneten die Borgward Group AG und die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. „Mit dem Kauf des Areals gehen wir konsequent den nächsten Schritt in unserer globalen Wachstumsstrategie“, sagte Ulrich Walker, Vorstandsvorsitzender der Borgward Group AG. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Auf dem Areal im Güterverkehrszentrum ist in der ersten Baustufe eine sogenannte SKD-/CKD-Fertigung für bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Ziel ist es, dass je nach Bedarf und Nachfrage die Produktion von der SKD-/CKD-Fertigung in eine Vollproduktion umgewandelt werden kann. Neben der Fertigung sind auf dem Gelände eine Teststrecke, ein Auslieferungszentrum sowie ein Brand-Studio geplant. Borgward plant, bis zum Anfang des Jahres 2018 mit dem Bau zu beginnen. Die Produktion soll 2019 aufgenommen werden. Die WFB beginnt bereits im Mai mit den Sandaufschüttungen für das Grundstück, das für die Erstinvestition benötigt wird. Direkt im Anschluss daran wird die Sandaufschüttung für die Expansionsfläche veranlasst.
Seit mehr als 30 Jahren ist das Güterverkehrszentrum Bremen (GVZ) ein Garant für Spitzenleistungen: als Investitionsstandort sowie auf dem Logistiksektor. Als Pionier der GVZ-Entwicklung wurde es Mitte der 1980er Jahre als bundesweit erstes GVZ eröffnet. Heute sind hier mehr als 150 Unternehmen mit etwa 8.000 Beschäftigten ansässig. Dabei umfasst das Areal eine Fläche von rund 500 Hektar und punktet mit seiner Trimodalität: Der Logistikstandort ist verkehrstechnisch optimal angebunden an Straße, Schiene sowie Wasser und ergänzt die infrastrukturelle Angebotspalette durch den nahe gelegenen Bremen Airport um Luftfracht.

Für die Fertigung sowie die weiteren Gebäude hat die Borgward Group bereits einen Architekturwettbewerb gestartet. „Wir wollen auch architektonisch eine Signal setzen“, sagte Walker. Wie bereits angekündigt, sollen in Bremen zunächst rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sowie Plug-in-Modelle gefertigt werden. „Unsere Fertigung in Bremen wird das weltweite Kompetenzzentrum für Elektromobilität“, sagte Walker. Die E-Fahrzeuge aus Bremen sind für Europa und weitere Märkte geplant.

Industrie 4.0 als Wegweiser für den Fertigungsaufbau

Die Fertigung, die Prozesse und die Einrichtungen im Borgward Werk Bremen werden sich von Beginn systemtechnisch am Industriestandard 4.0 orientieren. Im Fokus des Fertigungsaufbaus steht die intelligente „smarte“ Fabrik – der geplante Produktionsprozess wird die steigende Komplexität in der Automobilfertigung beherrschen und hocheffizient sein. Die lokale Wertschöpfungstiefe lässt sich dabei noch nicht endgültig bestimmen. Neben den bereits kommunizierten Borgward-Zulieferern wie Continental, Kuka, Schäffler/SKF, BorgWarner, Webasto werden bei der Fertigung vollelektrischer Fahrzeuge Bosch und der Elektronikkonzern LG für Batterien entscheidende Rollen spielen.

+++ Auszug aus der Borgward-Pressemeldung vom 26.10.2016 +++

Großes Medieninteresse bei der Präsentation des neuen Borgward Modells BX 7 im Rahmen der Pressekonferenz am 26.10.2016

Großes Medieninteresse bei der Präsentation des neuen Modells BX 7 im Rahmen der Pressekonferenz am 26.10.2016

Stuttgart/Bremen – Der Automobilhersteller Borgward kehrt nach Bremen zurück und wird eine Fertigung in dem norddeutschen Bundesland aufbauen. “Mit unserer Rückkehr nach Bremen schlagen wir die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft”, so Ulrich Walker, Vorstandsvorsitzender der Borgward Group AG, am Mittwoch in Bremen und ergänzte: “Wir schreiben die Geschichte von Borgward weiter.” Bremen war bereits ab den 1920er Jahren die Heimat von Borgward, bis in die Wirtschaftswunderzeit produzierte der deutsche Automobilkonzern mit den Marken Borgward, Lloyd und Goliath hier rund 1,2 Millionen Fahrzeuge. Der Baubeginn für die neue Fertigung ist für Anfang 2017 geplant, Produktionsstart ist im darauffolgenden Jahr 2018.

Quelle: Pressemeldung der Borgward Group AG

Borgward World Meeting 2016

Borgward blickt auf 125 Jahre Firmengeschichte in diesem Jahr zurück. Im Rahmen des Borgward World Meetings 2016 fand das mit über 500 Oldtimern größte Treffen in der Geschichte an der Waterkant in Bremen an 4 Tagen statt. Ein Eldorado für Liebhaber, Fanclubs und Fans der Marke. In 7 Monaten Vorbereitung hat die „Arbeitsgemeinschaft Borgward“ das Treffen organisiert. Neben Klassikern wie der
„Isabella“ und der „Arabella“ gab es viele Unikate der Marken Borgward, Goliath, Hansa und Lloyd zu sehen, zum Beispiel den Omnibus der Bremer Straßenbahn AG aus dem Jahr 1953, Polizei- und Feuerwehrautos und Lastwagen.
Die Fahrzeuge sind schon seit Jahrzehnten auf den Bremer Straßen verschwunden. Die alten Produktionsstandorte in Bremen sind inzwischen abgerissen, verwaist oder einer neuen Nutzung übergeben worden. Die Lloyd-Motorenwerke wichen einem Supermarkt und das ehemalige Lloyd-Ersatzteilwerk fiel der Abrissbirne zum Opfer. Dabei war Borgward über Jahrzehnte eine etablierte Marke.

Der Blitzkarren und die Anfänge in der Vorkriegszeit

Bis zum Jahr 1924 fungierte Borgward als „Bremer Kühlerfabrik Borgward & Co. G.m.b.H.“ vorwiegend als Produzent für Kühler und Kotflügel für die Hansa-Lloyd-Werke in Bremen. Auf eine Beschwerde des ehemaligen Konstrukteurs Klie, der den Materialtransport zwischen den Werkshallen mit einem Handwagen als zu beschwerlich befand, begann intern die Entwicklung eines dreirädrigen motorisierten Transportwagens. Es war die Geburtsstunde des „Blitzkarrens“. Mit einer Zuladung von 250 kg und einem 2,2 PS starken luftgekühltem Einzylinder-Zweitaktmotor wurde er für 980 Reichsmark in den Jahren 1925 bis 1927 verkauft. Ein bedeutender Abnehmer war damals die Reichspost, die das Gefährt für die Briefkastenleerung und die Zustellung von Paketen nutzte.
Im Jahr 1928 wurde ein Gesetz für Kraftfahrzeuge mit weniger als vier Rädern und weniger als 200 Kubikzentimetern Hubraum verabschiedet. Diese durften ohne Führerschein gefahren werden und waren steuerbefreit. In diesem Jahr wurden die Goliath-Werke gegründet und das gleichnamige dreirädrige Fahrzeug wurde entwickelt. Der Goliath „Pionier“ kam im Jahr 1931 als erstes Personenfahrzeug auf den Markt. Der Einzylinder-Zweitaktmotor mit 198 Kubikzentimetern Hubraum und 5,5 PS Leistung brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60  km/h. Der „Pionier“ war ein Vorläufer der später sehr erfolgreich in Serie gefertigten Hansa-Modelle. Ein Höhepunkt der Produktion war sicherlich der „Hansa Roadster“. Der offene Zweisitzer mit Reihensechszylinder mit Doppelvergaser leistete 46 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Von diesem Modell wurden lediglich 11 Exemplare hergestellt und es gilt bis heute als eine der kostbarsten Raritäten unter Oldtimerfans.
Während des Zweiten Weltkrieges war Borgward dazu gezwungen, ein Hauptlieferant für Halbkettenfahrzeuge wie Schützenpanzer, Zugmaschinen, Ladungsträger sowie Torpedos zu werden. Das im Jahr 1938 eröffnete Werk in Bremen-Sebaldsbrück wurde bei dem Luftangriff auf Bremen vom 12. Oktober 1944 zur Hälfte und das Goliath-Werk in Hastedt fast vollständig zerstört.

Der Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Neuaufbau erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der knappen Rohstoffressourcen und zunächst rationierten Zuteilungen der Rohstoffe teilte Borgward im Jahr 1949 sein Unternehmen in drei Einzelunternehmen auf. Die Unternehmen produzierten Fahrzeuge der Marken Borgward, Goliath und Lloyd. In den Zeiten des aufkommenden Wirtschaftswunders wurden besonders prägnante und bis heute bekannte Modelle entwickelt. Das war vor allem der Person Carl F. Borgward geschuldet. Er war ein Tüftler und Erfinder, der sich vor allem der Entwicklung von innovativen Neuerungen widmete und Interesse zeigte.
Der im Volksmund als Leukoplastbomber bezeichnete Kleinwagen Lloyd LP 300 mit Zweitaktmotor und einer Sperrholzkarosserie mit Kunstlederbespannung war im Fahrzeugsegment unterhalb des VW Käfers ein Jahrzehnt lang ein Verkaufsschlager.
Das Modell „Hansa“ wurde in vielen Varianten produziert und als „Hansa 1800 Diesel“ war es neben den Modellen von Mercedes-Benz einer der ersten Diesel-Pkw auf dem Markt.
Der Mittelklassewagen „Borgward Isabella“ wurde der größte Verkaufserfolg und über 200.000-mal gebaut. Er war insbesondere als Coupé einer der beliebtesten Wagen der Wirtschaftswunderzeit.
Qualitätsprobleme in der Fertigung und zunehmende Liquiditätslücken führten das Unternehmen auf einen Schlingerkurs. In dem SpiegelArtikel „Der Bastler“ wurde das Ausmaß der Probleme der Öffentlichkeit bekannt. Der unter Druck geratene Bremer Senat zog seine Bürgschaftserklärung zurück und die Banken gaben für Februar 1961 die Gelder nicht mehr frei. Das Geschehen gipfelte schließlich in einer Krisensitzung vor dem Senat, in der Firmeninhaber Carl F. Borgward angesichts eines drohenden Konkurses nach mehrstündigen Verhandlungen das Unternehmen dem Land Bremen übereignete. Danach erfolgte das Konkursverfahren in mehreren Stufen.

Addendum:

Auszug aus dem green car magazine – Ausgabe IV – 2016 plus Updates

Titelbild: Borgward Isabella Concept – Copyright Borgward

Quellen, Bildmaterial und Informationen:: Borgward Group AG , Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

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