CleverShuttle plant weitere Standorte

CleverShuttle plant weitere Standorte

17. Dezember 2019 Aus Von Nils Hagedorn
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Das 2014 gegründete Startup GHT Mobility GmbH hat in den letzten Jahren ein kontinuierliches Wachstum im Bereich Elektro-Fahrdienstleistungen erzielt. Die drei Gründer – Bruno Ginnuth, Jan Hofmann und Slava Tschurilin – haben mit dem Elektro-Fahrdienst CleverShuttle mit einem Angebot aus eigenen Fahrzeugen, Ridepooling und Carsharing-Angeboten etabliert. Standorte sind entstanden in Berlin, München, Leipzig und Dresden. Jetzt ist CleverShuttle in Kiel gestartet und startet auch in Düsseldorf mit lokalen Partnern. Wir werfen einen Blick auf die Entwicklung und zukünftigen Trends bei den Mobilitätsdiensten.

Im letzten Jahr gab es mit dem Einstieg der Deutschen Bahn als Mehrheitseigner noch einmal einen deutlichen Schub für die zukünftige Entwicklung von CleverShuttle. Die Gründer bleiben jedoch weiter als Gesellschafter im Unternehmen tätig. Für die zukünftige Entwicklung im harten Wettbewerb um die Vorherrschaft mit digitalen Fahrdiensten muss viel Kapital investiert werden. Entsprechend war der Einstieg der Deutschen Bahn wie ein Aufbruch für eine weitreichende Performance für zukünftige Geschäftsfelder.

Inzwischen ist laut eigenen Angaben der japanische Mitsui & Co., Ltd.-Konzern neuer Partner beim RidePooling-Fahrdienst CleverShuttle. Das Unternehmen beteiligt sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB) an der hinter CleverShuttle stehenden GHT Mobility GmbH. Die DB wird mit 76 Prozent weiterhin die Mehrheit der Anteile halten, während Mitsui & Co., Ltd. etwa 12 Prozent übernimmt. Die restlichen 12 Prozent verbleiben bei den drei Gründern.

Steigender Konkurrenzdruck

CleverShuttle muss sich in einem hart umkämpften Markt für digitale Fahrdienstleistungen etablieren. Allein das globale Joint Venture mit einem Investitionsvolumen von über 1 Milliarde Euro zwischen der BMW Group und der Daimler AG umfasst fünf Dienste. Der Verbund umfasst fünf Basis-Dienstleistungen: Dazu gehören REACH NOW (Multimodal), CHARGE NOW (Charging), FREE NOW (Ride-Hailing), PARK NOW (Parking) und SHARE NOW (CarSharing).Volkswagen hat die mit reichlich Kapital ausgestattete Tochter Moia bereits ins Rennen geschickt. Zurzeit läuft der Fahrdienst mit steigender Nachfrage offensichtlich nicht nur in Konkurrenz zum Taxi, sondern auch als flexible Variante zum öffentlichen Nahverkehr.

In dem Umfeld mit Wettbewerbern setzt CleverShuttle an dem vergleichsweise kleinen Standort Kiel zum Start auf zehn emissionsfreie Fahrzeuge in Kiel, die von fest eingestellten Fahrern durch die Stadt gelenkt werden. Geht es nach den Gründern von CleverShuttle soll mit dem neuen Kapital von der Deutschen Bahn ein kräftiger Aufwind ausgelöst werden. So soll schon in diesem Jahr die Anzahl der Teammitglieder am Hauptsitz in Berlin auf 130 erhöht werden. Gleichzeitig wird die Expansion in weiteren Städten erfolgen, geplant ist in den nächsten Monaten die Präsenz in 15 deutschen Städten.

An den Standorten werden die Dienste als Tochterunternehmen in Form einer GmbH betrieben oder es wird ein Joint-Venture mit einem lokalen Unternehmen eingegangen. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gibt es eine Kooperation mit den Kieler Nachrichten. Als Standort für den Fuhrpark und die Ladeinfrastruktur wird das zentrumsnahe Betriebsgelände der Stadtwerke Kiel genutzt. Die Aufladung kann durchgehend über die neu installierten Ladesäulen erfolgen. Die zuständigen Fahrer werden fest eingestellt und sollen langfristig einen durchgehenden Fahrdienst gewährleisten.

Der Machtkampf zwischen den neuen Diensten

Ob das Unternehmen den Dienst an den jeweiligen Standorten selbst betreibt oder ein Joint-Venture mit lokalen Unternehmen eingeht, wird von Stadt zu Stadt entschieden, heißt es. Neben den bisher eingesetzten Elektro-Pkw werden künftig auch größere Fahrzeuge genutzt: beispielsweise das elektrische Londoner Taxi des Herstellers LEVC, das die Deutsche-Bahn-Tochter Ioki bereits für ihren Shuttle-Service in zwei Hamburger Stadtteilen nutzt.

Neben den bereits eingeführten Carsharing-Angeboten setzten in den letzten Jahren die per App buchbaren Ridesharing und Ridepooling-Angebote ihren Siegeszug fort. Beim Ridesharing stellen private Fahrer ihre freien Sitze im Auto auf einer Fahrt Dritten als kostenpflichtige Mitfahrgelegenheit zur Verfügung.

In der kommerziellen Variante über einen Drittanbieter trifft eher der Begriff Rideselling zu. Hier entsteht über eine Plattform eine Nachfrage nach den von Mitfahrern angefragten Routen. Hier wird zwischen Ridehailing für die Mitnahme von Einzelpersonen und Ridepooling für die Personensammelbeförderung unterschieden.

Der internationale Erfolg von Uber soll sich nach dem ersten missglückten Start schon im August 2019 in Deutschland fortsetzen. Beim Neustart lassen sich über die App nicht nur Taxis, sondern auch Mietwagen buchen. Die erste Stadt ist Hamburg: Noch im Sommer sollen Berlin und Frankfurt folgen.

CleverShuttle und die Konkurrenz

Gegenüber dem traditionellen Taxi ist beim Rideselling der Zustieg der Fahrgäste nur über die Buchung per App möglich. Man kann sich innerhalb des Moia-Geschäftsgebiets an jedem Punkt abholen und absetzen lassen. Die bessere Auslastung während einer Fahrt kann Moia aber nur erzielen, wenn während der Fahrt weitere Kunden zusteigen können oder mehrere Fahrgäste eine Strecke nutzen. Ein ausgeklügelter Algorithmus koordiniert die laufenden Anfragen in Echtzeit und optimiert die Routenführung für jedes eingesetzte Fahrzeug. Damit haben bis zu fünf Fahrgäste Platz.

Das großformatige Bündnis von BMW und Daimler startet mit der App Free Now, die bisher MyTaxi hieß. Damit lassen sich wahlweise Taxis oder Mietwagen direkt buchen. Der Start erfolgte im Sommer in Hamburg – Berlin und Frankfurt werden folgen. Bisher nutzt Uber eine Lücke im veralteten Personenbeförderungsgesetz: Gewerbliche Mietwagen mit Fahrer sind von den starr festgelegten Taxitarifen befreit. Ähnlich wie bei einigen Paketdiensten sind die Fahrer für Uber Freiberufler, die ihr eigenes Auto und sich selbst als Fahrer dem Preisdiktat von Uber unterwerfen. Hier liegen die ganzen Risiken beim Fahrer, der als Subunternehmer für den Fahrdienst tätig wird. Im Kern kann der Kunde das Angebot fast genauso wie beim Taxi nutzen, jedoch zu weit günstigeren Preisen.

Die Generation Z im Visier

Weltweit löst das Smartphone das Auto als Statussymbol ab. Die Apps haben sich inzwischen zur digitalen Nahrung des 21. Jahrhunderts gemausert. Buchbare Mobilitätsangebote ersetzen in ihrer ganzen Nutzungsvielfalt das starre Eigentum am Auto – einen Trend, den die milliardenschwere Autoindustrie für sich entdeckt hat und mit entsprechenden Angeboten das neue junge Publikum erreichen will. Auch in diesem Sektor hat das Joint-Venture von BMW und Daimler seine bisher getrennten Angebote DriveNow und Car2Go gemeinsam unter der Marke Share Now vereint.

Das milliardenschwere US-Unternehmen Uber wurde 2009 gegründet. In Deutschland wollte Uber einen Service nach dem US-Modell anbieten, bei dem Privatleute Fahrgäste mitnehmen, die per App vermittelt werden. Nach erheblichen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Taxi-Branche entwickelte Uber ein separates deutsches Modell, das auf gewerblichen Mietwagenanbieter basiert und damit legalisiert wurde. Ein Dorn im Auge der Taxi-Branche ist die unzureichende Einhaltung von Regeln. So müssen die Mietwagen eigentlich regelmäßig zum Betriebsort zurückfahren. Entsprechend fiel die Reaktion des Taxi-Verbandes auch auf Free Now im offiziellen Statement aus: „Free Now ist offenbar nur ein Uber-Imitat, das zu mehr Verkehr und Staus in den Innenstädten führen wird.“
Die Auseinandersetzungen werden sich wohl noch verschärfen, so entgegnete Free-Now-Manager Mönch: „Je länger das Taxi-Gewerbe starre Tarife hat, desto mehr verliert es an Mietwagenanbieter.“ Die Vorteile im Wettbewerb zugunsten der freien Wettbewerber machen sich schon jetzt bemerkbar. Ein deutliches Umsatzwachstum von 70 Prozent im Jahr 2019 gegenüber 2018 wird von Free Now angepeilt.

Die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes als Lösung

Der Wettbewerb zulasten der Taxi-Unternehmen kann wohl nur mit einer Novelle des Personenbeförderungsgesetzes, das schon seit 1934 die Beförderung von Personen regelt, gelöst werden. Es legt den Taxi-Betrieben mehrere Pflichten auf, die durch Rechte dann zum Teil wieder ausgeglichen werden. Zwei unterschiedliche gesetzliche Grundlagen – mit und ohne Tarifpflicht für das originäre Aufgabengebiet der Personenbeförderung – zu nutzen, ist langfristig nicht zielführend.
Eine bisher starre Regelung von Ausgangs- und Endpunkt der Fahrt wie bei öffentlichen Linienverkehren mit festen Haltepunkten sollte nach dem Willen des VDA für die Ridesharing-Angebote um den Begriff „Gebündelter Bedarfsverkehr“ ergänzt werden. Eine engere Verzahnung zwischen dem klassischen öffentlichen Personennahverkehr und den neuen flexibleren Anbietern könnte die Beförderung aus der Sicht des VDA für alle Partner lukrativer machen. Das Geschäftsmodell funktioniert allerdings nur in den Städten, denn bei genauer Betrachtung sind noch keine vergleichbaren Angebote für die ländlichen Regionen in Sicht.
Die Taxibranche mit ihren starren gesetzlichen Regelungen und Tarifen ist mit circa 21.000 Unternehmen mit rund 55.000 Taxis und 255.000 Taxifahrenden kleinteiliger gegenüber den großen international agierenden Konzernen aufgestellt. Die Kommunen legen die Beförderungspreise fest und bieten eine feste Basis für die Kunden. Die Taxifahrer müssen eine Prüfung zum Personenbeförderungsschein mit Ortskundeprüfung ablegen, ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen und den ärztlichen Gesundheitscheck nachweisen. Damit schützt der Gesetzgeber die Verbraucher, während zum Beispiel Uber alle legalen Steuerschlupflöcher nutzt und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft, Sozialabgaben und Verantwortung zu minimieren.

Die privaten Fahrdienste als Mietwagenanbieter mit Fahrer unterliegen diesen Vorgaben nicht und können zusätzlich bei Nachfrageänderungen wie Messen, Veranstaltungen, Feiertagen flexibel die Preise erhöhen. Das Aufsammeln von verschiedenen Fahrgästen an den Aufnahmepunkten für die gemeinsame Fahrt bedroht beim Ausbau der Infrastruktur die Taxibranche, aber auch den öffentlichen Nahverkehr. Passagiere sehen in dem Angebot der Fahrdienstleister nach ersten Umfragen eine flexiblere Lösung mit höherem Komfort. Die Aufgaben der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes sollten die Chancengleichheiten wahren.

Steigende Verkehrsdichte

Bei Fahrdiensten, die auf Fahrvermittler basieren, kam es in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten von Amerika aufgrund der fehlenden Sicherheit zu Straftaten, Unfällen oder Übergriffen auf die Passagiere. Gemäß den Geschäftsbedingungen übernimmt der Fahrvermittler hier auch nur beschränkte oder gar keine Haftung. Auch die Haftungsfragen bei Unfällen und Personenschäden müssen dann in jedem Einzelfall zulasten der Fahrgäste geklärt werden.

Die neuen Fahrdienste setzen auf neue Freiheiten bei der Mobilität. Die globalen Player pumpen Milliarden in die Anfangsinvestitionen und setzen die neuen Generationen, die auf ihr Auto verzichten und in Zukunft fahrerlos in den Ballungszentren gefahren werden wollen. Der Preis für die neue Mobilität ist die Erfassung von Bewegungsprofilen und die schon bekannten begleitenden Umstände aus der Nutzung des Smartphones – nämlich die gezielte Werbeeinblendung angepasst auf das Verhaltensmuster der Fahrgäste. In diesen Geschäftsfeldern entscheidet sich die Aufteilung der Marktanteile unter den globalen Anbietern wie Uber, Lyft, Freenow und Moia.

Nach dem Rückzug aus den Standorten Frankfurt, Stuttgart und Hamburg hat CleverShuttle einen neuen und großformatigen City-Hub in München eröffnet mit 75 Fahrzeugen. Für die Zukunft konzentriert CleverShuttle seine Kräfte an den erfolgreichen Standorten.

Fazit

Das Ziel, durch die neuen Fahrdienste eine geringere Verkehrsdichte zu erreichen, hat sich bisher in der Praxis noch nicht realisieren lassen. In den kommenden Jahren werden sich durch die größere Anzahl von Anbietern und Fahrzeugen im Verdrängungswettbewerb eher Verschiebungen mit ständig neuen Ideen und Services für den Kunden ergeben. Über die flexiblen und kurzfristigen Buchungsmöglichkeiten via Smartphone gibt es eine hohe Variabilität seitens der Fahrgäste, die von den Fahrdiensten voraussichtlich nur mit einem Ausbau der Bereitstellung der Dienstleistungen begegnet wird.

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