#Dieselgate – Die Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts

#Dieselgate – Die Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts

22. September 2016 Aus Von Nils Hagedorn
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In einem Kurzinterview gibt uns Jürgen Resch (Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V.) einen Einblick zu den Aufgaben des Emissions-Kontroll-Instituts.

GCM: Die deutsche Umwelthilfe hat im Rahmen des von Ihnen als Dieselgate bezeichneten Vorgang ein eigenes Emissions-Kontroll-Institut, kurz EKI gegründet. Welche Zielsetzungen werden dabei verfolgt und wie wird die Objektivität gewährleistet?
Das EKI soll Emissionen von Pkw im realen Betrieb offenlegen. Wir wollen damit verdeutlichen, dass das Problem des Dieselgate noch lange nicht gelöst ist, auch wenn insbesondere der Bundesverkehrsminister uns das glauben machen will. Wir wollen damit die Notwendigkeit von unabhängigen Untersuchungen und die für die Transparenz von Messergebnissen verdeutlichen. Beides wird bislang von den Behörden nicht bereitgestellt. Unsere Messmethode sowie die Überlegungen zur Auswahl der konkreten Fahrzeuge legen wir offen, ebenso die detaillierten Ergebnisse.
GCM: Im Rahmen der Tätigkeiten der Umwelthilfe werden viele Klageverfahren gegen die Hersteller auf den Weg gebracht. Gibt es zu wenig Kooperationsbereitschaft vonseiten der Hersteller?
Die Deutsche Umwelthilfe, kurz DUH, hat verschiedene Klagen gegen Autohersteller auf den Weg gebracht. Bei den Klagen geht es um irreführende Werbeaussagen von Fiat-Chrysler Deutschland, der Adam Opel AG und Daimler zu jeweils einem bestimmten Fahrzeugmodell. Die DUH verklagte am 30. Juni 2016 Fiat-Chrysler Deutschland wegen irreführender Aussagen zum Fiat 500x 2.0 beim Landgericht Frankfurt. Grundlage der Klage ist das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Im Vorfeld hatte Fiat-Chrysler Deutschland die Abgabe einer strafbewährten Unterlassungserklärung verweigert.
Am 10. Juni 2016 hat das Landgericht Darmstadt das von der DUH gegen die Adam Opel AG eingeleitete einstweilige Verfügungsverfahren wegen irreführender Werbeaussagen verhandelt. Das Gericht machte deutlich, dass der DUH bezüglich der den Kern des Rechtsstreits bildenden Aussage Recht gegeben werde.
Am 17. Februar 2016 hat die DUH die Daimler AG wegen irreführender Aussagen zur Umweltverträglichkeit und Sauberkeit des Diesel-Modells C 220 BlueTec abgemahnt. Nachdem sich die Daimler AG verweigerte, eine Unterlassungserklärung abzugeben, hat die DUH am 21. März 2016 Klage beim Landgericht Stuttgart eingereicht.
Zudem beantragten wir bei den zuständigen Behörden, für Fahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen der Abgasreinigungssysteme oder mit nachgewiesenen deutlich erhöhten Emissionen einen Widerruf der Typgenehmigung oder hilfsweise einen verbindlichen Rückruf zur Nachbesserung von Fahrzeugen einzuleiten, da diese die geltenden Stickoxidgrenzwerte im realen Betrieb nicht einhalten. Dabei geht es um verschiedene Modelle, darunter der Opel Zafira 1.6 CDTi, der Opel Insignia 2.0, die Mercedes C-Klasse 220 CDi Bluc Tec sowie weitere Modelle des Herstellers Mercedes und des VW-Konzerns.
Unsere aktuellen Messergebnisse zeigen insbesondere bei Fahrzeugen der Hersteller VW und Opel (Zafira) vergleichsweise gute Resultate mit geringen Emissionen. Wir hoffen, dass wir dies als Zeichen werten können, dass die Hersteller aus den Erfahrungen der letzten Monate gelernt haben und ihre Fahrzeuge nun so auf den Markt bringen, dass diese die geltenden Grenzwerte im realen Betrieb einhalten, denn technisch ist das möglich.
GCM: Welche Aufgaben wird das EKI in naher Zukunft wahrnehmen und welche Erwartungen werden hiermit verknüpft?
Wir werden weiter Fahrzeuge im realen Betrieb messen. Neben weiteren Dieselfahrzeugen kommen Fahrzeuge mit Benzin, Benzin-Hybrid und Erdgasantrieb dazu. Wir wollen auch in kälterer Umgebungstemperatur messen, denn wir wissen, dass einzelne Hersteller die Abgasreinigung der Fahrzeuge ab bestimmten Außentemperaturen stark reduzieren. Das ist nicht erlaubt und führt besonders in den Wintermonaten zu hohen Belastungen mit Schadstoffen der Luft in den Städten. Unsere Ergebnisse werden wir veröffentlichen und im Falle von Überschreitungen die Behörden zu Nachmessungen und rechtlichen Schritten auffordern. Wir werden auch die Öffentlichkeit weiter darüber informieren, wie die Abgas- und Verbrauchswerte aktueller Fahrzeuge in der Realität aussehen. So kann der Verbraucher leichter zu seinem Recht kommen und eine bewusstere Kaufentscheidung treffen.

Wir bedanken uns für das Interview.

Addendum

Im Zeitraum Mai bis Anfang September führte das EKI mit den Diesel-Pkw mehrmals Emissionsmessungen zu Stickoxiden und Kohlenstoffmonoxid durch. Die Messungen wurden auf einer Teststrecke in Berlin in unterschiedlichen Bereichen innerorts, außerorts und auf einer Autobahn auf einer Gesamtlänge von 31,5 km durchgeführt. Durch den gewählten Testzeitraum konnten die temperaturabhängigen Abschalteinrichtungen natürlich nicht getestet werden, deswegen sind die Testergebnisse nur bedingt aussagekräftig. Hierzu sollen die Tests im Winterhalbjahr deshalb wiederholt werden.

Auffallend sind bei milden Temperaturen die auffallend hohen Stickoxidwerte einiger Automodelle. Die höchsten Abweichungen erbrachte ein getesteter Ford Mondeo 2.0 Duratorq TDCi, der im Mittel die Grenzwerte um das 9,5-Fache überstieg. Nur wenige Modelle hielten die Grenzwerte bei diesen Bedingungen ein.

Der im Juni mit zahlreichen Abschaltvorwürfen entlarvte Opel Zafira Diesel wurde inzwischen modifiziert und überschreitet die Grenzwerte jetzt im Durchschnitt um 20 Prozent. Viel aufschlussreicher ist jedoch die Erkenntnis, dass es mit den aktuellen technischen Abgasreinigungssystemen problemlos möglich ist, im Fahrbetrieb die Grenzwerte deutlich einzuhalten. Es gibt momentan nur drei abgasarme Modelle im EKI-Test.

Auszug aus den Ergebnissen des EKI
Euro 6 Diesel-Pkw Ø CO2 g/km Ø NOx mg/km Faktor Grenzwertüberschreitung
VW T6 Transporter 2.0 TDI

162

118

0,9

Audi Q3 2.0 TDI quattro

148

48

0,6

Mercedes E 220 d Limousine (neue Motorgeneration)

( vom Hersteller zur Verfügung gestellt)

156

44

0,6

Quelle: EKI Deutsche Umwelthilfe e.V.

 

 

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