Disruption auf dem europäischen Automarkt 2021

Disruption auf dem europäischen Automarkt 2021

30. April 2021 0 Von N. Hagedorn
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Die Pressemeldungen der Automobilhersteller und die Statements der Vorstände in den letzten Wochen
lassen das Automobiljahr 2021 als ein von Umbrüchen geprägtes Jahr erscheinen. So sind der neue Produktionsstandort Grünheide von Tesla in Deutschland oder die massiven Probleme der Zulieferindustrie im Automobilbereich in Europa aufgrund der COVID-Pandemie sichtbare Zeichen für einige disruptive Veränderungen. Die Anforderungen an die Mobilität im 21. Jahrhundert fordert neue Konzepte, die sich schon jetzt am Markt bemerkbar machen.

Mobil ohne eigenes Auto

Die Start-ups mit App gesteuerten Mobilitätslösungen haben sich schon in den letzten Jahren etabliert. Wer nicht gerade auf dem Land lebt, kann bequem per App alle öffentlichen Nahverkehrsmittel, PLEVs oder Fahr- und Sharing-Dienste online buchen. Gerade die junge Generation der 20- bis 29-Jährigen hat laut einer aktuellen Bosch-Umfrage in Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich aus dem Frühjahr 2020 neue Mobilitätsziele.

Eine Meldung vom japanischen Autohersteller Mitsubishi sorgte für eine Überraschung. Der seit 1977 auf dem deutschen Automarkt aktive Hersteller hatte in den Jahrzehnten einige Nischen für sich erobern können, scheint aber mit einem Marktanteil von knapp einem Prozent in Europa an den Neuzulassungen zu wenig Geld zu verdienen. Die Konsequenz ist der geplante Rückzug aus Europa. Kurzfristig werden wohl noch die aktuellen Modelle verkauft, neue Modelle wird es dagegen langfristig nur noch in den lukrativen Kernmärkten Südostasien, Afrika, Ozeanien und Südamerika geben.

Konzentrationsprozesse

Die neuen europäischen Kohlendioxid-Grenzwerte in Europa und die Corona-Pandemie wirken sich massiv auf die europäischen Automärkte aus. Das zeigt sich bereits in der Ankündigung vom Hersteller Mitsubishi Motors, keine neuen Modelle mehr nach Europa zu liefern. Die kleineren Hersteller werden in den kommenden Jahren weiter unter Druck geraten. Die Selektion beschleunigt sich und die Frage für die kleinen Automarken wird sein, aufzugeben oder sich dem Konzentrationsprozess unterzuordnen. Mit der Fusion von FCA und PSA zum viertgrößten Hersteller sind die Machtverhältnisse vorerst unter den größten Herstellern Volkswagen, Toyota, General Motors, Stellantis und Hyundai-Kia aufgeteilt.

In Europa sind Elektroautos gefragt

Im Rahmen der neuen europäischen Richtlinien für die Reduzierung von PKW-Abgasen sind schon manche europäische Marken auf dem Rückzug. Außerhalb Italiens spielt zum Beispiel die Marke Lancia keine Rolle mehr. Auch Alfa Romeo muss sich den neuen Vorgaben anpassen, der eigene Slogan „Sie brauchen dieses Auto nicht“ hat sich inzwischen realisiert, die Fiat-Tochter hat gerade noch 3.246 Autos verkauft.

Mit den schärfsten Kohlendioxid-Grenzen der Welt in Europa wird sich der Selektionsprozess unter den Marken weiter fortsetzen. Schwache Autohersteller überlegen sich sehr genau, ob sich der Verkauf in Europa noch lohnt. Mit den alten, konventionellen Benzin- und Dieselmotoren lassen sich die Emissionsgrenzen nicht mehr einhalten. So hilft nur der Plug-in-Hybrid als Antriebsquelle oder der komplette Wechsel auf batteriebetriebene PKW. Damit können die durchschnittlichen Kohlendioxid-Werte der Herstellerflotten deutlich nach unten korrigiert werden.

Mit der Coronakrise und den sinkenden Absätzen sind die Forschungs- und Entwicklungsbudgets bei den Herstellern fast überall reduziert worden. Automarken, die in den Vorjahren keine oder wenige Elektroautos geplant hatten, werden sich in Zukunft wahrscheinlich aus diesem Segment zurückziehen. Die Folgen sind damit wie bei Mitsubishi auch der Rückzug aus Europa aus Furcht vor den Strafsanktionen der EU. Auch General Motors hat sich frühzeitig für den Verkauf der europäischen Marke Opel an den PSA-Konzern entschieden. Die Konzentration auf die eigenen Kernmärkte lag wohl näher im Fokus der Nordamerikaner.

Fazit

Der PKW-Markt der Europäischen Union mit der strengen Regelung der Kohlendioxid-Werte und das veränderte Mobilitätsverhalten aufgrund der Corona-Pandemie wird für den europäischen Markt spürbare Veränderungen bei den einzelnen Marken hinterlassen. Schwächere Autohersteller werden sich vom globalen Markt verabschieden, einige Marken werden sich wohl auch in diesem Jahrzehnt aus der EU vollständig zurückziehen.

Addendum

Titelbild – Sinnbild Disruption ©Dilok – stock.adobe.com

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N. Hagedorn