Das Leihgeschäft mit E-Scootern hat in den vergangenen Jahren im Citybereich einen wahren Boom ausgelöst. Die Folgen sind vielfältig und reichen von Diskussion über den Sinn des Einsatzes in Ballungsgebieten mit vielen Fußgängern bis hin zu steigenden Unfallzahlen durch den Einsatz der Scooter im Straßenverkehr. Wird leichtsinniger mit Leih-Scootern als mit im eigenen Besitz gefahrenen Scootern umgegangen?
Die Großstädte in Europa haben zuletzt zur Belebung des Kurzstreckenverkehrs auf den Leihroller gesetzt. Entsprechend finden sich viele E-Scooter im Straßenbild und auch häufig abgestellt mitten auf den Fußgänger- und Radwegen. Inzwischen haben viele Städte schon reagiert zur Eindämmung der Unfallgefahren und die Rahmenbedingungen schärfer für die Anbieter und Nutzer formuliert. Damit soll das relativ neue Verkehrsmittel besser integriert werden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine veröffentlichte Stude der Chalmers University of Technology zum Fahrverhalten von Leih-Scootern in Göteborg. Statistisch erfasst wurde eine Zahl von fast 7.000 Fahrten und deren Folgen. Dabei gab es einige Auffälligkeiten, die in der Studie aufgeführt wurden. Dazu zählen die Fahrten in einer Gruppe, das Fahren mit dem Smartphone in der Hand und das einhändige Fahren. Ein Ursache laut den Forschenden ist die Tatsache, dass die Leihscooter häufig nicht nur als Mobilitätsmittel genutzt wird, sondern auch zum eigenen Vergnügen gefahren werden. Dabei wird der E-Scooter offensichtlich eher als Spaßfaktor für die Freizeit genutzt.
Damit steigt auch das Risiko einen Unfall zu verursachen. In Deutschland führten die Fahrten in den vergangenen Jahren zu Todesfällen, wie diese Statistik vom Statistischen Bundesamt belegt:
| Getötete1 | 2024 | 2023 | 2022 | 2021 |
|---|---|---|---|---|
| 1: Einschließlich innerhalb von 30 Tagen Gestorbene. | ||||
| Benutzer von … | ||||
| Krafträder mit Versicherungskennzeichen | 41 | 53 | 57 | 56 |
| Elektrokleinstfahrzeuge (E-Scooter) | 27 | 21 | 10 | 5 |
| Krafträder mit amtlichen Kennzeichen | 513 | 497 | 492 | 473 |
| Personenkraftwagen | 1165 | 1192 | 1192 | 1118 |
| Bussen | 8 | 16 | 8 | 5 |
| Güterkraftfahrzeugen | 103 | 116 | 127 | 140 |
| Fahrrad ohne Hilfsmotor | 250 | 256 | 266 | 241 |
| Pedelec | 195 | 190 | 208 | 131 |
| Fußgängerinnen und Fußgänger | 402 | 437 | 368 | 343 |
Stand 16. Juli 2025 / Quelle Statistisches Bundesamt
+++ Rückblick green car magazine aus dem Jahr 2021 +++
E-Scooter gehören zunehmend zum Straßenbild in den Städten. Bei den von der Polizei erhobenen Unfällen mit Elektrokleinstfahrzeugen gab es in der Zeit von Januar bis September 2020 1.570 Unfälle mit Verletzten und Toten. Bei Unfällen mit E-Scootern gab es in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 1096 Leichtverletzte und 269 Schwerverletzte. Sieben Menschen sind getötet worden. Über die ersten Erkenntnisse aus dieser Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes haben wir in einem Kurzinterview mit Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), gesprochen.

gcm: Herr Brockmann, welche Erkenntnisse haben Sie aus der erstmaligen Erhebung der Unfallstatistik für E-Scooter bisher gewonnen?
Siegfried Brockmann: Eigentlich kann man mit den Zahlen jetzt nicht viel anfangen. Einen Vergleich zu Vorjahren haben wir ja noch nicht, aber auch zu Vergleichen, beispielsweise mit dem Fahrradunfallgeschehen, taugen sie nicht viel. Wir hatten einen harten Lockdown im Frühjahr und einen nachhaltig ausbleibenden Touristenstrom über das ganze Jahr. Gerade in den Metropolen mit den großen Verleihflotten hat das zu erheblich geringerem Scooter-Verkehr als erwartet geführt. Ich rate deshalb dazu, die begonnenen Begleitforschungen, unsere eigene und die der Bundesanstalt für Straßenwesen, abzuwarten. 2022 werden wir klarer sehen und haben dann, je nach Corona-Verlauf, auch aussagekräftigere Zahlen.
gcm: Welche Empfehlungen zur Reduzierung der Unfallzahlen sind aus Ihrer Sicht praktikabel?
Siegfried Brockmann: Ich bin ja fürs Abwarten und möchte daher im Moment keine Forderungen stellen. Aber grundsätzlich halte ich es für einen Fehler, für ein Kraftfahrzeug keinen Kenntnisnachweis über die Verkehrsregeln zu verlangen. Die Verleiher sollten überdies bereits schauen, ob sie mit genauerer Lokalisation via GPS die Nutzung beispielsweise in Fußgängerzonen unterbinden können. Zum Selbstschutz sollten unbedingt auch Helme empfohlen werden.
gcm: Welche Tipps für die technische Ausrüstung des E-Scooters sollte man bei der Neuanschaffung eines E-Scooters berücksichtigen?
Siegfried Brockmann: Scooter mit einer Betriebserlaubnis sind grundsätzlich nicht schlecht. Ein kritischer Punkt ist der Raddurchmesser. Größere Durchmesser bringen mehr Fahrstabilität, z.B. an abgesenkten Bordsteinen oder Hindernissen auf der Fahrbahn. Blinker sind nicht vorgeschrieben, aber ich finde sie wichtig: Eine Hand vom Lenker zu nehmen, um die Fahrtrichtung anzuzeigen, bringt Instabilität.
gcm: Herzlichen Dank, Herr Brockmann.
Unfallstatistik für E-Scooter 2020
Es gibt eine erste Statistik für Unfälle mit Beteiligung von E-Scootern für das Jahr 2020:
„E-Scooter sind aus dem Straßenbild der Großstädte in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Nun liegen erstmals – vorläufige – Unfallzahlen für ein Jahr vor. Demnach registrierte die Polizei im Jahr 2020 in Deutschland insgesamt 2 155 Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen (sogenannten E-Scootern), bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, kamen dabei insgesamt 5 Menschen ums Leben, 386 wurden schwer verletzt und 1 907 leicht. Mehr als 80 % dieser Verunglückten waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs gewesen. “ ( Quelle: Pressemitteilung Nr. N 021 vom 26. März 2021 vom Statistischen Bundesamt )
Addendum
Wie ist Eure Meinung zu den Leih E-Scootern?
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