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Ora Cat Copyright NVB Stocker - stock.adobe.com

Fünf neue Automarken wagen den Sprung nach Deutschland

Wer im Mutterland des Automobils Fuß fassen möchte, muss krisenfest und widerstandsfähig ans Werk gehen. Die Disruption am Automarkt mit dem eindeutigen Trend zur Elektromobilität nutzen in diesem Jahr gleich fünf neue Automarken. Mit den Ankündigungen gehen auch gleich neue digitale Vertriebskonzepte an den Start. Wir werfen einen umfassenden Blick auf Chancen und Risiken der neuen Automarken.

Vielleicht sollte man sich vorerst noch einmal das zurzeit erfolgreichste Konzept einer neuen Automarke des vergangenen Jahrzehnts vergegenwärtigen. Tesla hat den Markt vom Premiumsegment angefangen bis zum aktuellen Massenmarktmodell Model 3 kontinuierlich und trotz aller Widerstände innerhalb eines Jahrzehnts etabliert. In dieser Zeit haben sich aufgrund stagnierender Entwicklungsarbeit etablierte Marken wie Chevrolet, Lancia, Saab oder Rover vom deutschen Markt längst verabschiedet. Die neuen Player drängen vor allem aus dem innovativen Südostasien auf den deutschen Markt. Schon im vergangenen Jahr starteten MG-Motor, Aiways, Lynck&Co sowie Genesis mit den Präsentationen auf neuformierten IAA in München auf Präsenz auf dem Inlandsmarkt. Zurzeit spielen viele technische Faktoren im Produktionsumfeld eine bedeutende Rolle. Sowohl die Rohstoffengpässe als auch die massiven Störungen in den europäischen Lieferketten bieten den asiatischen Anbietern Nischen für einen erfolgreichen Einstieg in den Markt.

Great Wall Motors

Die chinesische Autohersteller Great Wall Motors (GWM) plant in großen Dimensionen und erwartet eine Steigerung der Produktion auf bis zu vier Millionen Fahrzeuge zu produzieren. Dabei helfen wird das breite Fahrzeugsegment mit Automodellen in fast allen Klassen. Schon Ende 2021 wurde für den Einstieg in den europäischen Markt eine neue Zentrale in München ins Leben gerufen. Langfristig ist eine Produktion innerhalb Europas geplant.

Aktuell gibt es aber nur ein paar Informationen zu dem Startmodell Coffee 01, einem Plug-in-Hybrid mit 350 kW/476 PS Systemleistung und einer rein elektrischen Reichweite laut Hersteller von bis zu 150 Kilometern ( Stand August 2022) . Erwartet wird ein Einstiegspreis zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Wahrscheinlich 2023 soll dann auch das SUV-Kompaktmodell Coffee 02 folgen.

Dagegen ist die GWM-Marke Ora ein reines Elektroauto, der Start soll auch im Jahr 2023 erfolgen. Optisch mit einem sportlichen Touch versehen kann das Lifestyle-Modell durchaus mithalten im europäischen Kompaktwagensegment. Mit einem 63 kWh Akku bietet er ausreichend Reichweite für die Kurz- und Mittelstrecken. Preislich angesiedelt wird er voraussichtlich bei 30.000 bis 35.000 Euro liegen.

Batterie Tauschstation von NIO im Ladepark Zumarshausen - Copyright Frank Gärtner - stock.adobe.com
Batterie Tauschstation von NIO im Ladepark Zumarshausen – Copyright Frank Gärtner – stock.adobe.com

Nio

Nio erinnert mit den großformatigen Luxuslimousinen ebenfalls an den Tesla-Start. Die exklusive Limousine ET7 mit 5,10 m Länge und in der höchsten Motorisierung mit einem 480 kW/ 653 PS starken Allradantrieb soll langfristig mit einem neuen 150-kWh-Akku die 1.000 Kilometer Reichweite laut Hersteller anpeilen. Immerhin hat NIO schon mit der Produktion und Auslieferungen im Premiumsegment in den letzten Jahren begonnen. Nio hat bisher 217.798 Fahrzeuge in den letzten Jahren produziert und ausgeliefert (Stand 30. Juni 2022). Damit gehört das 2014 gegründete Unternehmen noch eher zum Kleinserienhersteller im exklusiven Premiumsegment.

Innovativ ist auch das von Nio eingeführte Batteriewechselsystem in China, in dem sich ein Akku innerhalb von 5 Minuten komplett austauschen lässt. Seit Januar 2022 betreibt Nio bei Lier an der E18 in Norwegen auch die erste Tauschstation außerhalb Chinas. Noch spannender ist das angekündigte NIO-Versprechen Ultra-Schnellladesäulen mit 500 kW auch für Europa anzubieten.

Showroom XPeng Motors in Shanghai - Robert - stock.adobe.com
Showroom XPeng Motors in Shanghai – Robert – stock.adobe.com

XPeng

Auch für den ebenfalls 2014 gegründeten Elektroauto-Hersteller XPeng ist Norwegen der Einstiegsmarkt in Europa in 2021 gewesen.  Dabei steht ein exklusives Styling gekoppelt mit einer Reichweite für den Langstreckenverkehr im Vordergrund. Der Einstieg in den Markt erfolgte mit dem kompakten SUV G3, aktuell ist auch die großformatige Performance-Limousine P7 lieferbar, sie ist mit einem 316 kW/430 PS starken Elektromotor ausgestattet und bietet bis zu 470 Kilometer Reichweite. Es ist ein direktes Konkurrenzmodell zum Tesla Model 3 des amerikanischen Herstellers. Dabei bietet der P7 eine höhere Reichweite zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Momentan bestimmen jedoch auch hier die Störungen in den Lieferketten verzögerte Auslieferungszeiten. Offiziell bestätigt wurde bislang ein Marktstart für 2022 in Holland, Schweden und Dänemark. Im Herbst 2021 hat sich XPeng Motors Germany mit Sitz in München im Handelsregister als Import-GmbH eingetragen. Wenn die Zulieferer wieder liefern können, wird XPeng in Europa durchstarten.

Lucid Motors

Ein Hersteller aus den USA hat in den letzten Jahren ebenfalls mit seinem Luxusmodell Air auf sich aufmerksam gemacht. Der Lucid Air hat schon einige Rekorde aufgestellt. Mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometer bei einer Highway-Geschwindigkeit von 112 km/h (70 mph) setzte er schon eine Bestmarke bezüglich der Reichweiten-Range deutlich vor allen Konkurrenten im Premiumsegment.

Showroom Millbrae, CA, USA von Lucid - Copyright Tada Images - stock.adobe.com
Showroom Millbrae, CA, USA von Lucid – Copyright Tada Images

Jetzt ist der noble Air das Aushängeschild im neuen Showroom am Odeonsplatz in München. Hier können jetzt alle technischen Details erkundet werden und das Auto kann vor Ort vorbestellt werden. Er übertrifft mit 696 kW (947 PS) Leistung und einer Beschleunigung in weniger als drei Sekunden alle Konkurrenten im Premiumsegment. Diese Range-Variante erreicht schon eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Wer noch etwas mehr Leistung erwartet kann auch die Powervariante mit 828 kW (1.126 PS) ordern.  Beide Varianten liegen preislich bei über 200.000 Euro und bedienen das Premiumsegment der Luxusklasse.

Für die Zukunft gibt es ein günstigeres Einstiegsmodell mit weniger Leistung für Europa. Disen Air gibt es als Pure in abgespeckter Form mit weniger Leistung (480 PS) und Hinterradantrieb, Ausstattung und Reichweite sind noch nicht offiziell bekanntgegeben. Das Basismodell kostet in den USA 77.400 Dollar, was gut 65.000 Euro entspricht.

Vinfast setzt auf neueste Produktionsverfahren

Eine der innovativsten Hersteller von Fahrzeugen ist der aus deutscher Sicht exotischste Vinfast aus Vietnam. Erst 2017 begann der Hersteller mit dem Bau der neuen Fabrik und schon 2 Jahre später liefen die ersten Autos vom Band. Heute sind bereits 5.000 Menschen in dieser Fabrik beschäftigt, die meisten davon produzieren momentan circa 250.000 Elektroroller pro Jahr, sowie für Busse und PKW zuständig. Im PKW Sektor konzentriert man sich noch auf die Modelle VF8, VF9, LuX, VFe34 und Fadil. Zurzeit werden noch Verbrenner gebaut, Ende des Jahres folgt die komplette Umstellung auf Elektroautos.

Vinfast VF6 - Copyright - VanderWolf Images - stock.adobe.com
Vinfast VF6 – Copyright – VanderWolf Images – stock.adobe.com

Dabei konzentriert sich Vinfast auf die großformatigen SUV-Brüdermodelle VF8 im D-Segment und der 5,12 m lange VF 9 aus dem E-Segment. Schon Ende des Jahres wird in USA, Kanada und Europa mit der Auslieferung gestartet. Seitdem Rivian den Heißhunger der Amerikaner auf die Elektro-Pickups und SUVs entfacht hat, entwickelt sich ein dynamisches Wettrennen um die Marktführerschaft in den USA. Daher investiert Vinfast  zwei Milliarden Dollar für die Errichtung einer weiteren Fabrik im US-Bundesstaat North Carolina, in der schon ab Juli 2025 150.000 Autos jährlich vom Band laufen sollen. Auch in Europa soll langfristig eine neue Produktionsstätte entstehen, denkbar ist dabei auch ein Standort in Deutschland

Fazit

Die Dynamik in europäischen Markt für neue innovative Hersteller ist ungebrochen und hat spätestens nach dem Beschluss über das Verbrennerverbot ab2035 noch einmal Fahrt aufgenommen. Die Verkaufszahlen der neuen Anbieter wird nach Expertenmeinungen in den kommenden Jahren deutlich steigen. Ein Grund hierfür ist der allmähliche Ausstieg der europäischen Hersteller aus den preisgünstigsten Segmenten. Hier bieten sich gute Einstiegsszenarien für die neuen globalen Anbieter an. 

Addendum

Titelbild – Ora Cat Copyright NVB Stocker – stock.adobe.com

Welche Marke findet Ihr interessant?

N. Hagedorn

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