Hyundai Kona Elektro 2020

Hyundai Kona Elektro 2020

12. Dezember 2019 0 Von Nils Hagedorn
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Hyundai setzt im Kona-E-Modelljahr 2020 auf größere Akkupakete und damit bessere Reichweiten im Alltag. Neben den Kurzstrecken bietet der runderneuerte kompakte SUV mit dem leichteren Ein- und Ausstieg und der leicht erhöhten Sitzposition eine zeitgemäße Übersichtlichkeit und genügend Platz für längere Touren in den Urlaub. Im Sommertest haben wir uns von der Langstreckentauglichkeit ein eigenes Bild gemacht und einige interessante Features für die Elektromobilität ausgiebig getestet.

Eines der „Totschlagargumente“ gegen die Elektromobilität ist in der Vergangenheit immer die mangelnde Reichweite gewesen. Selbst die deutschen Fahrzeughersteller waren bisher sehr verhalten zum Thema Elektroauto. Mit dem Vorreiter Tesla und den inzwischen gestiegenen Kapazitäten zur Herstellung von größeren Akkupaketen rückt dieses Argument zunehmend in den Hintergrund. Volkswagen prescht im kommenden Jahr mit den neuen ID-Modellen vor. Hyundai setzt mit dem Kona E ein paar interessante Vorgaben im Wettbewerb. Der Elektromotor leistet 150 kW/204PS und verfügt über ein Drehmoment von 395 Newtonmeter. Damit beschleunigt der gut 1,8 Tonnen schwere Kona in der besten Ausstattungsvariante Premium in unter 8 Sekunden von Null auf 100km/h. Noch wichtiger für die Langstrecke sind die Beschleunigungswerte bei Überholvorgängen und hier schafft er den Spurt von 80 auf 120 km/h in circa 4,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch abgeregelt bei 167 km/h. Damit sind die technischen Fahrleistungen für den Langstreckeneinsatz prädestiniert.

Hyundai Kona Modelljahr 2020
Hyundai Kona Modelljahr 2020

Beeindruckend einfach

Erst einmal Platz nehmen im neuen Cockpit. Ablagefächer sind in den Türen unter der Mittelkonsole und in der Mittelarmlehne eingebunden, Getränkehalter sind doppelt in der Mittelkonsole und in der hinteren Mittelarmlehne vorhanden. Die Premium-Ausstattung lässt technisch kaum noch etwas vermissen: ein komplettes Audio- und Navigationssystem mit AUS- und USB-Anschlüssen, ein 8-Zoll-Touchscreen-Farbmonitor über der Mittelkonsole sowie eine ganze Armada von Assistenzsystemen, angefangen von der adaptiven Geschwindigkeitsregelung bis zur Traktionskontrolle und der Verkehrszeichenerkennung für Tempolimits. Selbst wenn ein Passant einmal unvorhergesehen zum Beispiel vor dem Bus die Straße überquert, schreitet der Notbremsassistent deftig in den Notbremsmodus um und bringt den Kona Elektro autonom zum Stillstand.

Während die technischen Features beim südkoreanischen Hersteller punkten, wirkt das Interieur eher zweckmäßig und nüchtern. Ergonomisch gut platzierte Schalter lassen schon nach dem Start per Knopfdruck die erste Besonderheit ins Auge fallen: Statt eines Automatikwahlhebels wird per Knopfdruck vorwärts oder rückwärts gewählt. Also einfach mal den Rückwärtsgang wählen und dann mit den Sensoren einfach ausparken. Sollte sich unbemerkt noch ein Fahrzeug von der Seite nähern, setzt der Querverkehrswarner ein entsprechendes akustisches Signal. Und danach kommt der Fahrspaß richtig zum Tragen. Wenn man seine Einstellungen zum E-Auto erst einmal verinnerlicht hat, kann man die beeindruckende Fortbewegung im Kona genießen. Vorausschauender Fahrstil, gut dosierte Rekuperation und ein Infotainment mit allen wichtigen Informationen zur Energierückgewinnung lassen Fahrer und Insassen entspannt über die Fahrbahn gleiten.

Laden und fahren

Die Ladenetze werden im Norden weiter ausgebaut. Und entlang der Autobahn Richtung Dänemark sind die Ionity CCS-Charger ein guter Anlaufpunkt für zügige Ladevorgänge. Der Lithium-Polymer-Akku hat eine Gesamtkapazität von 64 kWh mit Thermomanagement. An dem CCS-Charger konnten wir bei einer Restkapazität von 10% die Aufladung bis zu 80% in 45 Minuten umsetzen. Wer auf eine Wallbox in der Garage Zugriff hat, kann die Aufladung über Nacht realisieren. Für die Aufladungen am nächstgelegenen Möbelhaus oder Einkaufszentrum kann dann zumindest mit der Ladekarte per RFID-Chip eine kleine Stromspende aufgenommen werden.

Das SUV-Format wird sich auch bei den Elektroautos als wichtiges Segment durchsetzen. Die bisher bekannten Vorteile mit dem leichten Ein- und Ausstieg inklusive einer erhöhten Sitzposition, einer guten Übersichtlichkeit und ausreichenden Platzverhältnissen sprechen auch für den aktuellen Kona. Die Reichweite kann im Idealfall bis zu 449 Kilometer betragen. Bei realistischen Bedingungen sind nach unseren Eindrücken bei vollständiger Aufladung im Sommer 350 bis 400 Kilometer erzielbar. Die idealen Voraussetzungen sind gegeben mit der Installation einer Wallbox in der eigenen Garage oder im Carport, die Preise für die Heimlader sind inzwischen durch den zunehmenden Konkurrenzdruck deutlich gesunken.

SUV-Eigenschaften Kona Elektro

Die Fahrfreude kann auch in einer wichtigen Disziplin umgesetzt werden. Die Einsparung des Stromverbrauchs wird über die einstellbaren Rekuperationsstufen beeinflusst. Die Nutzung der verschiedenen Stromsparstufen kann auch im relativ großformatigen SUV zum moderaten Stromverbrauch von bis zu 15 kWh herunterdrosseln. Der ECO-Modus ist für die Fahrten im Citybereich ausreichend. Noch sparsamer wird es im Modus ECO+, der Verzicht auf die Klimaanlage und die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h kann auch mal im Sommer gute Dienste leisten. Und wer nicht auf den Fahrkomfort oder die Fahrdynamik verzichten will, schaltet direkt auf den Modus Comfort oder Sport.

Für den Kona werden die drei Ausstattungsvarianten Trend, Style und Premium angeboten. Hyundai setzt selbst im Basismodell Trend schon auf einige zeitgemäße Ausstattungsdetails: Hierzu gehören die Zentralverriegelung mit dem Smart-Key-System, die Klimaautomatik, beheizbare Vordersitze, Lenkrad und eine Einparkhilfe vorne. Erst ab der Version Style ist auch eine Wärmepumpe serienmäßig, die die Wärme der Außenluft und Antriebskomponenten zur Energieeinsparung nutzt. In der von uns getesteten Premium-Ausstattung wird ausschließlich das große 150-kW-Antriebsaggregat angeboten. Hier gehören die adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie ein Spurhalteassistent und ein Staubassistent zur Serienausstattung.

Hyundai Kona Modelljahr 2020
Hyundai Kona Modelljahr 2020

Interessante Details Kona Elektro

Die Individualisierung der Ausstattung gehört nicht zu den Stärken von Hyundai, man muss sich also für das passende Ausstattungspaket entscheiden. Als Zusatzausstattung gibt es für die Style- und Premium-Modelle ein elektrisches Glas-Schiebedach als Extra für 600 Euro Aufpreis und eine Zweifarben-Dachlackierung als Option für exakt den gleichen Zuschlag. Ansonsten sind noch diverse Metallic-Farbtöne wählbar für jeweils 590 Euro.

Neben der getesteten Version gibt es auch noch eine für die Kurzstreckenfahrer: die mit dem kleineren 39,2 kWh Lithium-Polymer-Akku ausgestattete Version mit einem 100 kW (136 PS) Elektromotor. Der Einstiegspreis startet bei 34.600 Euro. Von dieser Version gibt es ausschließlich die beiden Ausstattungsvarianten Trend und Style.

Insgesamt wirkt der Hyundai sehr konventionell. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass es neben der Elektrovariante auch die herkömmlichen Versionen mit Verbrennungsmotor gibt. Die einzelnen Funktionen werden in erster Linie über Knöpfe und Drehregler angesteuert. Die Mittelkonsole und das Multifunktionslenkrad sind mit den tradierten Tasten bestückt. Der Vorteil liegt darin, dass der Umstieg vom Verbrenner auf das Elektroauto auch für Traditionalisten einladend wirkt. Schlichte Funktionalität steht beim Kona auf der Tagesordnung.

Fazit

Der Kona ist in der Konzeption und Struktur ein rationales SUV. Wer aber auch mal Fahrspaß auf der Langstrecke erleben möchte, kommt im Sportmodus auf keinen Fall zu kurz. Sollte es dann einmal eng mit den Stromreserven werden, kann mit dem ECO+-Modus auf jeden Fall die nächstgelegene Ladestation angefahren werden. Zurzeit ist er in seinem Preissegment einer der wenigen Elektro-SUV-Fahrzeuge für den Mittelstreckenbereich.

Addendum

Test aus dem Spätsommer 2019

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