Langstreckentest ProPILOT Assist im Volvo V90 Twin Engine

Langstreckentest ProPILOT Assist im Volvo V90 Twin Engine

14. Oktober 2021 0 Von N. Hagedorn
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Volvo setzt seit 2017 verstärkt auf den Einsatz von Hybridmodellen, jetzt gibt es den neuen Volvo V90 in zwei Plug-in-Hybrid-Versionen auf dem Markt. Mit den Modellbezeichnungen T6 und T8 Twin Engine präsentiert Volvo im R-Design zwei voll ausgestattete und großformatige Kombis im Premiumsegment. Im Hinblick auf Leistung und Preis setzt er sich eindeutig an die Top-Platzierung in der Baureihe. Die starke Motorisierung wurde aus den Topmodellen der 90er Reihe übernommen. In diesem Test legen wir Wert auf das teilautonome Fahren im Langstreckenbetrieb.

Im Langstreckenverkehr sind die großen Business-Kombis eher gefordert und häufiger im Einsatz. Hier kann man je nach Fahrverhalten und äußeren Verhältnissen zwischen vier Fahrmodi auswählen: über den reinen ECO-Modus, den Hybrid-Modus und Sport-Modus bis hin zum Allradantrieb. Laut Volvo-Presseinformation wartet der über 2 Tonnen schwere Volvo V90 mit folgenden Verbrauchswerten auf: laut WLTP gemäß EU-Verordnung 2,4 l Super. Das lässt sich dann wohl nur unter den Laborbedingungen des WLTP-Teststandards bei vollem Akku ermitteln. Die Realität in unserem Langstreckentest über 2.000 km taxierte den Verbrauch laut Bordanzeige auf 6 bis 7 Liter im Durchschnitt bei einem Außentemperaturlevel zwischen warmen 15 bis 25 °C.

Teilautonomes Fahren im Langstreckentest

Ein niedriger Verbrauch ließe sich wohl bei geladenen Akkus erreichen. Das dauert aber für jeden kompletten Ladevorgang mindestens 3 Stunden bei 16 A. Bei hohen Reisegeschwindigkeiten zwischen 130 bis 160 km/h genehmigt sich der V90 dann nach den oben aufgeführten Fahrmodi zwischen 8 bis 10 Liter Superbenzin. Wenn man einen Blick auf das hohe Leergewicht von circa 2.093 kg wirft, ist dieser Verbrauch nicht verwunderlich. Und auf den Langstrecken macht sich das Zusatzgewicht des E-Motors und des Akkus entsprechend bemerkbar. Die Verbrauchswerte unter Laborbedingungen, nach denen die Zulassung für den V60 erfolgte, ist wie schon bei anderen Autos nicht praxisrelevant.

Entwickelt für die Langstrecke

Wer es ruhiger mag, kann bei reiner Nutzung des Elektromotors bis zu 125 km/h schnell fahren. Wer dann wieder in den Schnellfahrmodus umspringt, spürt den leistungsstarken Vierzylinder deutlich am Geräusch. Im Hybrid-Modus zeigt er auf Anforderung auch Sprintqualitäten, die den V60 innerhalb von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h rasant beschleunigen.

Der Volvo ist trotzdem kein Sportgerät und auch nicht für den Slalomparcours prädestiniert. Seine Stärken liegen in einer spurtreuen und stabilen Straßenlage gerade bei hohen Geschwindigkeiten, in den sehr gut ausgereiften Assistenzsystemen mit einem entspannten Fahrsystem für das teilautonome Fahren und in einer komfortablen technischen Ausstattung, die die Konkurrenz zu BMW oder Mercedes-Benz nicht scheuen muss. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien liegen auf einem hohen Niveau.

Volvo V90 Twin Engine
Volvo V90 Twin Engine

ProPIlLOT Assist

Wer häufig auf Langstrecken mit einem hohen Anteil an Landstraßen- und Autobahnanteil unterwegs ist, schätzt die adaptive Geschwindigkeitsregelung als Entlastung für die FahrerInnen. Wer noch ein wenig mehr Vertrauen in die Technik mitbringt, kann mit dem Pilot Assist System von Volvo einige zusätzliche Features erfahren. So werden neben der adaptiven Geschwindigkeitsregelung auch das Halten in der Spur und das unbeabsichtigte Ausscheren aus der eigenen Spur unterstützt.

Im praktischen Fahrbetrieb wird die Funktion Pilot Assist per linken Daumen über die Lenkradtaste per Druck aktiviert. Damit das System einwandfrei funktioniert, müssen die benutzten Fahrbahnen eindeutig markiert sein. Sofern keine eindeutigen Markierungen erfasst werden können, kann die Lenkhilfe ohne Vorwarnung aussetzen. Der Fahrer muss beide Hände am Lenkrad haben und das System arbeitet für die Spurhaltung bis zu einer Geschwindigkeit von 140 km/h.

Als Basis dienen die Fahrbahnmarkierungen als Orientierungsleitfaden. Wenn man das Lenkrad bei eingeschaltetem System walten lässt, wird der Abstand rechts und links neben dem Fahrzeug in Fahrtrichtung vom Fahrgefühl in der Mitte der Fahrspur konstant auf der Spur gehalten. In Baustellenbereichen muss dann wieder selbstständig die Lenkung übernommen werden. Die adaptive Geschwindigkeitskontrolle funktionierte bei unseren Tests überzeugend, alle Silhouetten der vorausfahrenden Fahrzeuge vom großformatigen LKW bis zum grazilen Motorrad wurden eindeutig rechtzeitig identifiziert und die Abstände autonom nach der Voreinstellung direkt angepasst. Bei den Überholvorgängen auf der Autobahn checkt das System vorab noch einmal intensiv die Umgebung und fährt etwas verzögerter los, als wenn man persönlich das Gaspedal betätigt. Hat man sich einmal daran gewöhnt, lässt sich auch das Ausscheren auf die Überholspur während der Fahrt besser anpassen.

Wenn man wie wir mal rund 1.000 Kilometer am Tag zurückleglt, merkt man am Ende des Tages deutlich die Unterschiede. Nach dem Ausstieg waren wir längst nicht so übermüdet, da wir die ganzen Brems- und Beschleunigungsvorgänge nicht selbstständig tätigen mussten. Aus unserer Sicht in erster Linie eine hohe Entlastung für die FahrerInnen und eine deutliche Senkung der Unfallgefahren während der Fahrt.

Fazit


Der neue Volvo V90 in der getesteten R-Design-Variante ist ein hochwertiger Business-Kombi mit einer umfassenden Ausstattung an Sicherheitssystemen. Wer häufig auf Langstrecken unterwegs ist, wird das System Pro Pilot Assist als Entlastung ansehen. Die durchgehend funktionale und ergonomische Bedienung bietet ein bequemes Fahrerlebnis. Hierbei sind insbesondere die Assistenzsysteme für das teilautonome Fahren hervorzuheben.

N. Hagedorn