Lexus ES 300h – Die Oberklassen-Limousine

Lexus ES 300h – Die Oberklassen-Limousine

5. Dezember 2019 0 Von Nils Hagedorn
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Toyota setzt mit der Edelmarke Lexus weiterhin eigene Akzente in der automobilen Oberklasse. Mit einem markanten Design unterstreicht der Automobilhersteller die Ansprüche, einen separaten Weg im Luxussegment zu beschreiten. Neben den SUV als Allheilmittel für die mobile Gesellschaft mit hohen Marktanteilen im High-End-Segment wird wie bei der Konkurrenz weiterhin auf Limousinen gesetzt. Beim Lexus ES 300h hat man die Wahl zwischen den neuen Turbobenzinern und dem von uns getesteten Hybrid-Benzinantrieb mit 178 PS kombiniert mit einem Elektromotor mit 120 PS – daraus ergibt sich eine Systemleistung von insgesamt 218 PS (160kW).

Der markante Blickfang vom Lexus ES besticht im äußeren Erscheinungsbild durch einen wuchtigen Diabolo-Kühlergrill als herausragendes Kennzeichen, Voll-LED-Scheinwerfer und eine zeitlos wirkende Formgebung aus großzügigen Linienführungen, formgebenden Lichtkanten und einem markanten Heck. Die Chefdesigner setzten bei der Karosserie die Akzente auf Fahrdynamik und Exklusivität. Viele eigene Stilelemente prägen den ES als elegante Limousine im Straßenbild. Und so verwundert es nicht, dass sich einige Passanten beim Anblick des Kühlergrills schon einmal nach der Marke erkundigen.

Luxuriöse Innenausstattung

Im Cockpit setzt Lexus auf eine luxuriöse Innenausstattung. Leder-Sportsitze und ein mit Leder bekleidetes Armaturenbrett in der von uns getesteten Version erzeugen ein hochwertiges Ambiente. Die hoch aufragende Mittelkonsole nimmt die Diabolo-Form in den Innenraum auf. Großzügig gestaltet ist das über der Mittelkonsole platzierte Multimediadisplay. Hier kann die Bedienung während der Fahrt nur über das in die Mittelkonsole eingelassene Touchpad erfolgen. Es ist eine bewegliche Sensorfläche, die bei Berührung hektisch auf dem Infodisplay zwischen den Menüpunkten springt und bei Druck anwählt. Das ist aus Fahrersicht sehr umständlich.

Dafür entschädigen die Leder-Sportsitze mit gutem Seitenhalt und vielfältigen Einstellmöglichkeiten, die sich für bis zu drei Nutzer abspeichern lassen. Auf der Rücksitzbank ist ausreichend Raum für zwei Erwachsene mit komfortablem Platzangebot, dafür ist der Mittelsitz schmal ausgelegt. Ansonsten bietet der ES trotz imposanter äußerer Erscheinung im Kofferraum nicht mehr Platz als die Golfklasse: 454 Liter Kofferraumvolumen sind sehr übersichtlich im Vergleich zur Konkurrenz.

Lexus ES 300h 2020 Test
Lexus ES 300h 2020 Test

Die Basis für den Antrieb bildet beim Hybrid-Benzinantrieb ein Atkinson- Vierzylinder-Motor mit einem für Benzinmotoren relativ hohen Wirkungsgrad. Ein hohes mechanisches Verdichtungsverhältnis von 14 : 1 und eine variable Einlassventilregelung sowie eine D-4S-Direkteinspritzung beeinflussen den Wirkungsgrad. Die Start-Stopp-Technik und eine Abgaswärme- Rückgewinnung wirken sich positiv auf die Verbrauchswerte aus. Trotz der Systemleistung von 218 PS (160 KW) ist die Oberklasse-Limousine nicht so antritts- und durchzugsstark wie es die Formgebung erahnen lässt. Er ist je nach Gusto des Fahrers auf verschiedene Fahrstile ausgelegt und bietet einen Energiesparmodus Eco, den Normalmodus sowie zwei Sportfahrstufen zur Auswahl. Der Drehzahlmesser beherrscht dann das Display und es geht spurtstärker und auch lauter voran. Die besten Beschleunigungswerte werden natürlich im Modus Sport+ erreicht. Damit wird dann aber auch im Innenraum der Motoren- und Auspuffsound erfahrbar.

Lexus Leistungsverteilung

Die Automatik stellt die Übersetzungsänderungen im ausgeklügelten Planetenradsystem stufenlos ein und entsprechend spürt man beim Gangwechsel nichts. Beim Kickdown gehen beide Motoren sofort auf Volllast; spürbar und mit Nachdruck erfolgen Beschleunigungen und Überholvorgänge im Alltag. Ein variables Fahrwerk lässt sich durch den Fahrer variieren. Über das Bedienungsmenü lassen sich die Dämpfungscharakteristik, die Wankneigung und die Kurvensteuerung nach eigenen Wünschen wählen. Mit einer 30-stufigen Einstellung lassen sich nach Anforderungsprofil zum Beispiel spielerisch Lösungen finden, die Dämpfung nach Anforderungen abzufedern. Hierbei hilft eine Dämpfersteuerung, die eine Reaktionszeit von 20 Millisekunden aufweist. Für die Limousine ist die Fahrwerksabstimmung des Lexus komfortabel und lässt sich umfangreich einstellen.


Für ein noch höheres Maß an Fahrdynamik setzt Lexus beim sportlichen ES F SPORT auf ein adaptiv variables Fahrwerk, das die verstellbaren Dynamic Control Dämpfer der anderen Versionen ersetzt. Ähnlich wie das erstmals für das LC Coupé vorgestellte System passt es die Dämpferkraft an jedem einzelnen Rad in 650Stufen automatisch und nahtlos an, um laut Lexus auf jeder Straßenoberfläche eine optimale Fahrqualität und präzise Kontrolle zu gewährleisten.

Bei gut 1,7 Tonnen Eigengewicht sind die Verbrauchswerte im Prospekt mit 4,4 Liter Superbenzin im Praxistest nicht erzielbar. Wer einmal die ganze Bandbreite der oben aufgeführten Fahmodi ausprobiert, liegt beim Ökosparmodus bei Werten zwischen 5-6 Liter. Im ADAC Ecotest erzielte der ES 76 von 100 erzielbaren Punkten mit einer Wertung von 4 von 5 Sternen.

Lexus ES 300h 2020 Test
Lexus ES 300h 2020 Test

Preise und Ausstattungsvarianten vom Lexus ES 300h

Die polarisierende Formgebung birgt auch Nachteile. Die Übersichtlichkeit ist nicht die Stärke des ES. Die optischen und akustischen Abstandswarnungen sind serienmäßig an Bord und notwendig. Es gibt verschiedene Motorisierungen und Ausstattungsvarianten. Die Basisversion ist für 48.200 Euro erhältlich inklusive Notbremsassistent, Fahrdynamikregelung und automatische Abstandsregelung.

Anstelle einer umfangreichen Liste mit Zubehör und Sonderausstattungen setzt Lexus auf abgestimmte Ausstattungspakete, die vom Kunden gewählt werden können. So gibt es neben der Basisversion 4 weitere Varianten. Daraus ergeben sich dann aber entsprechend einige Kompromisse: So gibt es zum Beispiel die 360-Grad-Kamera für exaktes Rangieren, den Totwinkel-Assistent sowie für rückwärtiges Querverkehrswarner nur als Sonderausstattungen für die Topmodelle.

Der Lexus Hybrid ist gegenüber der Konkurrenz von BMW und Audi eine Alternative. Der technische Aufwand ist gegenüber dem reinen Dieselantrieb ungleich höher und entsprechend bewegt sich das Preisniveau auf einem hohen Level. Wer sich für einen Hybrid-SUV entscheidet, kann angesichts des rückläufigen Fahrzeugmarktes für Dieselfahrzeuge sicher sein, eine relativ wertstabile und in den Umweltzonen fahrbare Limousine zu erwerben.

Wer etwas gelassener auf Langstrecken unterwegs sein will, kann sich mit der elektronisch abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h anfreunden. Der noble Japaner fährt sich eben nicht so sportlich, wie er aussieht, und bietet für Kunden eine leichte Entschleunigung an. Das ist dann schon eine Ausnahmeerscheinung und hat eine andere Wertigkeit als die bis zu 250 km/h schnellen und dynamischen Limousinen der Konkurrenz.

Fazit

Die Hybridmodelle von Lexus sind eine sinnvolle Variante zum Dieselmotor für den Langstrecken- und Autobahnverkehr. Der Benzinmotor arbeitet effektiv nach dem Aktinson-Prinzip und ist zur Zeit mit einem Wirkungsgrad von 41 Grad einer der effizientesten Benzinmotoren. Lexus legt die Schwerpunkte auf hohen technischen Komfort im Antrieb und Fahrwerk sowie überzeugende Verarbeitungsqualität bei gleichzeitig moderaten Verbrauchswerten im Alltagsbetrieb.

Addendum

Praxistest aus dem Sommer 2019

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