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NexDash x EIT(1)

„NexDash ist kein Konzept mehr, sondern in der Umsetzung“

NexDash ist ein Berliner Neo-Carrier-Unternehmen mit dem Ziel den europäischen Straßengüterverkehr zu elektrifizieren. Im Juni erhielt NextDash eine Finanzierung in Höhe von 2,5 Millionen Euro durch EIT Urban Mobility, einer Initiative des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT), einer Einrichtung der Europäischen Union. Die Investition ist eine Vorfinanzierungszusage für die Serie-A-Finanzierungsrunde und sichert EIT Urban Mobility die Beteiligung an dieser Runde. Im Interview mit Johannes Kirschner, Investment Manager der EIT Urban Mobility werfen wir einen Blick auf die Finanzierung und die Erwartungen an dieses Projekt.

Die Förderentscheidung


gcm: Welche Faktoren haben den Ausschlag gegeben, gerade NexDash mit 2,5 Millionen Euro zu fördern?


NexDash hat uns mit seinem vollständig integrierten Ansatz überzeugt: Das Unternehmen transformiert bestehende Transportbetriebe systematisch – von der Akquisition über die Elektrifizierung der Flotten bis hin zum KI-gestützten Betrieb über NexOS. Dieser End-to-End-Ansatz adressiert genau die Lücke, die bislang die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs gebremst hat: fehlende Koordination zwischen Flottenbesitz, Energiemanagement, KI-gestütztem Betrieb und strukturierter Finanzierung. Hinzu kommt ein Gründerteam mit nachgewiesener Skalierungserfahrung und tiefem Logistik-Know-how. Die erste Akquisition eines deutschen Carriers ist bereits abgeschlossen – NexDash ist kein Konzept mehr, sondern in der Umsetzung.


gcm: Welche konkreten Ziele verfolgt EIT Urban Mobility mit dieser Investition?


Unser Ziel ist es, die Dekarbonisierung des europäischen Straßengüterverkehrs als skalierbaren Systemwandel zu beschleunigen. Dabei geht es nicht nur um einzelne Unternehmen, sondern um die Transformation eines gesamten Marktes hin zu emissionsfreien Betriebsmodellen. Konkret bedeutet das: die Elektrifizierung von Flotten im breiten Markt – insbesondere im mittelständisch geprägten Segment – voranzutreiben, skalierbare Betriebs- und Technologielösungen zu etablieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sich neue Modelle schnell über Regionen und Akteure hinweg verbreiten können.


gcm: Welche Kriterien müssen Unternehmen erfüllen, um Fördermittel in dieser Größenordnung zu erhalten?


Wir investieren in Unternehmen, die nachhaltige urbane Mobilität in Europa mit skalierbaren, marktfähigen Lösungen vorantreiben. Voraussetzung ist dabei, dass die Unternehmen ihren Sitz in der EU oder in Horizon-Europe-assoziierten Staaten haben und somit aktiv zum europäischen Innovationsökosystem beitragen.
Zentrale Kriterien sind ein klarer Beitrag zur Dekarbonisierung, ein großer und wachsender adressierbarer Markt, technologisch ausgereifte und differenzierende Lösungen sowie ein diverses, komplementär aufgestelltes Team mit klarer Umsetzungskompetenz.


gcm: Welche Rolle spielt die Dekarbonisierung des urbanen Güterverkehrs innerhalb Ihrer Gesamtstrategie?


Die Dekarbonisierung des Güterverkehrs zählt zu den größten Herausforderungen im Verkehrssektor und ist zugleich eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine klimaneutrale Mobilität. Schwere Nutzfahrzeuge verursachen mehr als ein Viertel der Straßenverkehrsemissionen in der EU. Das Thema ist damit kein Randthema unserer Strategie, sondern ein Kernbereich. EIT Urban Mobility investiert gezielt in Lösungen, die nicht nur technologische Verbesserungen liefern, sondern den gesamten Transformationsprozess operativ begleiten.


Der Markt für urbane Güterlogistik


gcm: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen in der städtischen Güterlogistik in Europa?


Der europäische Straßengüterverkehr ist extrem fragmentiert und dominiert von kleinen und mittelständischen Carriern, die unter konstantem Margendruck, Fahrermangel, alternden Belegschaften und steigenden Betriebskosten leiden. Die Elektrifizierung verschärft das Problem zusätzlich: Sie erfordert erhebliches Kapital, betriebliches Umdenken und den Aufbau einer völlig neuen Ladeinfrastruktur. Die meisten Betreiber können diesen Wandel nicht alleine stemmen. Das ist die strukturelle Herausforderung, die NexDash adressiert.


gcm: Welche europäischen Städte gelten aus Ihrer Sicht als Vorreiter bei emissionsfreien Lieferkonzepten?


Statt einzelne Städte herauszustellen, sehen wir eine Vielzahl europäischer Städte, die in unterschiedlichen Bereichen der Güterlogistik vorangehen. Genau diese Breite zeigt sich auch in unserem Projektportfolio. Wir fördern Initiativen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von autonomer, elektrischer Lieferflotten-Integration über die Skalierung von Lastenrädern bis hin zu intelligenter Verkehrsknoten- und Lieferzonenplanung.
Ein Beispiel ist das Projekt „MUDAV“, das den kommerziellen Einsatz autonomer, elektrischer Level-4-Lieferflotten im urbanen Realbetrieb in Bochum und im Kanton Zürich vorantreibt. Im Bereich Lastenräder unterstützt „Cargobike-Scale“ Logistikbetreiber (insbesondere KMU) in Brüssel, Paris, London und Barcelona dabei, nachhaltige urbane Zustellung durch interoperable digitale Infrastruktur effizient zu skalieren. In Aarhus und Riga entwickeln wir mit „GreenDASH“ einen elektrischen Lastenroller für die letzte Meile, der Lieferunternehmen eine kosteneffiziente und emissionsarme Alternative bietet.


Auch die städtische Infrastruktur selbst steht im Fokus: „LogE-Hubs“ hat die Städte Las Rozas de Madrid und Braga bei der datengestützten Planung urbaner Logistikknotenpunkte unterstützt, während unser „Smart Zone Enforcement“-Projekt mit Echtzeit-Sensorik die Einhaltung von Lieferzonen-Regelungen in Kadıköy und Bukarest verbessert und Innenstädte entlastet hat.


Diese Bandbreite von autonomer Elektromobilität über Lastenräder bis zur intelligenten Infrastrukturplanung zeigt, dass der Wandel zu emissionsfreier Güterlogistik in ganz Europa auf vielen Ebenen gleichzeitig stattfindet.
gcm: Welche Bedeutung hat die letzte Meile („Last Mile Delivery“) für die Erreichung der europäischen Klimaziele?
„Last-Mile-Delivery“ ist ein zentraler Emissionstreiber in städtischen Räumen. Je mehr der Onlinehandel wächst, desto stärker wird der Druck auf urbane Zustelllogistik und desto wichtiger wird die Elektrifizierung dieses letzten Segments. NexDash fokussiert sich zwar zunächst auf mittelstreckigen Straßengüterverkehr mit schweren Fahrzeugen, aber die Transformation des gesamten Güterverkehrs – inklusive letzter Meile – ist integraler Bestandteil des europäischen Klimawegs.


gcm: Welche regulatorischen Entwicklungen beschleunigen derzeit die Elektrifizierung des Güterverkehrs?


Zwei Entwicklungen sind hier besonders relevant: Erstens verschärfen die EU-CO₂-Standards für schwere Nutzfahrzeuge den regulatorischen Druck schrittweise. Zweitens macht das CO₂-differenzierte Mautsystem in Deutschland Dieselbetrieb progressiv teurer. Beide Instrumente erhöhen den wirtschaftlichen Anreiz zur Flottenelektrifizierung und unterstützen damit das Geschäftsmodell von NexDash strukturell.


NexDash und die Skalierung


gcm: Welche Erwartungen verbinden Sie mit der europaweiten Expansion von NexDash?


Wir erwarten, dass NexDash zum führenden Betreiber eines emissionsfreien Schwerlast-Netzwerks in Europa wird. Das Modell – Akquisition etablierter Carrier, Transition auf Elektro, Betrieb über NexOS – ist skalierbar. Mit der abgeschlossenen ersten Akquisition und einer Pipeline weiterer Targets in fortgeschrittenem Stadium ist das Unternehmen auf dem richtigen Weg. EIT Urban Mobility bringt dazu sein paneuropäisches Netzwerk ein, das über 270 Partnerorganisationen aus Industrie, Städten und Wissenschaft umfasst.


gcm: In welchen Ländern oder Städten soll der Ausbau zunächst stattfinden?


Der operative Einstieg ist bewusst in Deutschland erfolgt – mit der ersten erfolgreichen Akquisition eines bestehenden Carriers. Gleichzeitig ist NexDash von Anfang an nicht national gedacht. Logistik funktioniert per Definition grenzüberschreitend, Wertschöpfungsketten enden nicht an Landesgrenzen. Entsprechend adressiert NexDash seit Tag eins den europäischen Markt als integrierten Raum. Mittelfristig wird die Expansion konsequent entlang europäischer Transportkorridore erfolgen. Perspektivisch richtet sich der Blick zudem auf den US-Markt, wo vergleichbare strukturelle Voraussetzungen für skalierbare Transformation bestehen.


gcm: Welche Kennzahlen werden zur Erfolgsmessung des Projekts herangezogen?


Der primäre Erfolgsindikator ist zunächst der erfolgreiche Markteintritt und die Fähigkeit, das Modell operativ zu etablieren. Darauf aufbauend steht die schrittweise Transformation der Flotten im Fokus – erste E-Trucks sind bereits bestellt. Entscheidend wird dann die Integration in den täglichen Betrieb: Fahrzeuge müssen unter realen Bedingungen eingesetzt, Prozesse optimiert und Effizienzpotenziale gehoben werden. Dabei spielt auch die aktive Einbindung der Fahrer eine zentrale Rolle. Parallel verfolgt NexDash einen klar dokumentierten Learning-Ansatz: operative Erkenntnisse werden systematisch erfasst und in standardisierte Prozesse überführt.
Der eigentliche Maßstab für Erfolg ist damit die Skalierbarkeit dieses Wissens, also die Fähigkeit, den Ansatz schnell auf weitere Standorte zu übertragen und so echten „Impact at Scale“ zu erzielen.


gcm: Welche Herausforderungen erwarten Sie bei der Skalierung über unterschiedliche Märkte und regulatorische Rahmenbedingungen hinweg?


Europa ist kein homogener Markt. Unterschiedliche nationale Mautregelungen, Ladeinfrastruktur-Reifegrade, arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme für Elektrofahrzeuge schaffen ein komplexes Umfeld für eine grenzüberschreitende Skalierung. NexDash begegnet den Herausforderungen mit einer Plattform-Architektur, die hardware-agnostisch ist und sich an unterschiedliche Fahrzeugtypen und Betriebsbedingungen anpasst. Dennoch wird jeder neue Markt eigene Anpassungsarbeit erfordern, insbesondere beim Aufbau lokaler Akquisitions-Pipelines und Lade-Infrastrukturpartnerschaften.


gcm: Wie wichtig sind lokale Partnerschaften mit Städten, Logistikunternehmen und Infrastrukturbetreibern für den Erfolg des Projekts?
Sie sind entscheidend. NexDashs Ansatz baut darauf, bestehende lokale Operator-Strukturen zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Der Ansatz setzt dabei auf Integration in bestehende Märkte, nicht auf Greenfield-Projekte. EIT Urban Mobility bringt hier seinen unmittelbaren Mehrwert: Unser paneuropäisches Ökosystem verbindet NexDash mit städtischen Mobilitätsakteuren, Infrastrukturpartnern und Industrieakteuren, die lokale Marktkenntnis und Netzwerkzugänge mitbringen, die Start-ups nur sehr schwer alleine aufbauen können.


gcm: Herzlichen Dank, Herr Kirschner.

Addendum

Im Juni erhielt NextDash eine Finanzierung in Höhe von 2,5 Millionen Euro durch EIT Urban Mobility, einer Initiative des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT), einer Einrichtung der Europäischen Union. Die Investition ist eine Vorfinanzierungszusage für die Serie-A-Finanzierungsrunde und sichert EIT Urban Mobility die Beteiligung an dieser Runde.

Interview aus dem Jahr 2026

N. Hagedorn

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