Praxistest Nissan Evalia e-NV200 Modelljahr 2019

Praxistest Nissan Evalia e-NV200 Modelljahr 2019

25. März 2019 Aus Von nh
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Als konsequent funktional hat sich der Evalia schon im ersten Test vom green car magazine herausgestellt. Er ist nach wie vor ein praktischer Quader auf vier Rädern mit einer übersichtlichen Sitzposition für den Fahrer. Mit den Außenabmessungen von 1,85 m Höhe und 4,56 m Länge muss er die Konkurrenz nicht zu fürchten. Als bisher einziger Stromer in dieser Transporterklasse ist er jetzt mit einer höheren Batteriekapazität von 40 kWh für eine bessere Reichweite aufgewertet worden. Im Praxistest soll er sich im Alltag bewähren.

Schon seit 2013 läuft der e-NV in Barcelona vom Band und wird gerade in wärmeren Gefilden gerne als Taxi eingesetzt. Die Komponenten sind schon zum Teil aus dem Nissan Leaf bekannt und wurden übernommen. Als Elektromotor wird immer noch der etwas schwach ausgelegte 80-kW-Motor mit einem Drehmoment von 254 Nm verwendet, während der Leaf schon sehr agil mit neuem und stärkeren Motor unterwegs ist. So ausgelegt ist der mit Automatik ausgestattete Evalia etwas zäh unterwegs. Das Fahrzeug wird von 0 auf 100 km/h in 14 Sekunden beschleunigt. Darüber hinaus ist die Höchstgeschwindigkeit noch bei 123 km/h abgeriegelt. Aus diesen Fahrwerten lässt sich schon ablesen, dass die Transportfunktion klar im Vordergrund steht.

Deutlich aufgewertet wurde der Akku: Nicht nur die Kapazität wurde erhöht, auch die Flüssigkeitskühlung (ab Ausstattungsvariante Comfort) schmälert den Effekt, bei dem die Ladegeschwindigkeit sich mit steigender Betriebstemperatur reduziert. Ein Phänomen, das auch als Rapidgate bekannt ist.

Einfache Be- und Entladung


Die niedrigen Ladekanten und der sehr aufgeräumte Innenraum mit dem großzügigen Stauraum prädestinierten ihn geradezu für seine originären Aufgaben. Egal, ob im Handwerk, Gewerbe oder als Mannschaftsbus, Innen- und Stauraum – er fasst eine Nutzlast zwischen 503 bis 667 kg je nach Ausstattungsvariante. Mit 2 Schiebetüren lässt sich der Transporter auch in engeren Lücken de facto gut be- und entladen. Die umklappbare Rücksitzbank lässt sich mit etwas Aufwand auch komplett herausnehmen und dann kann der fast 3 m3 große Stauraum sogar für Möbeltransporte genutzt werden.

Die oben angesprochenen Fahrwerte sprechen für eine defensive Fahrweise. Die für heutige Verhältnisse relativ schmale Karosserie mit 1,76 m Breite macht das Fahren und Rangieren gerade im Citybereich angenehm einfach. Egal, ob enge Parkplätze, schmale Tordurchfahrten oder enge Fahrspuren: Diese sind die idealen Terrains, auf dem der Evalia seine Vorteile durch die kompakte Karosserie ausspielen kann.

Die Grundausstattung ist in der aktuellen Version umfasst Klimaautomatik, Licht- und Regensensoren, die hilfreiche Rückfahrkamera und einen Schnellladeanschluss. Die aus Japan stammende CHAdeMO-Anschlussbuchse kann im Idealfall bis zu 50 kW Ladeleistung aufnehmen. Alternativ kann der erweiterte einphasige Wechselstromanschluss mit bis zu 7,4 kW genutzt werden. Im Alltag ist dann eher entscheidend, welche Ladeoptionen vor Ort zur Verfügung stehen.

Nissan Evalia e-NV200 - Copyright Nissan
Nissan Evalia e-NV200 – Copyright Nissan

Fahren und Laden


Das Konzept des Fahrzeuges ist wie bereits beschrieben für den Nah- und Lieferverkehr ausgelegt. Dazu passen ein stabiler Geradeauslauf, eine gut ansprechende Lenkung und ein sehr kompakter Wendekreis beim Manövrieren des Evalia. Durch das größere und schwere Akkupaket im Fahrzeugboden liegt der Schwerpunkt deutlich tiefer als bei den konventionell motorisierten Schwestermodellen. Die Neigung in den Kurven ist ihnen gegenüber geringer, jedoch trübt der Gewichtsnachteil die Agilität spürbar ein.

Für die Langstrecken ist die effektive Ladeleistung entscheidend. Bei gekühltem Akku sind über den CHAdeMO-Anschluss circa 40 kW pro Stunde erzielbar. Spätestens wenn 80 % der Ladeleistung erreicht sind, sinkt diese technisch bedingt deutlich ab. In unserem Test bei einer vorhandenen Restkapazität von 15 % beim Anschluss an die Ladestation im Winter lagen wir bei 75 Minuten bis zur 100 %-Aufladung.

Der Verbrauch ist natürlich gegenüber den Herstellerangaben von vielen Faktoren im Betrieb abhängig. Bei unseren Wintertests haben wir entsprechend viele Verbraucher genutzt und konnten uns dann ein eigenes Bild machen. Neben der Heizungsanlage oder Sitzheizung werden bei den großen Scheibenflächen, die häufig beschlagen, auch die Heckscheibenheizung und das Gebläse für die Frontscheibe intensiv genutzt. Entsprechend lag der Stromverbrauch im Schnitt bei 25 bis 30 kWh. Die real nutzbare Reichweite sinkt dann schon mal auf circa 150 km bei vollem Akku.

Es fehlt die Wärmepumpe, letztendlich schon Standard bei aktuellen Elektroautos, zur leichten Reichweitenerhöhung. Angegeben sind im Prospekt im städtischen Bereich 301 km und kombiniert 201 km laut aktueller WLTP-Norm. Die Werte sind bei optimalen Bedingungen im Sommer realistisch.

Ausstattungsvarianten und Zubehör


Der Kastenwagen ist in der Basisausstattung inklusive Akku für den Einstiegspreis von 34.105 Euro inklusive Akku ohne Flüssigkeitskühlung erhältlich. Einen Preis- und Ausstattungssprung wird in den Versionen Comfort und Premium erzielt. Die Rückfahrkamera, die Geschwindigkeitsregelung und die Schlüsselkarte mit Steuerungsmöglichkeit der Klimaanlage und Start-/Stopp-Knöpfen sind hier inkludiert.
Bei allen Varianten gibt es noch die Fördermittel aus dem „Umweltbonus“ und es können insgesamt 4.000 Euro E-Prämie abgezogen werden.

Nissan Evalia e-NV200 - Copyright Nissan
Nissan Evalia e-NV200 – Copyright Nissan

Die von uns getestete Variante Evalia ist die höchste Ausstattungsstufe und für 43.433 Euro erhältlich. In dieser Version hat man viele Komfort- und Sicherheitsausstattungsmerkmale an Bord. Das fängt mit dem oben aufgeführten Batteriekühler an, setzt sich mit einem Nissan-Connect-Multimediasystem mit größerem 7-Zoll-Farbdisplay fort und mündet in diverse Assistenten wie die Berganfahrhilfe oder den elektrischen Bremsassistenten.

Sinnvolles Zubehör, das auch beim Gebrauchtwagenverkauf Anklang findet, gibt es in der sehr übersichtlichen Preisliste. In kälteren Regionen wird sehr gerne Wert auf das Winterpaket gelegt. Es umfasst Sitzheizung, beheizbares Lenkrad, beheizbare und sowie elektrische Außenspiegel für 298 Euro Aufpreis.

Wer häufig das Smartphone im Auto nutzt, sollte unbedingt eine praktikable und 360° schwenkbare Smartphone-Halterung für 27 Euro ordern oder eine Tablet-Halterung für 42 Euro. Zwei zusätzliche Einzelsitze in der dritten Reihe, die einzeln seitlich hochklappbar sind, schlagen mit 797 Euro Aufpreis zu Buche.

Fazit

Wie schon in der Vorgängerversion ist das bevorzugte Einsatzgebiet des Nissan e-NV der Kurzstrecken- und Lieferverkehr. Mit dem größeren Akku ist er optimal für einen Einsatz als Transporter oder als Kleinbus im Taxigewerbe nutzbar. Seine Vorteile liegen im praktischen Handling beim Be- und Entladen und aufgrund der kompakten Abmessungen während der Fahrt in der Stadt auf engen Straßen und Gassen. Für die Zukunft kann er sehr viel mehr Fans wie der kleine Bruder Leaf gewinnen, wenn eine kräftigere Motorisierung und ein größeres Akkupaket angeboten werden.

Addendum

Auszug aus dem Praxistest vom green car magazine.

Die vollständigen Testergebnisse gibt es im Heft. Abo unter

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