Passat GTE 2020 – Mächtig viele Modi

Passat GTE 2020 – Mächtig viele Modi

17. Juni 2020 0 Von Nils Hagedorn
Facebooktwitter

Der Passat als typischer Kombi in der Oberklasse ist ein Vertrauter im Alltag. Die aktuelle Version B8 wurde zum Modelljahr einem Facelift unterzogen. Die Modifikationen beziehen sich auf die Karosserie, auf die Motorisierungen und auf neue Ausstattungsvarianten. Wie seine Vorgänger ist der Passat vor allem gefragt als Transportmittel, Außendienstfahrzeug und großformatiger Kombi. Der Plug-in-Hybrid hat Potenzial für die großen Touren, ein Test auf der Langstrecke zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Die PHEV-Modi im Überblick

Der GTE verfügt neben den normalen Fahrmodi noch ein paar spezielle Plug-in-Hybrid-Modi. Übersichtlich sind links neben dem Getriebehebel drei Tasten angeordnet. Die mittlere Taste (“Mode”) ist für die normalen Fahrmodi, die auch der konventionelle Passat hat. Der Fahrer wählt zwischen der “GTE”-Taste (sie aktiviert den sportlichen Boost-Modus des Hybridsystems) und dem “E-Mode, der den reinen Elektroantrieb abruft.
Beim Passat GTE ist zusätzlich ein B-Modus aktivierbar, mit dem man eine verstärkte Rekuperation einschaltet. Für Fahrer, die gerne selbst zwischen den Fahrwelten des Passats entscheiden, gibt es reichlich Auswahl.

Starten im Elektromodus

Die Nachbarn braucht man beim morgendlichen Start nicht gleich aus den Federn gerissen. Voreingestellt ist nach dem Druck auf den Startknopf der Elektromodus. Er bleibt eingeschaltet, bis die Akkukapazität aufgebraucht ist, oder die rein elektrische Geschwindigkeitsgrenze von 140 km/h überschritten wird. Über die oben genannten Modi kann natürlich auch manuell ein anderer Modus gewählt werden.
Bei den Plug-in-Hybriden setzt ein Großteil der Nutzer auf die Rekuperation. Die vollständige Aufladung kann an der Haushaltssteckdose in gut fünfeinhalb Stunden oder mit dem optionalen 360-Volt-Ladekabel bei 3,6 kW Ladeleistung in etwa dreieinhalb Stunden erfolgen. Diese Ladezeiten laden nicht gerade zum häufigen externen Laden ein.

Drehmoment und GTE-Modus

Die Motorisierung hat sich gegenüber dem Vorgängermodell nicht geändert, es wird weiterhin ein Motor der Baureihe VW EA211 verwendet. Neu ist der größere Akku mit jetzt 13 kWh Akkukapazität und entsprechend verbesserter elektrischer Reichweite von bis zu 70 Kilometern bei optimalen Bedingungen.
Mit 218 PS Gesamtleistung und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm ist der Passat ausreichend für den Langstreckenbereich gerüstet. Die volle Leistungsentfaltung im Boost-Modus wird durch Druck auf das Gaspedal abgerufen oder durch Aktivierung des GTE-Modus. Ein Soundgenerator sorgt für die entsprechende Klangkulisse im Hintergrund.

Mehr Rekuperation durch den B-Modus

Interessanter ist der Test der Rekuperations-Möglichkeiten auf abschüssigen Gefällstrecken im B-Modus. Im Rollen spürt man während der Fahrt die höhere Bremswirkung vergleichbar mit der Motorbremse bei rein konventionellen Antrieben. Hier ergibt sich die höchste Energie-Rückgewinnung für den relativ schweren Passat und verbessert die energetische Gesamtbilanz. Mit dem skalierbaren Speicher entfallen die sonst üblichen, zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten der Vergangenheit wie „Battery Hold“ oder „Battery Load“.

Der Ladezustand wird auf dem Infotainment-Display angezeigt. Mit der Auswahl auf dem daneben angeordneten Gleichzeichen wird die aktuelle Restkapazität gehalten. Zusätzlich stellt sich der Fahrer mit den Richtungspfeilen eine gewünschte Restladung zum Beispiel für den Citybereich ein. Fraglich ist hierbei, ob sich diese – unserer Meinung nach – umständlichen Einstellungsmöglichkeiten in der Praxis wirklich bewähren.

Passat Cockpit - Copyright Volkswagen
Passat Cockpit – Copyright Volkswagen

Die vielfältige Modusauswahl ist im Fahrbetrieb erfahrbar. Doch bei den meisten Fahrten während unserer umfangreichen Testfahrten werden sie selten vollständig ausgenutzt. Es ist wohl vor allem der Konkurrenz in der Oberklasse geschuldet, so umfangreiche Wahlmöglichkeiten anzubieten. Mit dem reinen E-Betrieb in der City und dem GTE-Modus auf Autobahnstrecken sind die beliebtesten Einstellungen schon ausreichend.

Eine der beliebtesten Anwendungen unter extremen Wetterbedingungen ist die Vorklimatisierung per App. Solange der Akku geladen ist oder der Wagen an der Ladesäule hängt, kann der Wagen bequem auf die eigene Wohlkühltemperatur voreingestellt werden. Ein schätzbarer Vorteil beim Plug-in-Hybrid: Es muss keine zusätzliche Standheizung installiert werden.

Anhängerbetrieb

Bei den meisten Elektroautos ist kein Anhängerbetrieb erlaubt. Denn wenn Sie mit Ihrem Elektroauto inklusive Hänger die Berge in Angriff nähmen, würde spätestens hier der E-Motor thermische Probleme bekommen und vielleicht sogar die Arbeit einstellen. Der GTE ist für Anhängerlasten bis zu 1.600 kg ausgelegt, wegen des hohen Drehmoments lassen sich die Lasten auch entsprechend gut ziehen.
Der neue Akku liegt vor der Hinterachse und der Tank ist entsprechend weiter nach hinten gezogen. Der Kofferraum gegenüber den konventionellen Modellen ist zwar 100 Liter kleiner dimensioniert, aber fällt beim Variant kaum ins Gewicht. Circa 8 Zentimeter sind unter dem Einlegeboden betroffen als Stauraum. Die Reserveradmulde fällt kleiner aus, reicht aber zur Unterbringung des Ladekabels.

Steuerlicher Vorteil

Die Plug-in-Version ist gleichzeitig mit den anderen Varianten des gelifteten Passats verfügbar. Der neue Passat GTE ist ab 44.795 Euro (Variant: 45.810 Euro) erhältlich. Das ist deutlich mehr als für die Varianten mit reinem Verbrennungsmotor, bei der Nutzung als Dienstwagen ist er dafür nur mit 0,5 Prozent des Listenpreises monatlich zu versteuern. Im Fall des Variant wären das circa 229 Euro.

Der Vorteil kann sich nur unter bestimmten Konstellationen ökonomisch rechnen. Wer rein elektrisch fährt und für 30 Cent pro kWh Strom tankt, gibt (wenn man von den Ladeverlusten absieht) rund vier Euro für eine komplette 13-kWh-Ladung aus. Das sind etwa 6 Euro für 100 Kilometer Fahrtstrecke. Bei einem Dieselmodell (mit 4,6 Liter pro 100 km und 1,26 Euro/Liter Diesel) zahlt man hier auch nur etwa 5,80 Euro. Das Dieselmodell mit 190 PS und DSG ist günstiger und schon ab etwa 43.000 Euro erhältlich, ist also ein paar Tausender günstiger. Dagegen kann der neue Umweltbonus 2020 schon wieder einige Tausend Euro beim Neuwagenkauf einsparen.

Konkurrenzsituation

Bei Preisen um die 45.000 Euro kann man in Hinblick auf den Umweltbonus auch ein Elektroauto erwägen. Der Haken an der Sache ist, dass es im laufenden Jahr keinen vergleichbaren großformatigen Kombi als reine Elektrovariante gibt. Ein Tesla Model 3 mit etwa 400 Kilometern Reichweite ist eben kein Kombi. In etwa vergleichbar zurzeit ist der Kia Optima SW Plug-in-Hybrid ab. Er ist mit einem Basispreis von 42.190 Euro auch deutlich günstiger als der VW. Mit 205 PS und 62 Kilometern Reichweite nach NEFZ bietet er vergleichbare Daten.

Fazit

Mit über 40 Jahren Entwicklungsarbeit basiert die aktuelle Generation des Passats auf viele Erfahrungswerte, die sich in den Bereichen Ergonomie, Fahrwerk und Technologie abzeichnen. Der Unterschied zu den Varianten mit Verbrennungsmotor liegt in den multiplen Fahrmodi. Wer einfach nur entspannt mit dem Automatikgetriebe fahren will, liegt bei dieser Version genauso richtig wie der Technikliebhaber, der zwischen den Modi das Optimum erfahren möchte. Wer einen zuverlässigen und komfortablen Begleiter für die Langstrecken sucht, findet im Passat Variant einen passenden Kombi.

Addenum

Titelbild – Passat GTE 2020 – Copyright Volkswagen

Mehr Tests und aktuelle Trends gibt es in der aktuellen Ausgabe. Abo unter

Facebooktwitter