PLEV Egret One E-Scooter Federung / copyright greencarmagazine.de

PLEV – Zeit für eine neue Fahrzeugklasse?

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Innerhalb der letzten Jahre sind zahlreiche leichte Fahrzeuge mit Elektroantrieb erschienen (PLEV – Personal Light Electric Vehicle). Sie produzieren keine Abgase und lassen sich platzsparend verstauen. Auch das futuristische Design macht die kompakten Geräte für Kaufinteressenten attraktiv. Was nur wenige wissen: Nicht alle dieser Fahrzeuge dürfen auf öffentlichen Straßen benutzt werden.

Elektroscooter – Roller mit Elektroantrieb

Zum einem gibt es Elektroscooter mit einem Sitz. Darauf sitzt der Fahrer wie etwa auf einem gewöhnlichen Mofa.

Ein Beispiel für einen PLEV-Scooter dieser Art ist der K1 Hammer. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h gilt er nach § 21 StVZO als Mofa. Das bedeutet, dass der Fahrer das Mindestalter von 15 Jahren erreicht haben muss. Dieser Fakt setzt demnach auch voraus, dass der Fahrer mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung besitzt. Zudem müssen eine Haftpflichtversicherung und ein Kennzeichen vorhanden sein, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Reichweite beträgt bis zu 35 km. Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 8,7 Ah wird laut Hersteller innerhalb von 3 bis 5 Stunden an einer üblichen Haushaltssteckdose aufgeladen. Durch den Faltmechanismus lässt sich der 18 kg leichte Scooter platzsparend in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren. Die im K1 Hammer integrierte USB-Buchse eignet sich zum Aufladen von Smartphones. Der K1 Hammer ist ab 1.349 Euro erhältlich. Wer mit dem Elektrofahrzeug kleinere Einkäufe erledigen möchte, kann zusätzlich für 45 Euro einen Korb erwerben.
Weitere Informationen unter: k1-lehe.de

Zum anderen gibt es Electroscooter ohne Sitz, die optisch Tretrollern ähneln. Doch statt sich mit körperlicher Anstrengung fortzubewegen, sorgt ein Elektromotor für den Antrieb. Dieser Kategorie ist auch der Egret-Ten V2 zuzuordnen, welcher vom Hamburger Unternehmen Walberg Urban Electrics entwickelt wurde. Der Klapproller wiegt 17 kg. Die Luftreifen haben einen Durchmesser von jeweils 10 Zoll. Nach einer Ladezeit von ungefähr 4 bis 6 Stunden kann eine Strecke von bis zu 42 km zurückgelegt werden. Die Kapazität des eingebauten Samsung-Akkus beträgt 11,6 Ah. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 30 km/h. Die Motorleistung beträgt 500 W. Das Modell verfügt über zwei Bremsen: eine Scheibenbremse vorne und einer Öldruckbremse hinten.
Der Kaufpreis liegt bei 1.500 Euro. Der Lieferumfang besteht aus dem Elektroroller, einem Akku, einem Ladegerät, der Bedienungsanleitung und einem Frontlicht, inklusive dazugehöriger Batterien.
Weitere Informationen unter: my-egret.com

E-Board

Weitere Synonyme für diese Gerätegattung sind Hoverboard und Self balancing Board. Das zweirädrige Brett, auf dem der Fahrer steht, besitzt in der Regel weder eine Lenkstange noch ein Lenkrad. Stattdessen wird das Fahrzeug über die Gewichtsverlagerung und die Fußstellung des Fahrers gesteuert.

Das BEAMIE Hoverboard des Herstellers DASQ Electronics gibt es in den Farben schwarz und weiß und wiegt ungefähr 11 kg. Die Räder haben einen Durchmesser von 8 Zoll. Die Motorleistung beträgt 700 W. Mit dem E-Board können Geschwindigkeiten von bis zu 15 km/h erreicht werden. Eine Aufladung des Akkus (4,3 h, 36 V) reicht für eine Strecke von etwa 15 bis 20 km. Über die eingebauten Lautsprecher kann per Bluetooth Musik abgespielt werden.
Mit einem Preis von 499 Euro gehört das BEAMIE Hoverboard zu den teureren Modellen. Ein sehr günstiger Preis sollte jedoch nicht das alleinige Kriterium für die Kaufentscheidung sein, denn in sehr günstigen Geräten sind oftmals minderwertige Akkus verbaut, welche eher zu Überhitzung neigen. Dies hat in der Vergangenheit mehrfach zu Bränden geführt, wodurch Menschen verletzt wurden und teilweise sogar ums Leben kamen. Der Hersteller des BEAMIE Hoverboard wirbt hingegen mit hohen Sicherheitsstandards. So ist in das Balanceboard mit einem hochwertigen Lithium-Ionen-Akku der Marke LG ausgestattet. Es verfügt über einen Überladeschutz und einen Temperaturfühler, der die Batterieladung des Akkus bei Überhitzung unterbricht. Zusätzlich warnen Sprachansagen den Fahrer bei Überschreitung dieser Grenzwerte und man wird sowohl in deutscher als auch englischer Sprache über einen niedrigen Batteriestand oder das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit informiert.

Der Lieferumfang besteht neben dem Board aus einem Netzladegerät, einer Bedienungsanleitung und aufklebbaren Schutzstreifen.
Weitere Informationen unter: mybeamie.de

E-Wheel

Beim E-Wheel handelt es sich um ein elektrisches Einrad ohne Sitz. Wie bei einigen anderen Elektrofahrzeugen hat sich noch kein einheitlicher Name etabliert.

So wird es oft auch als Solo- oder Monowheel bezeichnet. Ähnlich wie ein Hoverboard lässt sich ein elektrisches Einrad durch Gewichtsverlagerung steuern. Es besteht jedoch nur aus einem Rad mit seitlich montierten Trittflächen. So auch beim Inmotion V5f. Das Rad hat einen Durchmesser von 14 Zoll. Inklusive Akku (72 V, 4 Ah, 288 Wh) wiegt das Inmotion V5F 11,9 kg. Die Reichweite beträgt 20 bis 30 km. Das Gerät unterstützt eine Geschwindigkeit von maximal 25 km/h. Für die vollständige Aufladung des Akkus sind ungefähr 3 Stunden anzusetzen. Die Motorleistung beträgt 550 W.

Das E-Wheel ist an der Vorder- und Rückseite mit LED-Beleuchtung ausgestattet. Das Rücklicht dient zusätzlich als Bremslicht. Die sandpapierartige Oberfläche der Pedale verringert die Gefahr, abzurutschen. Das V5F ist IP55-zertifizert. Das heißt, dass das Gerät spritzwassergeschützt ist und auch bei nassen Verhältnissen bedient werden kann. Neben dem Monowheel sind im Lieferumfang ein Trolley-Griff, das Netzteil und die Bedienungsanleitung enthalten. Das Modell ist für ca. 750 Euro erhältlich. Zubehörteile wie Schutzhüllen, Ersatzreifen oder Aufbewahrungsständer können separat erworben werden.
Weitere Informationen unter: inmotion-imscv.de

Auch wenn nicht bei allen dieser Fahrzeuge das Tragen von Schutzkleidung vorgeschrieben ist, empfiehlt sich insbesondere für Fahrer von E-Boards und E-Wheels zumindest die Verwendung eines Helms, um Verletzungen bei einem Sturz zu verringern.

Während die rechtliche Lage bei Fahrrädern mit Elektromotoren geklärt ist, steht bei E-Scooter & Co. eine Zulassung für den Straßenverkehr – zumindest in Deutschland – noch aus. Auf Privatgrundstücken dürfen alle dieser Fahrzeuge benutzt werden. Anders sieht es beim Befahren öffentlicher Straßen in Deutschland aus: Fahrzeuge, die schneller als 6 km/h fahren gelten als Kraftfahrzeuge. Dessen Benutzung auf Fußgänger- und Radwegen ist verboten. Somit müsste die Fahrbahn benutzt werden. Hierfür müsste eine Zulassung vorliegen, welche in der Regel nicht ausgestellt wird, da die Geräte die Zulassungsvoraussetzungen unter anderem über Sitz, Lenkung, Bremsen, Beleuchtung und Spiegel nicht erfüllen können.

PLEV – Personal Light Electric Vehicle

Da die Fahrzeuge nicht eindeutig einer bestehenden Fahrzeugklasse zugeordnet werden können , muss eine neue her. Dieser Meinung ist auch Florian Walberg, Gründer der Urban Electrics GmbH. In einer Arbeitsgruppe erarbeitet er mit Vertretern anderer Hersteller die technischen Standards für die Fahrzeugklasse Personal Light Electric Vehicle, kurz PLEV. Ein Teilerfolg: Einige europäische Länder wie die Schweiz, Österreich und Norwegen haben zumindest Elektro-Roller zugelassen, wenn auch teilweise mit Geschwindigkeitsbeschränkungen. In Deutschland ist das Befahren von öffentlichen Straßen mit den nicht zugelassenen Fahrzeugen weiterhin verboten. Wer solche Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr dennoch in Betrieb nimmt, macht sich strafbar. Wann und ob sich die Fahrzeugklasse durchsetzen wird, ist ungewiss. Es muss jedoch nicht vollständig auf den Fahrspaß verzichtet werden. So besitzt beispielsweise der zuvor erwähnte K1 Hammer aufgrund seiner Konstruktion bereits eine Straßenzulassung. Gleiches gilt für die Scooter der Marke Scuddy.

Addendum

Artikel aus dem green car magazine.

Videomaterial: Copyright der Herausgeber

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