Porsche Cayenne - Modelljahr 2019

Porsche Cayenne E-Hybrid – Der Generalist der Oberklasse

Facebooktwitter

Bei Porsche steht das Jahr 2019 im Fokus des rein elektrischen Taycans. Doch zurzeit schlägt die Stunde im Bereich der Elektrifizierung für die aktuellen Hybridmodelle. Der Porsche Cayenne E-Hybrid soll aber nicht reine Effizienz vermitteln: Mit der Boost-Strategie aus dem Supersportwagen Porsche 918 Spyder sollen auch hier im großformatigen SUV Sportlichkeit und dynamischer Fahrspaß geweckt werden. Mit insgesamt 340 kW (462 PS) bietet der Hybrid-SUV ein starkes Leistungsspektrum vom gemächlichen Gleiten bis zum sportlichen Rennen an und verknüpft damit auch noch ein Paket an Offroad-Qualitäten. Im Praxistest untersuchen wir die Alltagstauglichkeit im Kurz- und Langstreckenbereich.


So ganz trennen vom konventionellen Antrieb wird Porsche sich wohl nicht so schnell. Die neue Fabrik für V8-Motoren wurde erst im Jahr 2016 eröffnet. Gleichzeitig wird aber an der Elektrifizierung mit Hybridmodellen festgehalten und es werden neue Modelle auf den Markt gebracht. Und so bietet der neue Cayenne mit seinem athletischen Erscheinungsbild die Verkörperung einer neuen Generation von SUV-Sportwagen. Optisch unterscheidet sich der E-Hybrid durch die herausstechenden grün unterlegten Schriftzüge und die mächtigen Bremssättel im Farbton „Acidgreen“.

Unter der Haube werkeln ein 3,0-Liter-V6-Turbobenziner mit 250 kW (340 PS) und ein Elektromotor mit 100 kW (136 PS). Bereits leicht über der Leerlaufdrehzahl steht das maximale Drehmoment von 700 Nm zur Verfügung – möglich gemacht durch eine vergleichbare Softwaresteuerung wie beim Porsche 918 Spyder. Das hohe Drehmoment lässt sich beim Kickdown sofort umsetzen. Einmal das Gaspedal durchgetreten sprintet der Cayenne von 0 auf 100 km/h innerhalb von 5 Sekunden. Damit ist er sogar schneller als der Cayenne S mit 5,2 Sekunden. Bemerkbar macht sich, dass sich das maximale Drehmoment über einen hohen Drehzahlbereich abrufen lässt. Damit ergibt sich für jede Gangstufe mächtig Vortrieb bis zur maximal erzielbaren Höchstgeschwindigkeit. Diese wird bei 263 km/h abgeriegelt. Gegenüber dem Vorgängermodell harmonieren die beiden Antriebsaggregate noch besser und bewegen das über 2 Tonnen schwere SUV zügiger.

Calm before the storm

Wer sich im Citybereich bewegt, kann im Sommer bei voll geladenem Akku bis zu 44 Kilometer weit rein elektrisch fahren. Leider ist die die Aufladung nur mit einem optionalen 7,2-kw-Onboard-Lader und bei einem 230-Volt-Anschluss mit 32 Ampere in circa 2,3 Stunden wieder voll geladen. Mit dem serienmäßigen Anschluss dauert es dann an der Heimsteckdose normalerweise über 8 Stunden.

Per App lässt sich der aktuelle Ladestatus und die Restladezeit jederzeit verfolgen. Über die „Porsche Connect“-App lässt sich während der Fahrt die nächstgelegene Ladesäule finden. Praktisch ist der neu eingerichtete „Porsche Charging Service“. Unabhängig von den diversen Anbietern kann eine öffentliche Ladesäule ohne zusätzliche Anmeldung genutzt werden.

Wie sieht der Verbrauch im Sommerbetrieb aus? Wir haben bei hohen Sommertemperaturen getestet. Den Fahrmodus kann man sich am Touchscreen jederzeit nach eigenem Gusto jederzeit auswählen. Vertraut man dem Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) sind wohl im Idealfall im Hybridmodus circa 3,2 bis 3,4 Liter Super bei 20,6 bis 20,9 kWh für den Elektromotor erzielbar.
Man wird sich wohl aber kaum einen Porsche kaufen, um diesen Sportwagen in diesem Modus zu fahren. Der Fahrspaß und die Möglichkeiten der Antriebsaggregate werden wohl eher ausgekostet. Sobald der Akku dann leer ist kann man eher bei moderater Fahrweise zwischen 8-10 Litern Super einkalkulieren. Das System entlädt die Batterie auf ein Minimum von circa 15 %, um dann bei Überholvorgängen den Boost zu nutzen. Wer dann auch noch gerne das Sportpotential oder die volle Geländetauglichkeit ausreizenwill, kann sich getrost auf Verbrauchswerte von über 10 Litern Super einstellen.

Porsche Cayenne - Modelljahr 2019
Porsche Cayenne – Modelljahr 2019

Die technischen Finessen

Porsche setzt im Wettbewerb mit den Herstellern des Premiumsegments auf exklusive Tools. Mit dem „Porsche InnoDrive“ werden basierend auf den Navigationskarten in Kombination mit der Radar- und Video-Sensorik die optimalen Beschleunigungs- und Verzögerungswerte für die nachfolgenden drei Kilometer berechnet und angewendet. Mit den Parametern für zulässige Geschwindigkeiten, Kurven und Steigungen wird das Motormanagement gesteuert. Die Anpassungen an den gewählten Fahrmodus werden dann zum Beispiel beim „Sport“-Modus entsprechend agil unterstützt.

Bei der Vollgas-Fahrt die fahrdynamischen Seiten kennen lernen will, landet beim Benzinverbrauch gerne im zweistelligen Bereich. Mit den Modi „Sport“ und „Sport Plus“ steht am meisten Performance zur Verfügung unter ständiger Einbindung des V6-Biturbo-Triebwerks. Die Antriebsarten sind gekoppelt mit agilem Ansprechverhalten des Antriebs und einem direkteren Fahrbahngefühl. Das wird besonders unterstützt durch ein sportlich härteres Verhalten der sonst sehr komfortablen Luftfederung. Das Höhenniveau des Autos lässt sich mittels Auswahl auf verschiedene Höhen anpassen.

Ebenfalls ein beliebtes Feature ist der Zusatz-Boost, den man bei der Beschleunigung effektiv einsetzen kann. Das Boostverhalten, abgeleitet aus dem Supersportwagen Porsche 918 Spyder, verleiht mit Betätigung des Gaspedals das maximale Drehmoment je nach Anforderung des Fahrers über das gesamte Drehzahlband.

Eine weich schaltende „Tiptronic S“ übermittelt die Kraftübertragung. Der E-Hybrid bringt noch einmal satte 300 Kilogramm Zusatzgewicht durch die Elektrifizierung auf die Waage. Aber auch das höhere Gewicht wird durch zahlreiche technische Raffinessen bei den Testfahrten in den Hintergrund geraten. Die elektrische Hinterradlenkung lenkt das System die hinteren Räder entgegen den eingeschlagenen Vorderrädern. Ein kleinerer Wendekreis erhöht die Agilität beim Handling wie bei kompakter gebauten SUV-Fahrzeugen. Entsprechend werden bei hohen Geschwindigkeiten die Hinterräder in die gleiche Richtung gelenkt wie die Vorderräder und erhöhen in den Kurven die Fahrstabilität erheblich.

Wer Fußgänger oder größere Tiere schon erkennen will, bevor sie im Scheinwerferlicht erscheinen, kann dazu den Nachsichtassistenten einbinden. Eine Infrarotkamera erfasst Fußgänger und größere Tiere und informiert den Fahrer mittels Wärmedifferenzbild im Kombiinstrument. Das erkannte Lebewesen wird gelblich auf dem Display hervorgehoben und bei kritischer Entfernung vor dem Fahrzeug rot und mit einem akustischen Warnsignal hervorgehoben. In Kombination mit dem „Panamera Dynamic Light System Plus“ blinkt der Scheinwerfer am Fahrbahnrand oder auf der Fahrbahn befindliche Fußgänger durch eine Markierungslichtfunktion dreimal kurz an, um den Fahrer aufmerksam zu machen. Ein zukunftsweisendes System, das bei unseren Testfahrten überzeugt hat.

Porsche setzt in Sachen Wankstabilisierung auf die „Porsche Dynamic Chassis Contro“. Die Seitenneigungen während der Kurvenfahrten werden deutlich reduziert, indem bei den Fahrten in den Kurven jeder Ansatz zur Seitenneigung effektiv unterbunden wird. Je nach eigenem Gusto lässt sich Porsche entweder bretthart gefedert und zusammen mit der sehr präzisen Lenkung stabil durch die Kurven lenken oder auf langen Reisen sehr kommod mit einer weich abgestimmten Luftfederung über die Langstrecken balancieren.

Geländetauglichkeit

Auch wenn man diesen Porsche im Gelände bewegen möchte, hat Porsche ein ganze Toolbox an individuellen Einstellungsmöglichkeiten eingebunden. Neben der sehr praktikablen Höhenverstellung der Luftfederung lässt sich speziell für den Geländeeinsatz das Fahrwerk auf ein maximales Niveau anheben. Ebenfalls einstellbar per Touchscreen sind die Geländegebenheiten. Egal ob man durch die tiefen Pfützen im Wald watet, die Sandstrecken in einer ausgedienten Kiesgrube testet oder das steinige Gelände in den Bergen erkunden will, in allen Fällen sorgt die ausgewählte Konfigurierung für ordentlich Vortrieb für den Spaß auf der Offroad-Strecke. Auch wenn der Cayenne aufgrund der Länge und Breite nicht so variabel einsetzbar ist wie ein Jeep, für die alltäglichen Ausflüge ins Gelände sind genügend Ressourcen vorhanden.

Porsche Cayenne - Modelljahr 2019
Porsche Cayenne – Modelljahr 2019

Die inneren Werte

Im oberen Preissegment bewegt sich Porsche mit dem Cayenne E-Hybrid in der Testwagenversion im Bereich einer hochwertigen und sehr präzise verarbeiteten Innenausstattung. Die Mittelkonsole wurde aufgewertet und berührungssensitive Bedienflächen, die sich unter einer edlen Oberfläche befinden. Sehr wohltuend ist die Reduzierung der Bedienelemente. Fast alle Einstellungen lassen sich jetzt direkt auf dem sehr groß gestalteten zentralen Touchscreen mit übersichtlicher Bedienungsführung vornehmen.
Gegenüber den Versionen mit konventioneller Motorisierung gibt ein „Power-Meter“ mit direkten Informationen zu abgerufenen elektrischen Energie und über die durch Rekuperation gewonnene Energie.

Für den Reisekomfort lassen sich die vielfältig einstellbaren Vordersitze sehr individuell konfigurieren. Für die Fond-Passagiere steht ein eigenes Panel zur Bedienung der Klima- Infotainmentfunktionen zur Verfügung. Ein großer Vorteil während der Fahrt bietet der Dienst „Porsche Connect Plus“. Mit dieser direkten Online-Verbindung wird der direkte Zugriff auf Online-Dienste und das Internet gewährleistet. Damit lassen sich unterwegs Dienste wie „Amazon Music“ mit vielfältigen Streaming-Diensten nutzen.

Der Akku ist unter dem Ladeboden im Heck des Fahrzeuges eingebaut. Das bedeutet. im Vergleich zum herkömmlichen Cayenne ein wenig Platzverlust im Kofferraum. Das Laderaumvolumen ist jedoch mit 645 Litern großzügig bemessen, mit umgeklappter Rücksitzbank lässt sich die Ladefläche auf 1.610 Liter erweitern. Entsprechend der großzügigen Dimensionen ist die Ladekante außen sehr hoch, fällt nach innen jedoch nur niedrig ab und ist dann bequem zu beladen.

Der originäre Vorteil ergibt sich hieraus bei der Online-Navigation. Mit Hilfe der eingebundenen Fahrzeugsensoren werden zum Beispiel Nebelschwaden, Schleudergefahren oder Unfallstellen im System laufend erfasst. Mittels übermittelter Daten entsprechend ausgerüsteter Fahrzeuge werden laufend Informationen zur Verkehrs- und Straßenlage untereinander ausgetauscht. Der Dienst wird als „Risk Radar“ bezeichnet und wertet die Schwarmdaten der ausgerüsteten Fahrzeuge aus.

Smartphone-Einbindung

Mit der „Porsche Connect“-App lassen sich schon vor Fahrtantritt Fahrziele für die Navigation einbinden und an das Fahrzeug senden. Für die Reiseplanungen sind auch nützliche Features, wie eine Hotel- oder Restaurant-Bewertung durch Nutzer oder freie Parkhäuser mit Öffnungszeiten. Natürlich lassen sich alle WLAN-fähigen Endgeräte einbinden. Für die Aufladung befinden sich unter der Mittelarmlehne zwei USB-Ladeanschlüsse und eine induktive Ladeschale zur kabellosen Aufladung von kompatiblen Smartphones. Bei der Bedienung von Smartphone-Apps ist momentan der „Apple CarPlay“ vorgesehen.

Via Smartphone lässt sich zusätzlich die serienmäßige Standklimatisierung individuell steuern, also das Heizen und Kühlen des Fahrzeugs bei ausgeschalteter Zündung. Über Porsche Connect können zudem Ladesäulen gesucht, sortiert und direkt als Navigationsziel übernommen werden. Der Porsche Charging Service ermöglicht darüber hinaus den vom Anbieter unabhängigen Zugang zu öffentlichen Ladesäulen – ohne zusätzliche Anmeldung beim jeweiligen Anbieter. Die Abrechnung erfolgt in diesem Fall direkt über den Porsche ID Account.

Praxistest Nachtsichtassistent Porsche Cayenne

Ein Blick in die Preisliste

In der Oberklasse steht die Individualisierung der Ausstattung für den persönlichen Porsche im Vordergrund. Allein über die umfangreiche Preisliste lassen sich die Sportwagenbauer vieles extra bezahlen und so sind Fahrkomfort, Lederausstattungsvarianten und zusätzliche Assistenzsysteme immer mit Preisaufschlägen verbunden. Vom Grundpreis von 89.822 Euro ist unser Testwagen-Endpreis deutlich entfernt im sechsstelligen Bereich anzusiedeln. Wer Wert auf schnellere Ladevorgänge legt, sollte sich für ein Porsche Ladekabel (Mode 3) TYP2 3 16A für 297,50 Euro entscheiden. Ein in dieser Fahrzeugklasse entscheidendes Komfortmerkmal wie Porsche InnoDrive (inkl. Abstandsregeltempostat, Nothaltefunktion, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung) kostet einen Aufpreis von 3070,20 Euro. (Stand September 2018)

Fazit

In der luxuriösen Oberklasse setzt der Porsche Cayenne E-Hybrid Maßstäbe hinsichtlich der Variabilität und Performance. Porsche setzt auf fahrtechnisch ausgereifte Lösungen gekoppelt mit einem optimal einstellbaren Luftfederungssystem. Die Skala im Fahrbetrieb reicht vom sportlichen Auftritt bis zum anspruchsvollen Geländeeinsatz. Der Praxisverbrauch bei einem Auto mit über 2 Tonnen Gesamtgewicht ist entsprechend der Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten variabel. Im Praxistest hat sich der neue Cayenne E-Hybrid als Generalist der Oberklasse bewährt.

Addendum

Praxistest aus dem green car magazine.

Weitere Artikel zum Thema Porsche – https://greencarmagazine.de/?s=Porsche

Weitere interessante Tests und ausführliche Berichte gibt es im aktuellen Magazin. Abo unter

Facebooktwitter

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.