Praxistest Volkswagen e-Golf 2018

Praxistest e-Golf 2018

Volkswagen will weiter in den Umbau der eigenen Standorte investieren. Angekündigt sind laut Unternehmen Investitionen in die Kernmarke in Höhe von 22,8 Milliarden Euro im Zeitraum von 2018 bis 2022. Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen, sagte hierzu: „Mit dem jetzt beschlossenen Investitionspaket bringen wir die größte Produkt- und Technologieoffensive in der Geschichte der Marke entscheidend voran. Es ist unser Ziel, Volkswagen nachhaltig an der Spitze der Volumensegmente zu positionieren und eine führende Stellung in der Elektromobilität einzunehmen.“ Der neue e-Golf mit dem größeren Akkupaket signalisiert seit Sommer 2017 den Aufbruch in die elektrische Mobilität. In unserem Praxistest legen wir Wert auf die Alltagstauglichkeit bei kühleren Witterungsbedingungen.

Interieur

Im Innenraum-Design unterscheidet sich der E-Golf nicht wesentlich von seinen Brüdern mit Verbrennungsmotoren. Praktische und tradierte Anordnung und Bedienung der ergonomisch angeordneten Bedienungselemente zeugen von einer langen Tradition im Fahrzeugbau. Auffallend ist das fast 10 Zoll große Infodisplay mit integriertem Infotainment-System „Discover Pro“ im Testwagen, das auch mit Gestensteuerung bedient werden kann. Wischen und finden wie auf dem Smartphone ist angesagt. Alle Menüpunkte können per Finger auf dem Touchscreen ausgewählt und dann in den Untermenüpunkten justiert werden. Etwas schwerfällig ist allerdings die Bedienung der Softkeys. Nur mit leichtem Druck springt man in den Menüpunkt.

Die Komfortsitze bieten einen verlässlichen Seitenhalt und lassen sich individuell auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das Multifunktionslenkrad enthält eine umfangreiche Ausstattung an Bedienungselementen zur Freisprech- und Audiosteuerung. Ebenso einfach lässt sich ein Smartphone ankoppeln und zum Beispiel für die Wiedergabe von Musik nutzen. Zum Standard gehört inzwischen auch die Sprachsteuerung, die sich am Lenkrad ein- und ausschalten lässt. Hier bleibt es jedem selbst überlassen, den Dialog zu suchen oder weiterhin auf die manuelle Bedienung zu setzen.

Praxistest Volkswagen e-Golf 2018
Praxistest Volkswagen e-Golf 2018

Reichweiten

Zum Thema Reichweite können wir bei kühlen Außentemperaturen nur die Angaben in den zahlreichen Tests und Elektroautoforen aufgreifen und bestätigen. Die Herstellerangaben von 300 km lassen sich nur bei entsprechenden äußeren Bedingungen mit sehr ökonomischer Fahrweise erreichen. Bei unseren kühlen Außentemperaturen zu den Testzeiten – meistens zwischen 0 und 10 °C Außentemperaturen – lassen sich realistisch 150 bis 200 km erzielen, bei Außenfrost zwischen 100 und 150 km bei typischen eingeschalteten Verbrauchern wie Heizung, Sitzheizung oder Heckscheibenheizung . Am besten lässt sich der Verbrauch dann auch immer im digitalen Display sehr gut nachvollziehen. Hier werden der Verbrauch pro 100 km in Kilowattstunden und die Restreichweite eindeutig angezeigt.

Der Frühstart morgens bei Frost und ausgekühltem Auto zeigt dann auch ganz schnell wie sehr die benötigte Wärmeenergie den Verbrauch nach oben treiben, hier werden dann ganz schnell mal zwischen 20 und 30 kWh pro 100 km verbraucht.

Praxistest Volkswagen e-Golf 2018
Praxistest Volkswagen e-Golf 2018

e-Golf Praxistest bei kühlen Temperaturen

Wir haben den e-Golf 2 Wochen intensiv getestet: Kurzstrecken, Stadtautobahn, Tempo-30-Zonen oder Autobahnfahrten. Auffallend in allen Situationen sind die zügigen Beschleunigungswerte und eine ausreichende Dynamik bei Überholvorgängen. Beim neuen e-Golf wurde gegenüber dem Vorgänger der größere 100 kW (136 PS) Motor eingebaut, der eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 150 km/h erlaubt (vorher 115 km/h). Mit einem erzielten Drehmoment von 290 Nm übertrifft er sogar den aktuellen Golf 1,8 TSI. In 9,6 Sekunden sprintet er auf 100 km/h. Im dichten Stadtverkehr ist die Dynamik nicht immer ausfahrbar, aber auf den Landstraßen- und Stadtautobahnen macht es sich positiv bemerkbar.

In der Praxis fällt auf, dass manche Menschen aufgrund der sehr geringen Geräuschkulisse das Auto gar nicht mehr akustisch wahrnehmen können. Ein Gadget des neuen e-Golf ist das Sound-Modul, das über die Mittelkonsole aktiviert werden kann und mit dem deutlich wahrnehmbare Geräusche für die Passanten oder Radfahrer per Lautsprecher aktiviert werden.

Notbremsassistenten und teilautonomes Fahren

Dem aktuellen Golf bleiben nur wenige Verkehrsteilnehmer verborgen. Alles, was sich vor oder hinter dem Golf bewegt, wird mit den eingebundenen Sensoren erfasst und wahrnehmbar an den Fahrer weitergeleitet. Das betrifft sowohl Fahrzeuge als auch passierende Fußgänger. Schätzen lernen kann man auch das teilautonome Fahren: Es kann sehr gut im laufenden Verkehr bis zur Geschwindigkeit von 60 km/h eingesetzt werden. Mithilfe der adaptiven Spurführung bleibt er auch im dichten Verkehr sicher in der Spur. In Kooperation mit der automatischen Distanzregelung erfolgen das Zusammenspiel zwischen Bremsen und Beschleunigung ebenfalls autonom – ein angenehmes und entspanntes Fahren im laufenden Stadtverkehr. Im Notfall wird mithilfe des „Emergency Assist“ der Fahrer, der weder lenkt, beschleunigt noch bremst, mit verschiedenen Alarmierungen wieder aufgeweckt. Ein für die engen Parklücken eingebundener Parklenkassistent (215 Euro Aufpreis) kann nur in bestimmten Konstellationen aktiviert werden. Wer den Wagen selbstständig einparken lassen will, kann sich hier nach ein paar Versuchen auf den Assistenten einstellen.

Am Schluss bleiben die Fragen nach den Alltagseinkäufen und der Aufladung. Was passt in den Kofferraum? Bis zu 3 Kisten Bier zu je 24 Flaschen lassen sich locker nebeneinander verstauen. Weil wir den Wagen nicht die ganze Nacht an der Steckdose laden wollten, haben wir für den Test einfach mal 3 Schnellladestationen von Tank und Rast und 2 in der Nähe befindliche von VW-Händlern genutzt. Unsere Erfahrung bei den in allen Situationen vorgefundenen 50-kW-Schnellladestation waren bei kühler Witterung durchschnittlich 35 Minuten Ladezeit bis zur 80-Prozent-Grenze. Für die restlichen 20 Prozent kann man noch einmal circa 15 Minuten einkalkulieren. Wer sich eine Stunde Zeit nimmt für den Einkauf, die Mittagspause oder andere Erledigungen liegt bei diesen Schnellladestationen auf jeden Fall richtig. Für die Praxis sollte man sich also ruhig mal Gedanken machen, wie man es mit der Ladeinfrastruktur im Umfeld am besten handeln kann, ohne große Umwege einzuplanen. Am einfachsten ist natürlich die Aufladung über die Wallbox in der eigenen Garage.

Praxistest Volkswagen e-Golf 2018
Praxistest Volkswagen e-Golf 2018

Ein Blick in die Preisliste

Ein großer Vorteil beim Golf ist sicherlich die Individualisierung mithilfe der Preisliste. Der Grundpreis für den Golf liegt bei 35.900 Euro, abzüglich Umweltbonus zurzeit also bei 31.900 Euro. Die bei unserem Testwagen eingebauten Fahrerassistenzsysteme können nur gegen Aufpreis geordert werden.
Wer auf einen guten Wiederverkaufswert Wert legt, sollte auf jeden Fall folgendes Zubehör ordern: die Schnellladedose für das CCS-System mit 625 Euro Aufpreis, die optionale Wärmepumpe für 975 Euro und das Winterpaket inklusive beheizter Waschdüsen für 450 Euro. Damit ist man auf jeden Fall auch beim Wiederverkauf auf der sicheren Seite.

Fazit

Wer den e-Golf mit den aufgeführten technischen Accessoires ausstattet, kann vor allem im Pendelverkehr oder für Kurzausflüge das Fahrzeug perfekt nutzen. Der intensive Praxistest hat gezeigt, dass der Verbrauch stark abhängig vom persönlichen Nutzerprofil und den Außentemperaturen ist. Der e-Golf ist technisch und vom Nutzungsprofil ein ideales Alltagsauto. Noch interessanter für weitere Nutzergruppe wird er mit den in der Zukunft zu erwartenden größeren Akkus und entsprechend steigender Reichweite.

Addendum:

Artikel aus dem green car magazine Ausgabe V/2017

Bildmaterial Copyright green car magazine

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