Praxistest Nissan e-NV200 EVALIA

Praxistest Nissan e-NV200 EVALIA

7. Juli 2017 Aus Von N. Hagedorn
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Nissan produziert schon seit dem Jahr 2013 den Eletro-Bulli e-NV200 EVALIA als
Großraumvan im spanischen Nissan-Werk in Barcelona. Ein Grund für den Produktionsstandort war sicherlich, dass innerhalb von Barcelona nach New York und London das Auto neben den Versionen mit Verbrennungsmotoren als vollständig elektrisches Taxi eingeführt wurde. Das Auto hat für diese Verwendung ein paar herausragende Merkmale als fünfsitziger Kastenwagen mit opulentem Ladevolumen.Das prädestiniert ihn eigentlich als Familien-, Team- oder Sportvan. Im Test schauen wir auf die Details.

Der e-NV200 EVALIA kann seine Herkunft nicht verleugnen. Es ist ein Nutzfahrzeug
mit 4,56 Meter Länge und 2,01 Meter Breite und entsprechend großzügigem Innenraum. Einmal Platz genommen, setzt sich dieser Eindruck auch bei der Gestaltung im Innenraum fort. Nüchtern und sachlich sind alle notwendigen Bedienungselemente gestaltet und angeordnet. Die Sitze wurden einfach und formal der Funktion folgend gestaltet und die Ablagemöglichkeiten sind einfach
nur für Eventualitäten platziert. Hier steht eindeutig die Aufgabe im Vordergrund,
von A nach B zu fahren oder Güter zu transportieren.

Innenraum Nissan e-NV200 EVALIA - Copyrgiht green car magaziner

Innenraum Nissan e-NV200 EVALIA – Copyrgiht green car magaziner

Konsequent praktisch

Im Hinblick auf die originäre Transportaufgabe bringt der Nissan alle seine Vorteile ins Spiel. Das fängt schon mit den niedrigen Einstiegshöhen zu den Vordersitzen und der Hinterbank an. Hier muss niemand den großen Ausfallschritt zum Ein- oder Aussteigen machen. Angenehm tief platziert ist der Einstieg kinderfreundlich und für
die ältere Generation ohne Hilfen zu bewältigen. Für Familien mit Kindern sind die hinteren Schiebetüren funktional beim Ein- und Ausstieg. Hier fehlen allerdings noch die Hinweise für den Fahrer, dass sie wirklich geschlossen sind, bevor die Fahrt beginnt. Der hintere Bereich ist einfach zu reinigen, da die Ablagemöglichkeiten an den Klappflächen mit Trinkbecherhalter durchgehend aus Kunststoff sind. Die
Ladeflächen sind glatt und großflächig. Hier lassen sich ganze Fahrräder, Kinderwagen oder Surfbretter einfach und sicher verstauen. Hierbei hilft die
niedrige hintere Ladekante, die nur ca. 45 cm über dem Boden einfache
Beiladungsmöglichkeiten anbietet.

Einkaufswagen lassen sich bis in den Laderaum schieben und einfach entladen.
Mit der niedrigen Einstiegshöhe ist der Transporter auch bestens für den Transport von Hunden geeignet. Entsprechend lang ist eine wuchtige nach oben öffnende Ladeklappe, die entsprechend viel Platz zum Öffnen benötigt.

Die Ladeoptionen

Der Großraumvan ist analog zum viel kompakteren und leichteren Nissan Leaf mit der vergleichbaren Motorisierung und Akkugröße ausgestattet. Das ist ein 109 PS starker Elektromotorgekoppelt mit einem 24 kWh großen Lithium-Ionen-Akku. Und hier liegt das eigentliche Problem im Hinblick auf die Reichweite und Alltagstauglichkeit.
Wenn alle zusätzlichen Verbraucher ausgeschaltet sind, kann man mit vollgeladenem Akku circa  150 Kilometer im ECO-Modus bei defensivem Fahrverhalten im Temperaturbereichzwischen +5 und +15 °C realisieren. Vor dem Start kann man testweise schon einmal die Klimaanlage einschalten, die Reichweite reduziert das noch einmal auf 120 Kilometer und es bleibt das Gefühl, mit
geladenem Akku schon auf Reserve zu fahren. Im Winter bei Minusgraden
wird das zu einer Nervenprobe, da sich hier noch einmal die Reichweite um
gut die Hälfte reduziert. Entsprechend steht und fällt die Entscheidung für
oder gegen einen Kauf in erster Linie mit der persönlichen Ladeinfrastruktur
im Umfeld. Sollten die Strecken nur im Nahbereich liegen und das Auto
über Nacht Zuhause aufgeladen werden, ist der Einsatzzweck erfüllt. In
gut 10 Stunden kann der Akku an der Haushaltssteckdose komplett aufgeladen
werden. Eine sogenannte Wallbox im Haushalt reduziert die Aufladung
auch nur auf 7 Stunden.

 

Auf Mittel oder Langstrecken müsste dann schon jeweils die Ladeinfrastruktur an der Strecke vorhanden sein und ein entsprechendes Zeitpolster mitgebracht werden. Immerhin ist bei vorhandenen CHAdeMO-DC-Schnellladestationen die Aufladung bis zu 80 Prozent der Akkukapazität innerhalb von 30 Minuten möglich. Das Auffinden der Ladestationen wird durch die Echtzeit-Simulation „Carwings“ erleichtert.
Alle öffentlich erreichbaren Ladestationeninklusive aktueller Verfügbarkeit
werden angezeigt und können über das Navigationssystem angesteuert werden.

Fazit

Der e-NV200 ist optimal im Stadt und Nahverkehrsbereich einsetzbar, das heißt so, wie er zur Zeit schon im Taxigewerbe in Barcelona genutzt wird. Die Pluspunkte liegen vor allem in dem vielfältig nutzbaren Laderaum und den praktischen tiefen Einstiegen und Ladekanten. Wir dürfen auf die nächsten Modellpflegemaßnahmen
von Nissan mit einer wesentlichen Erhöhung der Reichweite für den Elektro-
Bulli gespannt sein. Dann wird dieNutzergruppe entsprechend wachsen.

Addendum:

Quelle: Bilder und Praxistest aus dem green car magazine Ausgabe III / 2017.

Mehr Informationen und Praxistest finden sie in der Printausgabe im Abo unter

 

 

N. Hagedorn