Praxistest Volvo V90 T8 Twin Engine 2018

Praxistest Volvo V90 T8 Twin Engine 2018

Seit Mai 2017 gibt es den neuen Volvo V90 auf dem Markt. Der Plug-in-Hybrid mit der Modellbezeichnung T8 Twin Engine zeigt den Weg in die Zukunft. Im Rahmen der Elektro-Offensive von Volvo sollen die Plug-in-Versionen sowie Mild- und Vollhybride folgen. Die rein elektrischen Modelle sind für die nahe Zukunft vorgesehen. Bevor die EV-Versionen erscheinen, testen wir den hochwertigen Business-Kombi V90 Plug-in-Hybrid als Alternative zu einem Selbstzünder.

Hochwertige Innenausstattung

Im Innenraum setzt Volvo in der getesteten R-Version auf Leder, Glanzlack und weiche Kunststoffe. Hierbei gehören die Ledersitze inklusive Sitzheizung und Lenkradheizung zur Serienausstattung. Die Oberflächen sehen sehr edel aus. Dies und die gelungene Verarbeitung tragen zu einem hochwertigen Ambiente bei.

Volvo setzt auf das hochkant eingebaute Infotainmentsystem. Inzwischen werden die Displays gerade im Premiumsegment als zentrale Informationszentrale sehr gut in die Mittelkonsole integriert. Das angenehm großzügig ausgefallene Touchdisplay lässt sich intuitiv anhand der übersichtlichen Gestaltung einfach erfassen und bedienen. Mittels Fingertipp gelangt man zügig zum Startbildschirm und von hier aus zu den wesentlichen Hauptmenüpunkten. Mit einem leichten Wischen nach links erreicht man über die Auswahl alle wählbaren Fahrfunktionen, zum Beispiel die Aktivierung oder Deaktivierung der Assistenzsysteme. Rechts wischen: Die integrierten Apps und die erweiterten Funktionen können genutzt werden.

Noch einfacher ist die Umschaltung der Fahrmodi während der Fahrt. Vor dem Automatikwahlhebel ist eine zügige Auswahl per Zeigefinger als Drehrad implementiert. Die Schnellauswahl erfolgt dann als elegantes Feature zwischen den Fahrmodi „Allrad“, „Eco-Pure“, „Hybrid“ und „Sportmodus“.

PRAXISTEST VOLVO V90 T8 TWIN ENGINE 2018
PRAXISTEST VOLVO V90 T8 TWIN ENGINE 2018

Raumfahrzeug

Beim V90 wird der Akku im breit ausgelegten Mitteltunnel platziert; darüber bleibt jetzt noch Platz für ein Smartphone unter der Abdeckung. Ansonsten ist das Platzangebot im V90 für die Passagiere üppig ausgelegt. Ausreichend großzügig ist das Angebot für die Passagiere in Fond mit einer weitreichenden Beinfreiheit. Der quer eingebaute Motor lässt viel Platz im Innenraum. Die Rücksitzlehnen lassen sich elektrisch umklappen, wobei die Kopfstützen vorab eingeklappt werden. Das erweitert dann das Kofferraumvolumen von 570 auf stattliche 1.526 Liter.

Preise und Ausstattungsvarianten

Der V90 zielt auf zahlungskräftige Käufer, die ihr Fahrzeug komplett individualisieren möchten. Entsprechend lang ist die Liste der Sonderausstattungsmöglichkeiten und technischen Features, die gegen Aufpreis geordert werden können. Auf 40 Seiten werden alle erdenklichen Komfortmerkmale und Sicherheitsfeatures ausführlich vorgestellt.

Das von uns getestete umfangreiche R-Designpaket hat einen Basispreis von 74.650 Euro. Hier enthalten sind bereits wesentliche Assistenzsysteme wie das City-Safe-System zur Kollisionsvermeidung mit Fußgängern, Fahrradfahrern oder Wildtieren, die ESC-Fahrdynamikregelung und der Berganfahrassistenten. Im Interieur werden eine erweiterte Ambientebeleuchtung, Nappaleder-Sportsitze inklusive regulierbarer Sitzheizung und eine Standheizung mit Timer als Serienausstattung angeboten. Wenn man es noch ein bisschen exklusiver ausstatten lassen möchte, kann ein „Intellisafe-Surround“-System mit BlindSpot-Warner, einen Spurhalteassistenten und einen Präventivschutz bei drohenden Heckkollisionen für 600 Euro Aufpreis ordern. Ganz exklusiv wird die Ausstattung mit dem umfangreichen Businesspaket aufgewertet. Hier gehören ein DAB+-Radioempfang, ein hochwertiges Soundsystem von Browers & Wilkins und das Sensus-Navigationssystem für 5.350 Euro Aufpreis zur Premiumausstattung.

2.500 km Langstreckentest

Volvo bietet den „Twin Engine“ bisher in den Topmodellen wie dem XC90 oder dem getesteten V90 an. Basisantrieb ist ein 2,0-Liter-Benziner, der ausgestattet mit Kompressor und Turbo auf 235 kW(320 PS) Leistung und 400 Nm Drehmoment gebracht wird. An der Hinterachse werkelt ein vergleichsweise kompakter 64 kW (87 PS) starker E-Motor mit 240 Nm Drehmoment. Geballte Leistung für ein Auto, das auf sparsamen Verbrauch ausgelegt sein soll. Dafür wurde der Hybrid mit einem 10,4-kWh-Akku ausgerüstet, der den Kombi bis zu 50 km weit fahren lassen soll. In der Praxis liegen wir im Herbsttest eher zwischen 20 und 30 km bei eingeschalteten Verbrauchern. Das ist ausreichend für den ruhigeren Stadtverkehr auf kurzen Strecken.

Im Langstreckenverkehr sind die großen Business-Kombis eher gefordert. Hier kann man je nach Fahrverhalten zwischen 4 Fahrmodi auswählen: über den reinen ECO-Modus, den Hybrid-Modus und Sport-Modus bis hin zum Allradantrieb. Laut Volvo-Presseinformation wartet der über 2 Tonnen schwere Volvo V90 mit folgenden Verbrauchswerten auf: „Der Durchschnittsverbrauch beläuft sich auf lediglich 2,0 Liter je 100 km und CO2 Emissionen von 46 g/km bei einem Stromverbrauch von 17 kWh/100 km.“ Das lässt sich dann wohl nur unter den Laborbedingungen des alten Teststandards ermitteln. Die Realität in unserem Langstreckentest über 2.500 km taxierte den Verbrauch laut Bordanzeige auf 8 Liter im Durchschnitt bei einem Außentemperaturlevel zwischen kühlen 0 bis 10 °C. Ein niedriger Verbrauch ließe sich wohl bei geladenen Akkus erreichen. Das dauert aber für jeden kompletten Ladevorgang mindestens 3 Stunden bei 16 A. Bei hohen Reisegeschwindigkeiten zwischen 130 bis 160 km/h genehmigt sich der V90 dann nach den oben aufgeführten Fahrmodi zwischen 10 bis 12 Liter Superbenzin. Wenn man einen Blick auf das hohe Leergewicht von circa 2.100 kg wirft, ist dieser Verbrauch nicht verwunderlich. Und auf den Langstrecken macht sich das Zusatzgewicht des E-Motors und des Akkus entsprechend bemerkbar. Die Verbrauchswerte der alten Euro-6-Norm, nach der die Zulassung für den V90 erfolgte, ist wie schon bei anderen Autos nicht mehr zeitgemäß.

Wer es ruhiger mag, kann bei reiner Nutzung des Elektromotors bis zu 125 km/h schnell fahren. Wer dann wieder in den Schnellfahrmodus umspringt, spürt den leistungsstarken Vierzylinder deutlich am Geräusch. Im Hybrid-Modus zeigt er auf Anforderung auch Sprintqualitäten, die den V90 innerhalb von 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h rasant beschleunigen.

Der Volvo ist trotzdem kein Sportgerät und auch nicht für den Slalomparcours prädestiniert. Seine Stärken liegen in einer satten und stabilen Straßenlage gerade bei hohen Geschwindigkeiten, in den sehr gut ausgereiften Assistenzsystemen mit einem entspannten Fahrsystem für das teilautonome Fahren und in einer komfortablen technischen Ausstattung, die die Konkurrenz zu BMW oder Mercedes-Benz nicht scheuen muss. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien liegen auf einem hohen Niveau.

Fazit

Der neue Volvo V90 ist im Premiumsegment der Business-Kombis mit einem hohen Basisangebot an Sicherheitssystemen ausgestattet. Eine durchgehend funktionale und ergonomische Bedienung bieten eine komfortables Fahrerlebnis, insbesondere für den Langstreckenbereich. Wer Wert auf teilautonomes Fahren legt, findet in diesem Auto ein umfangreiches Angebot an ausgereiften Assistenzsystemen.

Addendum:

Artikel aus dem green car magazine I/2017

Quellen: Das Infovideo enthält Bildmaterial vom green car magazine und Volvo

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