Privates Carsharing – Drivy und Snappcar

Privates Carsharing – Drivy und Snappcar

2. August 2018 Aus Von Nils Hagedorn
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Mal kurz zur Arbeit mit dem Auto und nach Feierabend wieder nachhause: Der Nutzungszeitraum des eigenen Fahrzeuges ist gering. Bis zu 23 Stunden am Tag steht das eigene Auto nur herum und wird nicht gefahren – während andere Personen dringend auf der Suche nach einer Fahrtmöglichkeit sind. Um dieses Problem kümmern sich mittlerweile immer mehr private Carsharing-Portale wie Drivy, SnappCar oder GETAWAY. Die zu mietenden Fahrzeuge sind meist nicht nur günstiger als auf kommerziellen Mietportalen – hier kann auch der Wunsch nach einem besonderen Fahrzeug für einen Tag erfüllt werden: Oldtimer, Sportwagen, Elektrofahrzeuge – wer ein besonderes Auto für eine gewisse Zeit fahren möchte, kann über die privaten Carsharing-Portale fündig werden.

Natürlich ist die Hürde groß, sein eigenes Fahrzeug einer fremden Person zu überlassen. „Bekomme ich das Fahrzeug so wieder, wie ich es abgegeben habe?“, „Was passiert, wenn der Mieter einen Unfall verursacht?“ Diese Fragen sind mehr als verständlich, können aber beruhigend geklärt werden. Über die Portale sind sowohl die Autovermieter als auch die Mieter ausreichend versichert – ob bei Unfällen, Pannen oder Schäden am Fahrzeug. Eine Hochstufung bei der eigenen Versicherung bleibt dem Vermieter erspart, eine Selbstbeteiligung für den Mieter ist bei Schäden aber trotzdem fällig. Wer sein Auto bei einem privaten Carsharing-Portal anmelden möchte, sollte besser trotzdem die eigene Versicherung informieren – zur Sicherheit.

Mit privatem Carsharing lässt sich auch einfach Geld verdienen. Die Unterhaltskosten für das eigene Auto können gemindert werden – das Auto erfährt sich seinen Unterhalt quasi selbst. Übrigens: Besser ist es, sich den Rat vom Steuerberater einzuholen, denn die Einkünfte aus der Vermietung müssen über die Steuererklärung angegeben werden.
Ein weiterer Pluspunkt, mit welchem auch die Carsharing-Plattformen werben: Für ein Auto, welches mit mehreren Personen geteilt wird, werden keine Neufahrzeuge angemeldet. Besonders in den Städten kann das ein großer Vorteil sein. Hier liegt auch der Schwerpunkt der Portale, denn die meisten angemeldeten Mietautos sind in den Städten zu finden. Ländliche Regionen werden von den Carsharing-Portalen spärlich bedient.

Wir werfen einen Blick auf die größten und vielversprechendsten privaten Carsharing-Portale in Deutschland.

Drivy

Drivy ist die größte private Autovermietung in Europa und wurde 2010 von Paulin Dementhon in Paris gegründet, der durch seine Nachbarn auf die Idee des Autoteilens aufmerksam wurde. Der Hauptsitz von Drivy ist in Paris; Berlin und Barcelona sind jeweils Hauptniederlassungen für Deutschland und Spanien. Vertreten ist die App in Frankreich, Deutschland, Österreich, Spanien und Belgien. Mittlerweile hat der Service schon 1,5 Millionen Nutzer und 45.000 angemeldete Autos in Europa (Stand Juli 2017).

Über die Plattform Drivy können Nutzer die Autos anderer Personen mieten, wenn sie ein Auto benötigen: ob für einen Ausflug, eine Geschäftsreise oder einen Umzug. Da sich der gesamte Anmietungsprozess bis zur Rückgabe des Fahrzeuges per App abwickeln lässt, ist das Mieten der Autos sehr flexibel gestaltet. Sowohl die Mieter als auch die Autobesitzer sind während des gesamten Mietzeitraumes dabei umfassend versichert. Sollte ein Unfall oder eine Panne passieren, sind die Fahrzeuge von Drivy zusätzlich durch einen Mobilitätsschutz abgesichert, welcher Pannenhilfe oder Abschleppdienst, Übernahme der Fahrtkosten für die Reisenden und den Autobesitzer beinhaltet. Bei einer Beschädigung des Fahrzeuges durch den Mieter wird die Reparatur von Drivy übernommen; der Mieter muss aber seine Selbstbeteiligung bezahlen.

Für die Vermietung ihres Fahrzeuges können sich die Autobesitzer kostenlos auf der Drivy-Plattform registrieren. Der Mietpreis kann dabei vom Autobesitzer selbst festgelegt werden und wird anhand der Mietdauer und der Kilometer berechnet. Der Kraftstoff ist im Preis nicht inklusive und wird vom Mieter bezahlt. 70 Prozent des bezahlten Preises geht an den Autovermieter; 30 Prozent werden von Drivy einbehalten. Der Autobesitzer kann natürlich auch Mietanfragen ablehnen. Mehr Vertrauen entsteht auch dadurch, dass die Profile der Mieter von Drivy kontrolliert werden.

Option: Drivy Open

Für Vermieter von neueren Fahrzeugen ist eine weitere Option des Vermietens über Drivy möglich: Beim Drivy Open Service wird eine Box in das Fahrzeug eingebaut, mit deren Hilfe das Fahrzeug vernetzt ist und direkt mit dem Smartphone kommunizieren kann. Der Schlüssel wird vom Vermieter vorab in das Fahrzeug gelegt. Zudem kann er einen Zeitraum festlegen, in dem das Auto vom Nutzer mit seinem Smartphone geöffnet werden kann. Für die Vermieter der Fahrzeuge hat das den enormen Vorteil, dass sie nicht mehr persönlich bei der Übergabe des Fahrzeuges anwesend sein müssen. Und auch der Mieter spart Zeit, da er die Übergabe selbst erledigen kann: Nachdem er einen Kontroll-Rundgang gemacht hat, bei dem eventuelle Schäden aufgenommen werden, erhält er die Zugangsberechtigung, um die Türen mit dem Smartphone zu entsperren. Auch wenn das Fahrzeug „nur“ mit dem Smartphone gesperrt wurde – eine Anti-Diebstahl-Wegfahrsperre ist dank der Drivy Open Box trotzdem vorhanden und zudem kann der Standort des Autos geprüft werden – außer während einer Anmietung.

SnappCar

Der größte Anbieter für privates Carsharing in Deutschland ist SnappCar. Rund 15.000 Fahrzeuge bundesweit stellt der Dienstleister laut eigenen Angaben zur Verfügung – der zweitgrößte Anbieter Drivy liegt derzeit bei 6.000 Pkw in Deutschland.

Auch bei SnappCar können die Fahrzeugsuchenden über die Plattform ein Auto mieten. Die eingetragenen Autobesitzer können die Mietanfragen zu ihrem Fahrzeug annehmen oder bei Bedarf auch ablehnen. Der Tagespreis für das Fahrzeug wird vom Autobesitzer selbst festgelegt, auch die Anzahl der in der Vermietung enthaltenen Freikilometer. Möchte der Mieter das Auto weniger als 8 Stunden mieten, zahlt er nur 75 Prozent des Tagespreises und kann 75 Prozent der festgelegten Freikilometer verfahren. Der Autobesitzer bekommt vom Tagespreis 80 Prozent, die restlichen 20 Prozent gehen an SnappCar, welches damit die anfallenden Kosten, zum Beispiel für die Versicherung, übernimmt.

Option der Sofortbuchung: Autovermieter können bei der Registrierung ihres Fahrzeuges die Option „Sofortbuchung“ einstellen. Anfragen werden bei diesen Fahrzeugen automatisch akzeptiert. Für den Autobesitzer ergibt sich daraus der Vorteil, dass er nicht auf die Anfragen reagieren muss und seine Reaktionszeit dadurch schneller wird.

Während der gesamten Nutzung ist das gemietete Fahrzeug über den Versicherungspartner von SnappCar versichert – eine Selbstbeteiligung gilt aber für jeden Fall separat. Sie kann auf bis zu 250 Euro reduziert werden. Und im Falle eines Unfalls bzw. eines Schadens greift die Vollkaskoversicherung über SnappCar – über die eigene Versicherung bleibt der Mieter schadensfrei.

Übrigens: Auch besondere Fahrzeuge können bei SnappCar gemietet werden. Dazu gehören unter anderem Wohnmobile, Oldtimer, Cabrios oder Elektrofahrzeuge.

Links

Drivy Carsharing

Snappcar Carsharing

Addendum

Artikel aus dem green car magazine.

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