Toyota Corolla 2.0 Hybrid – Die Alternative in der Golf-Klasse

Toyota Corolla 2.0 Hybrid – Die Alternative in der Golf-Klasse

20. August 2019 2 Von nh
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Der Corolla gehört zu den meistverkauften Autos der Welt. In den USA gehört der Corolla regelmäßig zu den beliebtesten PKW-Modellen, in Europa hat die Modellbezeichnung Corolla gut 13 Jahre lang eine Pause eingelegt und als Auris verkauft. Damit ist jetzt mit der ganz neuen Fahrzeuggeneration Schluss. Ab sofort heißt der Golf-Gegner wieder Corolla. Jetzt ist auch der Dieselmotor komplett aus dem Programm gestrichen worden. Im Langstreckentest blicken wir auf die interessantesten Neuheiten.

Toyota setzt mit dem neuen Modell als Golf-Konkurrent auf ein Allround-Fahrzeug mit vielen praktischen Details für den Alltag und spricht mit einem überarbeiteten Vollhybridantrieb auch die Vielfahrer an. Dabei gibt es vom Start weg gleich drei angebotene Karosserievarianten, den kompakt gebaute Schrägheckmodell, ein größeres Touring-Modell und eine eher klassisch wirkende Stufenheck-Variante. Auch technisch wurde das Fahrwerk mit MacPherson Federbeinen und einer Mehrlenkerhinterachse für einen verbesserten Fahrkomfort aufgewertet.

Toyota Corolla 2.0 Hybrid
Toyota Corolla 2.0 Hybrid

Zwei Hybrid-Antriebe stehen zur Wahl

Pikanterweise fährt das Modell am Ende des Werbespots mit einem lächelnden Fahrer an einem an der Ladesäule wartenden Elektroauto vorbei, ein Vergleich, der am Ende doch ein wenig fragwürdig erscheint. Ein Vollhybridantrieb ist letztendlich ein Auto, das auf einem Verbrennungsmotor basiert. Bei Toyota wird auch in Zukunft auf den Verbrennungsmotor als Antriebsquelle gesetzt, während der Golf wohl eher langfristig durch ID-Modelle mit Elektromotor substituiert wird.

Trotzdem sind wohl momentan für die Käufer noch die Eignung für die Langstrecke und die Unabhängigkeit von der Ladesäule ein entscheidender Kaufanreiz. Zum Einsatz kommt die typische Vollhybrid-Konfiguration mit Verbrennungsmotor und ein Elektromotor für rein elektrische Kurzstrecken. Dabei sind in der neuen Generation zwei Ausführungen vorgesehen, eine Variante mit 1,8 Liter Hubraum mit 90 kW/122 PS sowie die leistungsstärkere Motorisierung mit 2 Liter Hubraum und 132 kW/180 PS, die wir im Langstreckentest ausgiebig gefahren sind. Diese Konfiguration zielt vor allem auf Vielfahrer als Alternative zum Diesel ab. Laut WLTP sind beide Varianten auf dem Papier sparsam im Kraftstoffverbrauch. Laut Listenpreisen sind sie aber vergleichsweise höher eingepreist, allerdings inklusive des serienmäßigen Automatikgetriebes, das bei Wettbewerbern im Dieselbereich mit einem Aufpreis bestellt werden muss. Die zurzeit günstigste Variante mit einem 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbomotor als Antriebsquelle kann für 21.000 Euro laut Preisliste gekauft werden.

Bei den Ausstattungslinien gibt es, neben der Basisausstattung, die nur für den reinen Benziner verfügbar ist, eine Reihe von vier Zusatzausstattungen. Den Einstieg bildet die „Comfort“-Linie mit Alufelgen, Auspuffblenden, Lederlenkrad und Multimediasystem für einen Aufpreis von 2.800 Euro. Die nächsthöhere „Business Edition“ erweitert den Komfort mit einem Navigationssystem und die „Club“-Linie mit besseren Sitzen und größeren Felgen und LED-Scheinwerfern.
Die höchste Ausstattungsstufe bildet die „Lounge“-Ausführung mit Teilledersitzen, Soundsystem, Matrix-LED-Licht und diversen Assistenzsystemen.
Das Grundprinzip von Toyota sind die vorkonfigurierten Varianten, der Spielraum für weitere Individualisierungen ist eingeschränkt möglich. Auffällig ist dabei, dass Extras häufig nur im Ausstattungspaket erhalten sind. Ein Totwinkelwarner ist als Beispiel nur erhältlich mit dem DAB-Radio.

Toyota Corolla 2.0 Hybrid
Toyota Corolla 2.0 Hybrid

Langstreckentest – Teilautonomes Fahren

Gleich in der ersten Woche haben wir einen Langstreckentest von Kiel nach Kopenhagen unternommen zum Testen der Sicherheitssysteme auf Herz und Nieren. Toyota setzt auf die neueste Generation des „Toyota Safety Sense Sicherheitssysteme“. Ziel ist die Vermeidung Kollisionen in verschiedenen Verkehrssituationen. Als Basis für die Verkehrsüberwachung dienen eine Einlinsenkamera und ein Millimeterwellenradar.

Die Platzierung zur Steuerung der adaptiven Geschwindigkeitsregelung ist direkt in Griffhöhe am Lenkrad optimal eingebunden. Die Bedienung erfolgt dann einfach über den rechten Daumen. Die Aktivierung erfolgt über einen Druckpunkt und dauert circa 2 Sekunden. Anschließend wird im zentralen Display „Radar bereit“ eingeblendet. Die Einstellung der Geschwindigkeiten erfolgt dann ebenfalls über zwei Druckpunkte auf der rechten Lenkradseite. Der Abstand zum vorher fahrenden Fahrzeug kann in drei Stufen festgelegt werden.

In der neuesten Generation ist adaptives Fahren auch im schleichenden Stadtverkehr oder beim Stau auf der Autobahn aktiv im Geschwindigkeitsbereich von 0-30 km/h möglich. Sollte der Wagen zum Stehen kommen, reicht ein leichter Druck auf das Gaspedal zur Reaktivierung der automatisierten Geschwindigkeitsregelung. In Kombination mit der Verkehrszeichenerkennung kann sogar die zulässige Höchstgeschwindigkeit per Tastendruck direkt angepasst werden.
Während der Autobahnfahrten sind dem Hybrid-Antrieb in Kombination mit dem Planetengetriebe einige technische Grenzen gesetzt. Verbessert gegenüber der Vorgängerversion haben sich beim Beschleunigen auch die Dynamik und die Innenraumgeräusche. Der E-Motor liefert ein Drehmoment von 202 Nm bei 80 kW Leistung, die Gesamtleistung liegt inklusive Verbrennungsmotor bei 132 kW / 180 PS. Damit beschleunigt das kompakte Schrägheckmodell in circa 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h im Sportmodus. Mit Hilfe der Schaltwippen am Lenkrad kann man durch die „virtuellen“ Gänge schalten und das Drehzahlniveau während der Fahrt beeinflussen. In der Kombination beider Motoren schaltet der Verbrennungsmotor bei vielen Situationen ab, typisch dafür sind Bergabfahrten, Bremsmanöver oder das Heranrollen an die rote Ampel.

Im Alltagsbetrieb macht die straff ausgelegte Federung einen guten Eindruck, die Lenkung gibt eine gute Rückmeldung über die Fahrbahnoberfläche. Die größere Spurweite und der verlängerte Radstand erzielen einen höheren Fahrkomfort gegenüber dem Vorgänger.

Direkt einschalten kann man den E-Antrieb nicht, man kann aber anhand des Drehzahlmessers ablesen, ob der E-Motor arbeitet. Von den im Prospekt angegebenen Verbrauchsangaben von 3,8 Litern Super sollte man sich nicht täuschen lassen. Tatsächlich konnten wir nur bei konstant eingeschalteten E-Modus einen Verbrauch bei sommerlichen Außentemperaturen zwischen 5 und 6 Litern erzielen. In den sportlichen Fahrmodi liegen die Verbrauchswerte jenseits von 6 Litern.

Corolla-Interieur

Praktische Details sind im Innenraum vorgesehen. Der Kofferraum ist gut zu beladen und durch einen geteilten Boden auch mit einem separaten Staufach versehen. Hier können vorwiegend Utensilien gelagert werden, die man ständig während der Fahrt mitführen möchte. Eine Lichtleiste leuchtet den Kofferraum umfassend aus und die geteilte Fondlehne kann per Fernentriegelung umgeklappt werden.

Im Innenraum ist das Platzangebot jetzt großzügiger bemessen und auch im Fond ist das Raumangebot dank eines weiteren Radstandes erhöht. In der Verarbeitung ist der Corolla inzwischen hochwertiger ausgestattet. Die Materialien und der konstruktive Aufbau der Bedienungselemente sind ergonomischer ausgerichtet. Im Infodisplay der Mittelkonsole sind alle Informations- und Einstellungsbereiche zusammengefasst. Die Displayauflösung und die Darstellung sind eher für die funktionale Nutzung ausgelegt. Der Aufruf der Funktionen erfolgt jedoch etwas zeitverzögert.

Die Vordersitze sind mehrfach einstellbar und bieten einen guten Seitenhalt. Das zentrale Display ist übersichtlich aufgeteilt und bietet über die Tasten auf dem linken Lenkrad eine individuelle Darstellung des mittleren Displays an. Es kann zwischen Fahrinformationen und Übernahme von Inhalten aus dem Infodisplay gewählt werden.

Fazit

Der neue Corolla zeigt im Test seine eigenen Qualitäten. Neben dem verbesserten Platzangebot fährt er sich leiser und entspannter als die Vorgängerversion. Der Verbrauch wird vorwiegend durch den ausgewählten Fahrmodus beeinflusst. Die neuen Fahrassistenzsysteme bieten vielfältige Entlastungen für den Fahrer, insbesondere im Langstreckenbereich.

Addendum

Praxistest aus dem Sommer 2019

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