Wasserstoff aus Windenergie – Power-to-Gas-Anlagen können Abregelung vermindern

Wasserstoff aus Windenergie – Power-to-Gas-Anlagen können Abregelung vermindern

5. Oktober 2019 0 Von nh
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Am Standort Brunsbüttel auf dem Industriegelände des Chemiekonzerns Covestro in Schleswig-Holstein ist am 8. August 2019 eine Power-to-Gas-Anlage offiziell in Betrieb gegangen. Die Anlage wird von der Firma Wind2Gas Energy mit einer Leistung von 2,4 MW betrieben und erzeugt Wasserstoff aus dem überschüssigen Strom eines in der Nähe gelegenen Windparks. Greenpeace Energy ist Vertragspartner für den neuen Elektrolyseur in Schleswig-Holstein, der den Strom-Überschuss eines benachbarten Windparks direkt in Wasserstoff umwandeln wird.

Die ungenutzten Energiereserven aus Windstrom für Millionen von E-Autos

Laut BDEW mussten die Übergangsnetzbetreiber im ersten Quartal 2019 deutlich häufiger Strom aus Windenergieanlagen abregeln als in den Vormonaten. Insgesamt 3,23 Milliarden kWh konnten nicht ins Stromnetz eingespeist werden. Weil mehr Energie erzeugt wurde als über die vorhandenen Netzkapazitäten transportiert werden könnten, wird der Strom als letzte Maßnahme abgeregelt, um das Stromnetz zu stabilisieren.

Das Ausmaß der Verschwendung wird deutlich, wenn man realisiert, dass circa 6 Millionen E-Autos für diesen Zeitraum betrieben werden könnten, also so viele Pkw, wie zurzeit in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zugelassen sind. Ebenso könnte mit der Umwandlung circa 2 Milliarden kWh grünes Gas hergestellt werden und 100.000 Haushalte ein Jahr lang beheizt werden.

Greenpeace Energy als Partner

Der Ökostromanbieter Greenpeace Energy nimmt als Partner laut Liefervertrag und eigenen Angaben als Hauptabnehmer bis zu 1,8 Mio. kWh pro Jahr ab. Bundesweit versorgt das Unternehmen circa 24.500 Haushalte mit dem Gasprodukt „proWindgas“. Die Energie hierfür wird von inzwischen vier Elektrolyseuren aus Wasserstoff bezogen.

Die Anlage in Brunsbüttel springt ein, wenn wegen einer hohen Windausbeute der nicht benötigte Strom abgeregelt werden sollte. Über eine direkte Stromleitung zum PEM-Elektrolyseur wird die Umwandlung in Gas gestartet. Brunsbüttel hat sich als Standort mit dauerhaften Windstärken herausgestellt. Mit den Ökostrom-Überschüssen kann der Wasserstoff erzeugt werden. Im Vorfeld hatten der Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz und das Land eine Verdichter- und Einspeisestation errichtet, damit das Gas vorrangig in das Gasnetz eingespeist werden kann.
Das Gesamtprojekt ist ein Bestandteil der seit 2017 gestarteten Initiative „NEW 4.0“. Weitere beteiligte Unternehmen sind der Stuttgarter Anlagenbauer Etogas, der Autokonzern Audi und der Windradhersteller Enercon.

Energiereserven für die Elektrosensibilität

Die genannten Zahlen zeigen, dass der Ausbau der Stromnetze weiterhin oberste Priorität haben sollte. Solange mehr Ökostrom durch Windkraft erzeugt wird, als die Netze aufnehmen können, sollten in erster Linie durch Politik und Öffentlichkeitsarbeit die Wege für die neuen Stromnetze freigemacht werden. Damit der abgeregelte Strom in Zukunft besser genutzt werden kann, sind auch dezentrale Power-to-Gas-Werke und der Ausbau von Ladesäulen im Norden weitere Schritte zur sinnvollen Energienutzung.

Addendum

Titelbild – Sinnbild Wasserstoff tanken – ©fotomek – stock.adobe.com

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