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Fiat Panda Seitenansicht

Fiat Panda 0.9 8V TwinAir Natural Power Lounge im Praxistest

Fiat bleibt auch 2017 bei den Verbrennungsmotoren. Als eine Option setzt der Hersteller auf die Erdgasvariante in dem einfachen Kleinwagen Panda als energiesparendes Konzept. Angetrieben mit einem Zweizylinder mit 875 cm3 Hubraum ist die Motorisierung eher einem Motorrad zuzuordnen. Hier sind aber bei 1.155 kg Leergewicht plus Fahrer ganz andere Massen zu bewegen und ganz andere Preise zu bezahlen. Bei unserer Lounge-Ausstattung sind das stolze 15.690 Euro Listenpreis. Lohnt sich der hohe Anschaffungspreis?

Der Panda, der laut eigenen Werbeversprechen früherer Versionen auch schon als „tolle Kiste“ propagiert wurde, ist nichts weiter als ein auf dem Fiat 500 basierendes ausgebautes Konzept. Einfache technische und sicherheitstechnische Ausstattung begleiten den fünftürigen Kleinstwagen über die ganze Historie. Bei der Verarbeitung fallen die fehlenden Verkleidungen im Unterbodenbereich, fehlende Seitenschutzleisten und insbesondere scharfe Kanten an der Karosserie auf. Im Hinblick auf die Alltagstauglichkeit sucht man bei diesem Modell Reserverad oder Schlüssel für die Radmutter vergeblich. Das Erdgastankstellennetz ist mit circa 900 Tankstellen akzeptabel ausgebaut. Aber: Bei diesem Modell
sind diese bei einer berechneten Reichweite von gut 300  Kilometer immer einzuplanen.
Der Innenraum ist für fünf Sitzplätze knapp bemessen. Die Sitzbreite ist ausreichend und die Kopffreiheit vorne und hinten für Personen bis 1,90 Meter Größe ausreichend; hinten sind aber bei Personen ab circa 1,60 Meter Größe schon die Knie an den Vordersitzen.

Fiat Panda Cockpit
Fiat Panda Cockpit

Über den joystickartig in der Mittelkonsole integrierten Schaltknauf muss fleißig geschaltet werden, um die Drehzahlen in einem erträglichen Ausmaß zu halten. Der Motor wurde für den Benzinbetrieb optimiert; er hat daher 5 PS weniger Leistung im Erdgasbetrieb. Im Stadtverkehr ausreichend, ist er für die Langstrecken weniger zu empfehlen.
Subjektiv zeigt sich der kleine 0,9-LiterTurbobenziner mit 80 PS (59 kW) agil und drehfreudig. Schaltet man fleißig und hält den Motor auf Drehzahl, so wird man mit spritzigem Fahrverhalten belohnt. Der simulierte Überholvorgang bei voller Beschleunigung zwischen 60 und 100 km/h absolviert der Panda in 10,0 Sekunden. Mittelwert in seiner Klasse. Der Motor wurde nicht auf Gasbetrieb optimiert, wodurch er zur Benzin-Variante 5 PS (3,7 kW) einbüßt.

Fiat Panda - Blick in den Motorraum
Fiat Panda – Blick in den Motorraum

 

Auf den zweiten Blick sparsam

Hinsichtlich des Durchschnittsverbrauchs wird er mit 4,2 Liter/100 km Kraftstoff bzw. 4,1 kg Erdgas im Prospekt angepriesen. Im Winterbetrieb schlagen Heizung und elektrische Verbraucher zu, die Werte bei Minusgraden liegen deutlich höher. Da sind die Werte mit denen von Vierzylindermotoren vergleichbar. Die Einsparungen für den höheren Kaufpreis lassen sich nur mit dem Erdgaspreis kompensieren. Legt man die realistischen Jahresfahrleistungen von 10.000 Kilometer zugrunde, lassen sich die Verbrauchswerte errechnen. Bei Superbenzin kommen wir momentan auf 650 x 1,26 Euro = 819 Euro und bei Erdgasbetrieb auf 450 x 1,10 Euro = 495 Euro. Hier lassen sich pro Jahr gut 324 Euro einsparen. Bei zu erwartenden steigenden Kraftstoffpreisen entsprechend mehr. Damit sind aber rein wirtschaftlich einige Jahre Amortisationszeit für den Mehrpreis zu berücksichtigen.

CO2-Reduzierung

Ein Erdgasmotor sorgt auf jeden Fall für circa 25  Prozent weniger CO2Ausstoß und ist sauberer als ein Benzinmotor. Mit 12  kg Erdgas in den Tanks lassen sich im Alltag circa 250 bis 300 Kilometer bewältigen. Erdgas wird bis zum 31. Dezember 2018 mit einem niedrigen Energiesteuersatz belegt bleiben. Danach muss die Entwicklung abgewartet werden.

Fiat Panda Frontansicht

Sonderausstattungen gegen Aufpreis

Wer nicht allzu große Erwartungen hat, kann im Komfortbereich mit dem Panda auf Kurzstrecken gut leben. Auf Langstrecken sind einige Ausstattungsmerkmale schlicht nicht alltagstauglich. Die Lenkung vermittelt wenig Kurvengefühl und die Sitze sind viel zu schwammig ausgelegt. Das ständige Schalten zwischen den Gängen beruhigt auch nicht gerade den Fahrer. Immerhin entschädigt das für diese Fahrzeugklasse gut gestaltete Cockpit. In der Lounge-Ausstattung sind dann noch einige hochwertige Merkmale enthalten, zum Beispiel Leichtmetallräder, elektrische Fensterheber, Lederlenkrad, Radio mit Freisprecheinrichtung oder Nebelscheinwerfer.

Die Klimaanlage dagegen ist in dieser Variante nur gegen 400 Euro Aufpreis zu erhalten, ebenso schlägt eine teilbare Rücksitzbank oder eine Kofferraumbeleuchtung zu Buche. Die aufpreispflichtigen Ausstattungsvarianten sind für einen kleinen Kleinwagen sehr üppig.
Die Platzverhältnisse und der Kofferraum fallen der Fahrzeugklasse entsprechend bescheiden aus. Der Kofferraum fasst 220 Liter und lässt sich auf 870 Liter nach dem Umklappen der Rücksitze erweitern. Dafür kann man selbst mit dem kleinen Panda einen gebremsten Anhänger bis 800 kg nutzen.

Addendum:

Quelle: green car magazine I / 2017

Die Mitarbeiter in der Produktion in der Nähe von Neapel feierten laut Herstellerangaben jetzt gemeinsam den 300.000 Panda Natural Power. Laut Fiat ist kein anderes mit Erdgas angetriebenes Auto ist in Europa so erfolgreich wie der Panda. Es war das erste in Massenproduktion hergestellte Erdgas-Modell und von 2007 bis heute das meistverkaufte Erdgas-Modell in Europa.

Externe Links:

Fiat Panda Preisliste 2017

N. Hagedorn
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