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Grünes Mobilitätsangebot von Unternehmen an das Personal fördert Mitarbeiterbindung

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Professor Benjamin Wall studierte an der Yale Universität und der London School of Economics. Er wohnt laut eigenen Angaben seit 30 Jahren im Großraum Zürich, wo er sich als Unternehmensberater und Dozent an betriebswirtschaftlichen Studiengängen betätigt hat. Zur Zeit unterrichtet er an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich. Im Rahmen einer selbständig geführten Studie als Teil der eigenen Forschung wurden die Auswirkungen von nachhaltigen Mobilitätsangeboten von Unternehmen für das Personal untersucht.

Das Mobilitätsangebot bildet ein denkbares Medium für Unternehmen, Werte zu vermitteln und ihrem Personal die Verfolgung von individuellen Präferenzen zu ermöglichen, inkl. der Elektrifizierung des Autos. Inwiefern dies zutrifft, ergibt sich beim Personal Unternehmensidentifikation und eine individuelle Lebensführung. In dem Ausmass, dass das Personal das Unternehmen als Mitgestalter des Lifestyles betrachtet, fühlen sie sich enger an das Unternehmen gebunden.

Der Dienstwagen als Benefit

Seit Jahren gilt der Dienstwagen neben der Vorsorge als Benefit Nummer 1 unter Fach- und Führungskräften in Deutschland. Eine Untersuchung bei fünf DAX-Unternehmen zeigt auf, dass unter angepassten Bedingungen der Dienstwagen immer noch zentral zur Entlohnung für obere Arbeitskräfte bleibt. Die umweltfreundlicheren Bedingungen eröffnen jedoch das Potenzial, dass die Dienstwagen-Politik in den Wahrnehmungen von weiteren Mitarbeitenden zu einem Plus für das Gesamtpersonal verwandelt wird, weil sie sich damit identifizieren können. Zudem wird die individuelle Bestimmung von Dienst- und Privatreisen, welche ein Auto für eine Minderheit des Personals mit sich brachte, in die individuelle Wahl aus einem Korb von Mobilitätsdiensten für das Gesamtpersonal umgewandelt. Die Mobilitätsverantwortlichen der Unternehmen Allianz, Bayer, Infineon, Merck und thyssenkrupp nahmen an einer Studie zum Stand des Mobilitätsangebotes für das Personal teil.

Aus den Interviews geht hervor, dass entsprechend den klaren Erwartungen der Führungskräfte und Fachspezialisten Dienstwagen nach wie vor fester Bestandteil des Benefits-Pakets sind. Jedoch veränderte sich die konkrete Ausführung dieses Benefits mit dem Zeitgeist. Im Rahmen der steuerlich vorteilhaften Gehaltsumwandlung für geleaste Dienstwagen wird in vier der Unternehmen ein Leasing-Bonus angeboten für Fahrzeuge mit tiefem CO2-Ausstoss. Bei ebenfalls vier der Unternehmen liegen die Emissionswerte der Wagen, welche für obere Führungskräfte, die Aussendienst und die Service-Techniker erworben werden, bedeutend tiefer als vor kurzem.

Des Weiteren zum Auto als Mobilitätsmittel würden sämtliche Unternehmen die Elektrifizierung gerne fördern. Jedoch sind sich das Fachpersonal in den Unternehmen einig, dass der heutige Markt eher teure Fahrzeuge mit beschränkter Praktikabilität bietet – was dem Kaufpreis, der Reichweite, der Ladezeit und der Verfügbarkeit von Ladestationen anbelangt. Trotzdem experimentieren die Unternehmen mit dieser zukunftsweisenden Lösung als Zeichen ihrer Bereitschaft, neue Wege zu erproben. So erstattet Bayer zum Beispiel einen Zuschuss für eine Ladestation zuhause während Merck und thyssenkrupp Ladesäulen am Arbeitsort installiert haben. Auf Nachfrage der Lenker von E-Autos in der Belegschaft organisiert Bayer einen Erfahrungsaustausch unter diesen Pionieren. Auf dem Firmengelände von Merck verkehren kleine Lieferwagen ausschliesslich mit vollelektronischem Antrieb. Das Fördern der Elektrifizierung macht nicht beim Auto halt. Die Möglichkeit des Leasings von Fahrrädern und E-Bikes im Rahmen der Entgeltumwandlung ist seit Sommer 2016 fester Bestandteil des Mobilitätsangebots bei Merck und wird zur Zeit bei thyssenkrupp, Infineon und Bayer geprüft.

Mit einer Sicht von außen kann interpretiert werden, dass Firmenwagen in einen Ausdruck von Unternehmenswerten umgewandelt werden und geben ein Signal, dass die Unternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind. Dieses Signal kann sich unter dem gesamten Personal verbreiten. Das Employer Branding wäre dadurch verstärkt und die Unternehmensidentifikation gefördert.

Nachhaltige Mobilitätsangebote

Weiter im Sinne einer Verbreitung durch das Unternehmen lässt sich ein Mobilitätsangebot – im Gegensatz zu Dienstwagen – an das ganze Personal richten, wenn auch nicht alles allen zur Verfügung stehen kann. Jobtickets sind selbstverständlich bei allen Unternehmen vorhanden und werden unterschiedlich subventioniert. Zudem lassen alle Unternehmen außer Merck und thyssenkrupp ihre Mitarbeitenden Autos in Minutentakt – sogenanntes „Public CarSharing“ – für Dienstreisen mieten, wo die Flexibilität großer Anklang findet, zum Beispiel für eine Fahrt zum Flughafen. Derzeit prüft thyssenkrupp die Einführung dieses zusätzlichen Angebots. Merck hingegen verzichtet bewusst darauf, mit mehreren Überlegungen: das Lenken eines Fremdautos entspricht nicht dem gewünschten Komfort- und Sicherheitsniveau und Merck bietet einen Limousinen-Service für Dienstfahrten in Darmstadt und Umgebung.

Im Sinne der Sharing Economy wurde bei Bayer, Merck und Infineon eine Plattform in Intranet zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten eingesetzt mit unterschiedlichem Erfolg. Bei diesen Unternehmen schliesst man nicht aus, „Car-Pooling“ in einer anderen Art und Weise wiederzubeleben. Zur Sharing Economy gehören ebenfalls Abteilungsfahrzeuge für Reisen zwischen Standorten, welche Bayer betreiben, sowie der kleine Fahrzeugpool bei Merck, welcher für kürzere Reisen in der Umgebung genutzt werden kann.

Um dem Personal eine bestimmte Lebensführung zu ermöglichen, stellen Infineon und thyssenkrupp Zugang zu Mietautos zu Freizeitzwecken bereit, steuergerecht im Rahmen des Arrangements mit ihren externen Dienstleistern. Allianz erteilt eine BahnCard 25 / 50 / 100 wenn es sich dienstlich rechnet; die BahnCard kann ja auch für Reisen in der Freizeit benutzt werden. Mit solchen Lösungen stossen Unternehmen in einen neuen Bereich der Benefits zum Gesamtwohl des Personals vor – dem der Mobilität in der Freizeit.

Der Arbeitgeber mit dem passenden Mobilitätsangebot kann den gewünschten „Lifestyle“ für einen Mitarbeitenden ermöglichen. Das sind stichhaltige Gründe für einen Arbeitnehmer, einen bestimmten Arbeitgeber zu wählen und ihm loyal zu bleiben. Mobilität wird als Benefit Nummer 1 bleiben, jedoch mit einer größeren Bedeutung für einen größeren Anteil des Personals als der Dienstwagen je innehatte. Das bindet.

Weitreichende Mobilitätslösungen in Unternehmen

Allerdings war in den Interviews der Wunsch, weitreichendere Dienste im Mobilitätsangebot an das Personal anbieten zu können, klar zum Ausdruck gebracht. Somit wird ein deutlicher Signal an die Anbieter im Mobilitätsmarkt – Autohersteller, Flottenbetreiber, eventuell sogar größere Autohändler – gesendet, auf dem guten Anfang bei der Erbringung von Mobilitätslösungen weiter aufzubauen. Umfassende Lösungen könnten beinhalten: ein großzügiger Leasing-Bonus für E-Autos zum Pendeln und Aufladen am Arbeitsort mit der Option, am Wochenende ein Auto mit Verbrennungsmotor zu mieten; eine Plattform für das sogenannte „Peer-to-Peer Car-Sharing“ – statt dass ein Dienstwagen den ganzen Tag am Arbeitsort ungenutzt steht, wird es an Arbeitskollegen für kürze Reisen während des Tages geliehen; die Zuteilung von Gutscheinen für Automiete in Minutentakt an Mitarbeitenden, welche Car-Sharing betreiben; Kennzahlen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung; oder die Bereitstellung von Vergleichsinformationen zu den alternativen Reisewegen von X nach Y.

Durch die Einführung von Lösungen in dieser Art könnten Unternehmen einer größeren Anzahl ihres Personals einen verbesserten „Lifestyle“ anbieten. Solche ganzheitliche Mobilitätsangebote hätten großes Potential, die klassischen Dienstwagen-Benefits langfristig zu ergänzen oder sogar zu ersetzen, da die Unternehmen, das Personal und die Anbieter einen beträchtlichen Mehrwert davon beziehen würden. Dies alles zugunsten der Gesellschaft und auch des Planeten.

Autor
Artikel von Benjamin Wall
Dozent, Hochschule für Wirtschaft in Zürich; September 2018
Business School Lausanne

Addendum

Artikel aus dem green car magazine.

Titelbild Dienstwagen Leasing in Unternehmen Sinnbild – Copyright andre2013 @ Adobe Stock

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