Mini Cooper SE Wintertest 2021

Mini Cooper SE Wintertest 2021

14. Januar 2021 0 Von N. Hagedorn
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Es gibt wohl nur eine erlesene Anzahl von Autos, die FahrerIn gleich nach dem Einstieg einen Anflug von tradierten Werten und Zukunft in einem Augenblick vermitteln. Der elektrische Mini Cooper verteidigt tapfer seine jahrzehntelang kultivierte Formsprache und führt ihre Klientel in eine emissionsfreie Fahrzeit. Bei unserem Wintertest haben wir den SE unter kühlen Bedingungen im echten Norden getestet und einige interessante Details erfahren.

Die neuere Geschichte vom Mini ist bisher von drei Generationen mit unterschiedlichen Karosserievarianten und Motorisierungen geprägt gewesen. Im Jahr 2020 ist mit der Auslieferung des Mini Cooper SE die einzige rein elektrische Variante an den Start gegangen. Zurzeit gibt es den kompakten Stromer nur als 2-türige Cooper-Variante mit einer Motorisierung und einem Akkupaket. Mit einem effektiven Energiegehalt von 28,9 kWh ist die Reichweite vom Hersteller nach NEFZ mit über 200 km angegeben.

Um den Energieverbrauch auf der Autobahn nicht zu sehr zu beanspruchen, wird der Cooper SE bei einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h abgeriegelt. Der Mini Cooper SE ist aufgrund seines Auftritts und seiner stylischen Elemente im Innenraum eher als Stilikone für den Auftritt in der City geeignet. Ein voll ausgestatteter Cooper SE kommt dann auch schon mal auf einen Preis von 40.000 Euro. Mit dem Umweltbonus reduziert sich der Preis aber noch bis Ende 2021 deutlich. Auch aus diesem Grund liegen die Lieferzeiten bei aktuellen Bestellungen nicht unter 6 Monaten.

20 Jahre BMW Mini

Beim Antrieb bedient sich BMW aus dem Baukasten des BMWs i3s. Im Mini ist das Aggregat unter der vorderen Motorhaube verbaut und treibt die Vorderräder an. Mit 135 kW Leistung und einem Drehmoment von 270 Newtonmeter spurtet der SE sehr zügig durch den Stadtverkehr. Dabei arbeitet die Lenkung mit einer exakten Rückmeldung von der Straße und das Fahrzeug lässt sich sehr exakt lenken. Ein deutlich niedriger Schwerpunkt lässt auch kaum Wankungen im Fahrbetrieb zu. Das Gesamtpaket aus straffem Fahrwerk und dem dynamischen Antrieb verbreitet ein ansprechendes Fahrgefühl.

Dazu gesellt sich ein ganz eigener Unterhaltungswert im Innenraum von jedem Mini. Ein optisch verspieltes Cockpit, an dem sich die Geister scheiden, versprüht einen eigenwilligen Esprit. Das mächtige Rundinstrument in der Mittelkonsole thront über den Klima-Wahlrädern, den tradierten Kippschaltern und dem wuchtigen Automatik-Wählhebel. Will der knubbelige Geselle noch einmal an der Rallye Monte Carlo teilnehmen? Sobald man Drive eingelegt hat, legt der SE seinen sportlichen Charakter an den Tag. Aber er hat natürlich auch seinen ganz eigenen E-Charakter. Die kräftige Verzögerung bei der höheren Rekuperationsstufe oder der kräftige Spurt beim Druck auf das Strompedal sind markante Merkmale. Mit gut 7,3 Sekunden im Sprint auf 100 km/h schwimmt der Cooper perfekt auf den Stadt- und Landstrecken mit. Gegenüber den Kleinwagen mit Benzinmotoren reagiert der Cooper viel direkter bei jedem kleinen Druck auf das Strompedal und setzt es viel direkter in Geschwindigkeit um.

Min Cooper SE Wintertest 2021
Min Cooper SE Wintertest 2021

Mini im Winter-Härtetest

Beim Überholen auf der Landstraße ist das ein großer Sicherheitsvorteil, die Beschleunigung von 80 auf 120 km/h erfolgt straff in 4,5 Sekunden, dafür braucht selbst der stärkere Mini John Cooper Works weit über 5 Sekunden. Allein für diese zügigen Momente im Autoalltag können sich die meisten Elektroautomobilisten begeistern. Dafür wird auf der Autobahn der Spaß etwas mit der Abriegelung der Höchstgeschwindigkeit eingebremst. Aber es ist abzusehen, dass auch auf der Autobahn wie bei den Nachbarländern Tempolimits eingeführt werden.

Freitagmorgen im Dezember, 1 Grad Celsius, und beschlagene Scheiben beim Start in den Tag. Auf der Anzeige für die Batteriekapazität sind noch 65 % vorhanden. Die Restreichweite ist dagegen nur noch mit 70 Kilometern ausgewiesen. Während sich in den Sommertests durchaus Verbrauchswerte zwischen 12 und 18 kWh/100 km realisieren lassen, liegen diese im Winter deutlich höher. Selbst wenn man bewusst noch auf alle Komfortfunktionen verzichtet, sind bei unseren Tests im Stadtgebiet und auf der Landstraße zwischen 20 und 28 kWh/100 km Stromverbrauch die eiskalte Realität. Und damit reduzierte sich bei unseren Testfahrten die reale Reichweite bei voll geladenem Akku auf 110 bis 130 km bis zur nächsten Ladestation.

Nuancen

Der Cooper kann an Wechselstrom mit bis zu 11 kW und an Gleichstrom mit 50 kW aufgeladen werden. Die Ladezeiten schwanken entsprechend hinsichtlich der verwendeten Ladestation. Nach dem vollständigen Ladevorgang im Winter zeigte das Auto eine Reichweite von 140 bis 150 km an. Die tiefen Außentemperaturen und der Verbrauch für Heizung und Belüftungen der Scheiben fordern ihren Tribut.

Das markante und eigenwillige Innenraumdesign vom Mini tragen zum Image bei. Insbesondere das betonte Infotainmentsystem in der Mittelkonsole wirkt aufgeräumt und kann über das bekannte BMW-Handrad oder direkt per Touch bedient werden. Die Bedienung ist intuitiv nach wenigen Momenten bedienbar. Alle wesentlichen Fahrinformationen sind gut sichtbar über dem Lenkrad auf dem Head-up-Display ablesbar.

Ausstattungslinien

Die Ledersitze im Testauto waren handwerklich gut vernäht und boten einen ausgezeichneten Seitenhalt. Sie lassen sich individuell auf die jeweilige Größe einstellen. Wenn man bei großen Fahrern den Sitz ganz nach hinten verstellt, bleibt allerdings kein Spielraum mehr für die Knie und Beine im Fond. Die individuelle Zusammenstellung des Mini Cooper SE steht nicht mehr im Fokus beim aktuellen Modell. Es gibt vier wählbare Ausstattungslinien.

Das Basismodell für 31.681 Euro lässt sich zwar nur in der grau- oder weiß-metallic-Lackierung bestellen, darin sind jedoch ein dreiphasiges Ladegerät, Wärmepumpe, LED-Scheinwerfer, Sportsitze, Klimaautomatik und Navigationssystem serienmäßig. In den höherwertigen Trim-Varianten werden die Ausstattungsmerkmale um Sitzheizung, Matrixlicht, Soundsystem, adaptiver Tempomat, Rückfahrkamera oder Ledersitze erweitert. Ein besonderer Clou der XL-Variante ist das Panorama-Glasdach. Aber selbst in dieser komfortablen Ausstattungsvariante bleibt er unter 39.500 Euro. Abzüglich der Subventionen bis Ende 2021 bleiben dann also rund 30.000 Euro übrig.

Fazit

Es gibt zurzeit nur das zweitürige Cooper-Modell als reinen Stromer. Dieser verbreitet jedoch mit seinem Charme und Esprit ein unvergleichliches, ruhiges und umweltschonendes Fahrvergnügen. Die eigenwillige Dynamik des Elektromotors macht den Cooper SE zu einem interessanten Citystromer. Mit der nächsten Generation vom Mini wird die Auswahl an elektrifizierten Modellvarianten deutlich erhöht.

Addendum

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