Praxistest Nissan Leaf Modelljahr 2019

Praxistest Nissan Leaf Modelljahr 2019

14. Mai 2019 Aus Von N. Hagedorn
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Der Nissan Leaf gehörte zu den bisher meistverkauften Elektroautos der Welt. Schon seit Jahren wurde das Vorgängermodell aufgrund einer akzeptablen Reichweite häufig im Citybereich genutzt. Bei der aktuellen völlig überarbeiteten Version wurde unser Testwagen nicht mehr via Trailer sondern direkt angeliefert. Ein Fingerzeig auf die wesentlich höhere Reichweite mit dem neuen Akkupaket. Was bietet das Modelljahr 2019 im Vergleich zum Vorgänger und wie hoch ist die Alltagstauglichkeit? Ein ausführlicher Praxistest im Spätsommer 2018 veranschaulicht die wesentlichen Veränderungen gegenüber dem Vorgängermodell.

Die neuen technischen Details

Die komplette Überarbeitung inklusive Motorisierung und Antriebstechnik fängt schon bei der Motorisierung an, ein 150 PS starker Elektromotor arbeitet unter der Motorhaube leistungsstark und fast nicht wahrnehmbar im Innenraum. Der Abschied vom Verbrennungsmotor bei Nissan soll wohl nachhaltig mit dem neuen Leaf erfolgen. Wenn man das Modell mit dem Vorgänger vergleicht, dann ist die deutliche Reichweitenerhöhung auf bis zu 415 km laut Nissan unter optimalen Bedingungen eine glatte Verdoppelung. Diese Werte lassen sich aber selbst in unserem Sommertest bei Außentemperaturen zwischen 20 und 25 Grad nicht erreichen, trotz eingeschaltetem ECO-Modus und aktiviertem e-Pedal. Das Drehmoment stieg mit dem Generationswechsel auf nunmehr 320 Newtonmeter (+26 %). Die Kraft wird per stufenlosem Getriebe an die Vorderräder geleitet. Seine Höchstgeschwindigkeit wird mit 144 km/h angegeben und den Sprint von null auf Tempo 100 absolviert der Wagen geräuschlos in schnellen 7,9 Sekunden. Nüchtern betrachtet eine deutliche Steigerung auch gegenüber der indirekten Konkurrenz durch einen e-Golf. Unser Testwagen erreichte während der Autobahnfahrten auch direkt mal die 160 km/h und das auf jeden Fall deutlich zügiger als das Vorgängermodell. Nur verwunderlich das diese Spitzengeschwindigkeit sogar im ECO-Modus erreicht wird, im Bereich der Höchstgeschwindigkeit werden laut Energiedisplay definitiv keine Einsparungen beim Stromverbrauch erzielt.

Nissan Leaf Modelljahr 2019 Pro Pilot – Copyright Nissan

Das vergrößerte Akkupaket mit 40 kWh Kapazität besteht aus 192 Modulen, die Energiedichte wurde um 67 Prozent bei gleichbleibenden Abmessungen erhöht. Die Akkus sind im Unterboden verstaut und sorgen somit für einen sehr niedrigen Schwerpunkt, was sich positiv auf die Fahr- und Wankeigenschaften des Wagens auswirkt. Aber nicht nur technisch, sondern auch optisch bietet der Leaf ein überarbeitetes und zeitgemäßeres Erscheinungsbild. Der jetzt 4,49 Meter lange, 1,78 Meter breite und 1,61 Meter hohe Leaf wirkt optisch gelungener und dynamischer als der Vorgänger. Der längere Radstand von 2,70 Metern bietet jetzt gute Platzverhältnisse und hinter der Heckklappe können 400 Liter Gepäck mitgeführt werden. Er ist beim NCAP-Sicherheitstest eingestuft als Kompaktwagen und wurde bei den diversen Testszenarien mit vollen 5 Sternen bewertet.

An Innovationen wird auch nicht gespart. Ein per Kippschalter einschaltbares e-Pedal gehört zur Serienausstattung. Es ist im Endeffekt die Erweiterung des Gaspedals in ein Bremspedal, sobald der Fuß das Pedal entlastet. Dann bremst der Wagen unverzüglich bis zum Stillstand ohne das die Bremse direkt betätigt wird. Das bringt dann jedes mal einen Schub direkte Energierückgewinnung. Einmal ausprobiert funktioniert das ganz entspannt, sobald man sich an diesen direkten Effekt gewöhnt hat. Sollte der Bremsvorgang nicht ausreichen steht für die kurzfristigen Bremsmanöver das Bremspedal weiterhin zur Verfügung.

Schnell mal Strom tanken

Nach der Anlieferung konnten wir uns gleich mal mit dem Chademo-Schnellladeanschluss vertraut machen. An den Autobahnen bundesweit sind inzwischen an den Tank und Rast – Raststellen fast alle Rastplätze mit den Schnellladesäulen ausgestattet. Der Vorteil der 4 Ladeplätze pro Ladesäule liegt in den unterschiedlichen Ladeanschlüssen. Und so laden wir mal direkt neben einem BMWi3 auf. Die Ladezeiten mit dem Chademo-Anschluss und 50 kW Gleichstrom ist zur Zeit die schnellste Auflademöglichkeit. Wir sind noch bei 20% Restkapazität beim Ladestart und 20 Grad Außentemperatur. Es braucht eine gute halbe Stunde bis zur 80%-Ladung des Akkus. Danach kann der Akku aus technischen Gründen bei nur noch geringerer Leistungsaufnahme geladen werden. Das sind dann noch einmal gut 20 Minuten. Also ist selbst mit Schnellader für die volle Kapazität immer eine gute Stunde Ladezeit einzuplanen. Bei kühleren Außentemperaturen aus unserer Erfahrung darf auch gerne ein wenig mehr Zeit eingeplant werden. Die Reichweite bei voll geladenem Akku wird im Display bei uns jetzt mit 270 Kilometern angegeben. Hierbei werden die Verbrauchswerte aus der Vergangenheit gemittelt. Das ist dann auch ein realistischer Wert für die tatsächliche Beanspruchung inklusive Nutzung von Klimatisierung und Heizungsleistung. Selbst beim ganz neuen WLTP-Verfahren werden diese Verbraucher leider noch komplett abgeschaltet.