Zum Inhalt springen
Prototyp Sono Sion - Copyright Sono Motors

Tod oder Gladiolen – Sono Motors auf dem Weg zur Serienfertigung


Über kaum ein Projekt in der Elektroautoentwicklung wurden über so viele Jahre Ankündigungen und Änderungen berichtet wie bei der Entstehung des angekündigten Solar-Automobils von Sono Motors aus München. Angefangen hat es mit vielen Versprechungen für ein komplett neu konzipiertes und kostengünstiges Solar-Elektroauto. Über die letzten Jahre hat man sich scheibchenweise vom preisgünstigen Elektroauto für die Stadt verabschiedet.

In diese Lücke sind jetzt schon die etablierten Hersteller mit dem Twingo Electric, dem e.GO Life oder dem Dacia Spring inklusive Umweltbonus hineingesprungen. Und selbst unterhalb dieser sehr einfachen Elektroautos gibt es schon mit dem Citroen Ami eine noch einfachere und stadttaugliche Alternative, die schon für die Kosten einer Monatskarte für den Bus geleast werden können. Insofern hat sich die Zukunftstrategie für das Münchener Startup in den letzten Jahren massiv verändert.


Die globalen Player der Autoindustrie haben den Markt für das emissionsfreie Auto inzwischen längst zu ihrer eigenen Kernkompetenz erklärt. Immerhin hat das Münchener Selbstvertrauen bei Sono Motors in den letzten Jahren nicht gelitten. Das von den Fußballern bekannte „Mia-san-mia“ wird kontinuierlich neuen Pressemeldungen und Facebook-Postings untermauert. Alle Akteure sprechen in vielversprechenden und aufwendig produzierten Videospots vom neuen Solar-Automobil. Das kann nur realisiert werden mit einem neuen Kleid aus Solarflächen auf dem gesamten Auto. Das ist nicht wirklich neu, sondern wird auch schon von anderen Herstellern auf sinnvollen Flächen wie auf dem Autodach (Toyota) integriert. Sono Motors hält an den Plänen zu den Solarflächen auf der gesamten Oberfläche des Autos fest. Das kostet Entwicklungszeit und -gelder, die sich dann auch im Preis niederschlagen. Für dieses Verfahren müssen ganz neue Werkzeugmaschinen und Fertigungsverfahren bis zur Serienreife entwickelt werden.

Konzentration auf das Solar-Auto


Ein Blick auf die fortlaufenden Änderungen schlägt sich auch in der Verwendung neuer Komponenten nieder. War man anfangs noch optimistisch, mit einem kompakten Akku und günstigen Produktionskosten an den Start zu gehen, hat sich der Kaufpreis inzwischen mit allen Aktualisierungen auf 28.500 Euro hochgeschraubt. Damit liegt man jetzt schon preislich auf dem Niveau von Konkurrenzmodellen wie dem Renault Zoe oder Nissan Leaf (ohne Umweltbonus). Dafür erhält man laut Herstellerangaben aber auch einen zeitgemäßen Akku mit 54 kWh Kapazität und die Solarintegration mit dem Versprechen den Akku auch während der Standzeit in der Sonne aufladen zu können. Das wird aber weder in den Häuserschluchten der Großstadt noch in den Parkhäusern, Carports oder Garagen erfolgen. Auch die Reduzierung auf eine Farbe und eine Ausstattungsvariante schließt schon vorab viele Käuferschichten, die eine stärkere Individualisierung beim Neuwagenkauf bevorzugen, von vornherein aus.
Schaut man auf den aktualisierten Status der SVC3 Komponenten-Freigabe auf der Internetseite von Sono Motors (03/2022) sind für viele Komponenten noch nicht einmal Lieferanten für Chassis, Exterieur oder Interieur definiert. Der definitive Start der Serienfertigung im Jahr 2023 ist angesichts der ungewissen Lieferantensituation zurzeit noch nicht von Sono Motors kommuniziert worden. Das Münchener Start-up arbeitet eifrig an der Serienfertigung des 4,50 Meter langen Sion mit Solarpaneelen. Der 120 kW (163 PS) starke Elektromotor stammt von Continental bei, das Akkupaket hat eine konkurrenzfähige Kapazität von 54 kWh. Die Reichweite mit vollem Akkus wird mit bis zu 305 Kilometer laut Hersteller angegeben, die durch Aufladung mit Solarenergie nochmals erweitert: Die 250 Solarzellen sollen bis zu 35 Kilometer am Tag bei optimalen Bedingungen ermöglichen. Im Schnitt sollen es 16 Kilometer zusätzlich sein. Die Aufladung an der Schnell-Ladesäule soll in circa 30 Minuten 80 Prozent des Akkustandes erfolgen. Mit dem bidirektionalen Ladegerät kann der Sion flexibel für elektrische Geräte oder Fahrzeuge eingesetzt werden.


Tod oder Gladiolen – das Original des Spruchs entstammt einer viertägigen Volkswanderung, die jährlich in der dritten Juliwoche in Nijmegen stattfindet. Am Ziel werden den erfolgreichen Teilnehmern Gladiolen (Schwertblumen) überreicht. Bekannt in Deutschland wurde das Zitat durch den früheren Bayern-Trainer van Gaal. Die kommenden Monate werden wohl entscheidend für das Projekt „Sion“ von Sono Motors aus München. Bisher liegen laut Hersteller schon 15.000 Vorbestellungen vor. Ein Umweltbonus kann bisher nicht gewährt werden beim Kauf für den Neuwagen.


Fazit


Mit der Entwicklung des Solar-Autos haben sich in den letzten Jahren einige prägende Alleinstellungsmerkmale herausgebildet. Ob das wenig flexible Konzept mit einer Solaroberfläche, einem einzigen Farbton und einer Ausstattungsvariante so euphorisch am Markt aufgenommen wird, wie es in den Videospots angekündigt, wird sich wohl erst im nächsten Jahr zeigen. Die Konkurrenz kann mit einer höheren Individualisierung punkten.

Addendum

Titelbild – Prototyp Sono Sion – Copyright Sono Motors

Welche Chancen gebt Ihr dem neuen Sion von Sono Motors?

N. Hagedorn
Translate »