Toyota Prius Plug-In-Hybrid mit Solardach im Test

Toyota Prius Plug-In-Hybrid mit Solardach im Test

25. September 2020 0 Von Nils Hagedorn
Facebooktwitter

Für Toyota ist ein Schwerpunkt in Europa der Absatz von Vollhybridautos. Ausgebaut wird auch aufgrund der Förderkulissen das Angebot an Plug-In-Hybridmodellen. Der Toyota Prius Plug-In Solar präsentiert sich mit einer Solarfläche auf dem Dach zur zusätzlichen Aufladung des Akkus. Der Umweltbonus von 4.000 Euro kann ein Argument für Neuwagen-Interessenten sein. Ergänzt wird der von Toyota bisher verwendete Hybridantrieb aus Benzinmotor und Dual-Elektromotor in dieser Ausführung mit einem Ladeanschluss für die Haushaltssteckdose oder eine öffentlichen Ladesäule. Ein Blick auf die Alltagstauglichkeit birgt einige Überraschungen.

Neben der Energiegewinnung aus der Rekuperation und der externen Aufladung über den Ladeanschluss lädt sich der Prius auch aus der Sonneneinstrahlung via Solardach auf. Wunder darf man dabei nicht erwarten, die Oberfläche auf dem Dach verfügt über eine Peak-Leistung von 180 Watt unter optimalen Bedingungen. Sollte das Auto dem Sonnenschein ausgesetzt sein, ist damit eine geschätzte Reichweite zwischen circa 4 und 8 Kilometern zu erzielen. Damit können laut Toyota jährlich bis zu 1.000 Kilometern aus Solarenergie generiert werden.

Toyotas Solardach als Sahnehäubchen

Zur Funktionsweise des Solardaches gibt es detaillierte Informationen von Andreas Lübeck, Pressesprecher Technik der Toyota Deutschland GmbH: „Die im Stand bspw. während des Parkens gewonnene Energie wird in der Hochvolt-Batterie eingespeist und kann somit für den elektrischen Antrieb genutzt werden. Es ist eine Aufladung bis zu 5 km elektrische Reichweite pro Tag möglich (abhängig von den Wetterbedingungen). Während der Fahrt wird die durch die Sonnenenergie gewonnene Leistung direkt dem Bordnetz (für Beleuchtung, Klimaanlage, Multimedia-Anlage etc.) zugeführt.“

Der Test fand im Winter statt. Aus diesem Grund haben wir auch keine spürbaren Effekte während des Tests wahrgenommen. Für die Zukunft plant Toyota eine größere Solarfläche mit einer Peak-Leistung bis zu 860 Watt. Die gesamte Solarfläche spannt sich dann auch über die Motorhaube.

Toyota Prius Plug-In-Hybrid - Copyright Toyota
Toyota Prius Plug-In-Hybrid – Copyright Toyota

Einstufige Automatik

Die einstufige Automatik ist optimal für das Cruisen in der City oder auf den Landstraßen. Hier spielt der Prius seine Vorteile für eine defensive Fahrweise aus. Auf den Autobahnlangstrecken mit höheren Geschwindigkeitsprofilen ist dagegen mit einer höheren Geräuschkulisse durch den hoch drehenden Verbrennungsmotor in Kauf zu nehmen. Die besten Einsparungspotenziale ergeben sich im Stadtverkehr auf den rein elektrischen Streckenabschnitten.

Vor dem Sparen müssen allerdings die Anschaffungskosten in Betracht gezogen werden. Mit dem Solardach sind immerhin knapp 40.000 Euro Listenpreis zu berücksichtigen, die Modelle mit reinem Verbrenner beginnen dagegen schon bei 28.450 Euro. Dafür fallen die Einsparpotentiale doch recht knapp bemessen aus. Das installierte Solardach speichert den Strom in einer eigenen Solarbatterie, die die Ladung wiederum abgibt an die Traktionsbatterie. Ein weiterer Nachteil ist der knapp bemessene Kofferraum. Der Lithium-Ionen-Akku hat 8,8 kWh Kapazität und begrenzt das Kofferraumvolumen auf 360 Liter. Allein der Akku beansprucht circa 145 Liter vom Gepäckraum. Gerade für Familien, die viel Reisegepäck transportieren, ist die Reisetauglichkeit eingeschränkt.

Während beim Vorgängermodell nur 4 Personen befördert werden konnte, ist beim aktuellen Modell die Beförderung von 5 Personen zugelassen und die Zuladung hat sich entsprechend um 75 kg erhöht. Damit liegt die Zuladung jetzt bei circa 327 kg, je nach Ausführung.

Entschleunigung als Zeitgeist

Die zwei gekoppelten Elektromotoren leisten 92 PS / 68 kW, der 4-Zylinder-Benzinmitor mit 1,8 Liter Hubraum leistet wiederum 98 PS / 72 kW. Die gesamte Systemleistung für den Prius beträgt 122 PS/90 kW. Das ist für ein 1,6 Tonnen schweres Auto nicht viel. Dank der E-Motor-Unterstützung beschleunigt der Prius Plug-in moderaten 11,1 Sekunden auf 100 km/h. Die Abriegelung der Höchstgeschwindigkeit liegt bei 162 km/h und damit liegt man noch ausreichend in der Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Das ist wohl auch der Kritikpunkt für sportliche Autofahrer, beim Kickdown oder hohen Geschwindigkeiten ab 120 km/h ist der Verbrennungsmotor laut hörbar im Innenraum.

Der Fahrmodus ist auswählbar zwischen Hybrid-Modus (HV) oder Elektro-Modus (EV). Die Ladezeit dauert an der Heimsteckdose circa 3 Studen, also ist der Ladevorgang über Nacht am sinnvollsten. Bei gemäßigtem Tempo und optimalen Bedingungen kann man bis zu 50 Kilometer weit elektrisch fahren, sogar bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 135 km/h.

Toyota Prius Plug-In-Hybrid - Copyright Toyota
Toyota Prius Plug-In-Hybrid – Copyright Toyota

Prius Verbrauchswerte

Ein Blick auf die Verbrauchswerte offenbart einige positive Überraschungen. Im Langstreckenbereich mit vielen Autobahnkilometern sind durch die strikte Abriegelung Verbrauchswerte zwischen 6 und 8 Litern zu erreichen. Vorteilhaft wirkt sich hier der niedrige CW-Wert von 0,25. Sobald die Höchstgeschwindigkeiten stark begrenzt waren, im Stau im Stop-and-Go-Modus oder im Citybereich lagen wird durch die Unterstützung der Elektromotoren deutlich unter 5 Liter. Im Durchschnittsverbrauch über den Testzeitraum verbrauchte der Prius zwischen 4,5 und 5 Liter Super-E10-Benzin.

Die Hybrid-Fahrer schätzen die ausreichenden Reichweiten und müssen keine lange Ladezeiten für den Akku berücksichtigen. Andererseits ergeben sich auf lange Sicht auch die typischen Wartungs- und Reparaturkosten von Ottomotoren wie Ölwechsel, Kühlwasserschläuche oder Wechsel des Steuerriemens. Zusätzlich fallen auch Reparaturkosten für Fehler im Hybridantrieb an.

Fazit

Der Vorteil des Prius Plug-In Solar liegt eindeutig bei Fahrten in den niedrigen Geschwindigkeitsbereichen. Hier spielt er die Vorteile des Zusammenspiels zwischen den Antriebsquellen aus. Beim Kickdown oder bei hohen Autobahn-Geschwindigkeiten sind einige Abstriche wegen des Geräuschpegels im Innenraum zu machen bedingt durch hohe Drehzahlen des Verbrennungsmotors und die Geräuschkulisse des Planetengetriebes. Wer bewusst auf entschleunigtes Fahren setzt ist im neuen Prius gut aufgehoben.

Addendum

Test im Februar 2020

Testfahrzeug von Toyota

Bildmaterial Copyright Toyota

Mehr Tests und ausführliche Berichte gibt es im aktuellen Heft. Abo unter:

Facebooktwitter