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Alptraum - Copyright olly - stock.adobe.com

BYD – Ein Alptraum für die deutsche Autoindustrie?

Spätestens seit der IAA 2023 in München gibt wohl kaum ein Thema, das die deutschen traditionellen Hersteller mehr aufhorchen lässt. Das Kürzel BYD für Build your Dreams vom chinesischen Autohersteller ist mehr als eine Vison geworden und drängt mit Kampfpreisen auf den deutschen Automobilmarkt. Dabei hatten schon die Gründer der Firma 1995 eine klare Vorstellung zur Reduzierung der Erderwärmung und starteten mit der Produktion von Akkus. Diese Erfahrungen im Akkubau aus den ersten Jahren zahlen sich jetzt langfristig aus.

Erst 8 Jahre später im Jahr 2003 stieg BYD bei dem angeschlagenen staatlichen Automobilhersteller Xian Qinhuan Automobile ein. Dabei ging es in dem reglementierten chinesischen Markt zunächst um den Erwerb einer Lizenz zum Automobilbau. Und die ersten Jahre erwiesen sich als äußerst zäh, das Modell Flyer musste schon bald eingestellt werden.

Danach wurden in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zunächst alle international erfolgreichen Automarken wie Toyota detailliert studiert. So wurden die Autos der Konkurrenz vollständig in alle Komponenten zerlegt und alle patentierten Bauteile sorgfältig durch maßgeschneiderte Eigenentwicklungen ausgetauscht und in eigene Modelle integriert. Mit diesem Weg wurden bereits 2007 über 2.000 eigene Patente angemeldet.

Die Meilensteine

In der Anfangsphase ähnelten die neue entstandenen Modelle den technischen Vorbildern Toyota Corolla und Toyota Previa. Ein weiterer Vorteil war die Eigenproduktion der wichtigsten Komponenten wie Motoren, Getrieben, Steuer- und Bremssystemen und die gesamte Fahrzeugelektronik. Damit war man gegenüber wichtigen Konkurrenten weitgehend autark und kontinuierlich in der Fahrzeugproduktion.

Ein weiterer Meilenstein in der jungen Firmengeschichte war der Erwerb des japanischen Unternehmen Ogihara Corporation, einer Fabrik zur Herstellung von Fahrzeugteil-Urformen. Der Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen wurde permanent weiter vorangetrieben. Mit diesem Know-How wurden auch die ersten Hybridfahrzeuge entwickelt und verkauft.

Jahr20192020202120222023
PKW-Absatz in Stückzahlen202.452387.957713.4371.796.6253.024.417
Absatzzahlen BYD (Quelle BYD)

Strafzölle in Europa?

In den Folgejahren entwickelte sich BYD zum national wichtigsten Hersteller von Elektroautos und verabschiedete sich inzwischen komplett vom Verbrennungsmotor. Schon im aktuellen Jahr löste BYD Volkswagen als Marktführer auf dem chinesischen Markt ab. Eine dynamische Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist.

Auf der IAA steuerte man gezielt den europäischen Markt an und präsentierte attraktive neue Elektroautos zu lukrativen Preisen. Diese Entwicklung ruft jetzt sogar Europäische Union auf den Plan. Die subventionierte chinesische Autoindustrie steht jetzt auf dem Prüfstand. Untersucht werden soll die wettbewerbsverzerrende chinesische Subvention der Autoindustrie. Am Ende könnte ein Strafzoll auf den Import von chinesischen Autos eingeführt werden. Damit droht aber auch ein neuer Handelskrieg.

Positive Gewinnentwicklung

Für 2023 wurden am 29.01.2024 eine Gewinnerwartung zwischen 29 und 31 Milliarden Yuan ( bis zu 4 Milliarden Euro ) an der Börse in Hongkong durch den Konzern bekanntgegeben. Begründet wird die positive Entwicklung mit dem Wachstum im Ausland und einer sehr guten Kostenkontrolle.

Druck auf die deutschen Hersteller

Der Druck der Konkurrenz auf die deutschen Hersteller ist spätestens seit dem Start der Gigafabrik von Tesla enorm gestiegen. Jetzt droht auch in Europa durch den massiven Einstieg von BYD der weitere Verlust von Marktanteilen. Die ersten Auswirkungen sind schon zu spüren, so zeigt erst die massive Preissenkung vom neuen BMW X1 bereits Auswirkungen. Spätestens mit dem Auslaufen des Umweltbonus dürfte sich der Preiskampf für alle Hersteller verstärken.

BYD plant erste europäische Produktionsstätte in Ungarn

BYD kündigt in einer Pressemeldung die nächste Stufe seiner europäischen Strategie mit dem Bau eines brandneuen Fertigungs- und Produktionszentrums in Szeged, Ungarn, an. Die hochmoderne Anlage wird laut eigenen Angaben die erste ihrer Art sein, die von einem chinesischen Automobilunternehmen in Europa gebaut wird, und über eine fortschrittliche Automobilproduktionslinie verfügen. Die Fabrik wird in den nächsten Jahren in mehreren Schritten aufgebaut und ist strategisch für die Belieferung des europäischen Marktes vorgesehen.

Fazit

Mit dem starken Anwachsen des Fahrzeugmarktes für emissionsfreie Fahrzeugen sind die wenig wartungsanfälligen Elektroautos stärker gefragt. Traditionelle Werte wie ein breites Händlernetz mit einer sehr guten Werkstattleistung sind in Zukunft im Rahmen der Elektromobilität wohl weniger gefragt. Mit den neuen Generationen der Autofahrer ist der Nutzen des Autos wesentlich wichtiger als das Eigentum am Gefährt. Wenn die deutschen Traditionshersteller behaupten wollen, ist die zügige Transformation zum Dienstleister für die Nutzung der Fahrzeuge in den Fokus zu stellen.

Addendum

Titelbild – Copyright olly – stock.adobe.com

Wie seht Ihr die deutschen Hersteller im Wettbewerb?

N. Hagedorn

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