Digitaler Zwilling spiegelt Akkuzustand gebrauchter E-Autos

Digitaler Zwilling spiegelt Akkuzustand gebrauchter E-Autos

7. September 2020 Aus Von Nils Hagedorn
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Der Zustand des Akkus gebrauchter E-Autos ist entscheidend für einen zuverlässigen Gebrauchtwagenkauf. Bisher waren vorwiegend Laufleistung und ein durables Thermomanagement für den Akku Kriterien für gebrauchte Elektroautos. Das Münchner Start-up Twaice setzt sich für mehr Transparenz zur Bewertung von gebrauchten Akkus ein. Im Kurzinterview mit Lennart Hinrichs (Commercial Director der TWAICE Technologies GmbH) werfen wir einen Blick auf die Projekte zur Bewertung von gebrauchten Batterien.

gcm: Der digitale Zwilling eines Akkus soll nach Angaben von Twaice präzise Aussagen zum Zustand des Akkus und der zu erwartenden Restlebensdauer machen. Wie kann man aus dem digitalen Zwilling Erkenntnisse für den realen Zustand eines Akkus erhalten?

Lennart Hinrichs: Das Spannende am digitalen Zwilling ist ja, dass er Daten aus der Batterie nutzt, um aus diesen nicht nur den Zustand des Akkus zu bestimmen, sondern auch dessen verbleibende Lebenszeit. Also wie viele Kilometer bzw. Jahre man noch mit diesem Akku fahren kann. Wenn man betrachtet, dass der Akku 30 bis 50% der Kosten eines E-Autos ausmacht, wird schnell offensichtlich, warum das eine essentielle Information beim Gebrauchtwagenkauf ist. Wenn man nicht über diese Information verfügt, muss man quasi zwangsläufig den Worst Case annehmen und der Verkäufer wird in den meisten Fällen deutlich weniger Geld erhalten, als gerechtfertigt wäre.

Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Auf Basis der Batteriedaten, die von jedem System während des Betriebs erstellt werden, berechnen wir den aktuellen Zustand und die verbleibende Lebenszeit mit Hilfe einer Kombination aus in Algorithmen gegossenes Batteriewissen und künstlicher Intelligenz. Das Charmante an diesem Ansatz ist, dass Prognosen automatisch validiert und gleichzeitig über die Zeit immer genauer werden.

Messdaten der Batterie dienen als Basis für Twaice

gcm. Der TÜV Rheinland und das Münchner Start-up Twaice planen mehr Transparenz beim Zustand des Akkus eines Elektroautos. Welche Informationen können mit dem neuen Verfahren gewonnen werden?

Lennart Hinrichs: Üblicherweise wird unsere Software aktuell vor allem von Herstellern eingesetzt, sei es im Power Tool Bereich oder bei Trucks. Unser Projekt mit dem TÜV Rheinland weicht insofern hiervon ab, als dass eine Flotte überwacht wird, ohne dass ein Hersteller beteiligt ist. Dabei werden Informationen der Batterie gesammelt, aus denen wir Leistungsparameter berechnen können.


Es war der grundlegende Gedanke bei der Entwicklung unserer Software, dass man nur Messdaten der Batterie nutzt, die standardisiert ohnehin verfügbar sind, also Strom, Spannung und Temperatur. Diese Informationen helfen einem per se natürlich noch nicht weiter. Aber wir können aus diesen Daten den Zustand der Batterie und die zukünftige Performance berechnen. Das heißt, über welche Kapazität und Leistungsfähigkeit die Batterie aktuell verfügt und wie sich dies in Zukunft weiter entwickeln wird. Das klingt jetzt vielleicht erstmal trivial, allerdings unterscheiden sich diese Werte signifikant je nachdem, wie das Fahrzeug genutzt wurde. Die Stressfaktoren sind sehr divers und unterscheiden sich in ihren Auswirkungen. Zum Beispiel ist häufiges Schnellladen, also viel Energie in kurzer Zeit schädlicher, als langsames Laden in mittleren Ladezuständen.

gcm: Auf Basis der ermittelten Datenbasis sollen in Zukunft zum Beispiel Gewährleistungsansprüche geprüft oder ein Batterielabel angeboten werden, das die unabhängig geprüfte Qualität des Akkus garantiert. Welche Pläne werden in den kommenden Jahren realisiert werden?

Lennart Hinrichs: Genau richtig. Wir sind gerade in der Testphase. In den kommenden Monaten werden wir das Angebot konkretisieren. Aber prinzipiell ist die Kombination aus führender Software und dem Renomee vom TÜV Rheinland meines Erachtens wahnsinnig wertvoll und wird nicht nur den Endkunden, sondern auch für Flottenbetreiber und sogar Hersteller wichtig sein.

gcm: Herzlichen Dank, Herr Hinrichs.

Addendum

Interview aus dem Februar 2020

Titelbild – Lennart Hinrichs (Commercial Director der TWAICE Technologies GmbH) – Copyright Twaice

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