Mercedes-Benz EQA 250 – Appetizer für die emissionsfreie Mobilität

Mercedes-Benz EQA 250 – Appetizer für die emissionsfreie Mobilität

13. September 2021 0 Von N. Hagedorn
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Für die nächsten Jahre plant Mercedes den großen Wurf hin zur Elektromobilität, versprochen sind signifikante Veränderungen im Hinblick auf neue Plattformen und eine komplette Elektrifizierung der PKW-Flotte vor 2030. Damit liegt man mit dem ambitionierten Zeitplan zurzeit noch vor der Konkurrenz der traditionellen Hersteller. Auf dem Weg dahin gibt es schon zur IAA 2021 einige Neuheiten als Appetizer zu entdecken. Dabei beginnt die Geschichte zur Elektromobilität bei Mercedes Benz schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Schon 1905 wurde eine revolutionäre Antriebstechnik zum Einsatz gebracht. Die von Ferdinand Porsche entwickelten Radnabenmotoren trieben die Vorderräder einzeln an. Man mag sich verwundert die Augen reiben, aber schon derzeit brachte es der „Mercedes Electrique“ mit Bleiakkus auf eine Strecke von bis zu 90 Kilometern und was als Stadtwagen konzipiert worden. Sogar die Wallbox als Heimladestation wurde damals mitgeliefert. Und selbst Hybridversionen, in denen die schweren Bleiakkus durch ein Benzinantrieb mit Dynamo ersetzt wurden, kamen zum Einsatz. Der sogenannte „Daimler Mixte“ wurde in Feuerwehrfahrzeugen erfolgreich eingesetzt. Danach gerieten die Anfänge der Elektromobilität wieder in Vergessenheit.

Druck auf das Strompedal

Spätestens mit der Ankündigung, schon 2025 für alle PKW eine rein elektrische Variante anzubieten, ist der Fokus komplett auf Elektroautos bei Mercedes gesetzt. Die neuen Plattformen werden in den nächsten Jahren eingesetzt. Jetzt ist der EQA laut eigener Darstellung ein enger Verwandter des GLA. Aufgebaut auf dessen Plattform liegt ein großes Akkupaket mit 66,5 kWh im Bodenbereich und der Antrieb erfolgt über die Vorderachse mit einem 140 kW/190 PS Asynchron-Elektromotor. Die Produktion des EQA erfolgt parallel in den Werken in Rastatt und Peking.

Es finden sich viele tradierte Details im Innenraum des EQA wieder. Der schon legendäre Automatikwählhebel am Lenkrad mag zum Schmunzeln anregen, aber er hat die mit Abstand kürzesten Bedienungswege und kann direkt und leichtgängig mit dem Mittelfinger der rechten Hand bedient werden. Hier zieht man auch noch wie bisher leicht am Hebel links an der Armaturentafel zum Lösen der Handbremse. Wenn man danach zur Ausfahrt startet, über Spotify die „Baba’0’Riley“ über die Mediadienste einstreamt und das Panoramaschiebedach bei bestem norddeutschen Wetter weit öffnet, lernt man die Grundtugenden von Mercedes zu schätzen. Verarbeitungsqualität und die Ergonomie sind traditionell im Premiumsegment bei Mercedes-Benz verankert. Entsprechend wirken die Ledersitze im hellgrauen Ton einladend und die individuellen Farbanpassungen im Interieur lassen sich dem eigenen Gusto entsprechend auf die richtige Stimmung einstellen.

Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten für die Vordersitze inklusive Memoryfunktion lassen keine Wünsche offen, für ausreichend Kopf- und Ellenbogenfreiheit ist ebenfalls gesorgt. Durchgehend ist der relativ hohe Boden aufgrund des Akkus bemerkbar. Groß gewachsene Personen müssen die Beine stärker anwinkeln, das ist ein Nachteil für den Sitzkomfort auf Langstrecken.

Mercedes EQA Kofferraum mit niedriger Ladekante
Mercedes EQA Kofferraum mit niedriger Ladekante

Kiel – Berlin – Kiel

Der Stauraum mit flacher Ladekante und ebenem Aufbau fasst 340 Liter, das reicht für drei Koffer und den kurzen Urlaubstrip fürs Wochenende. Unser Test führt uns von Kiel nach Berlin mit einer Entfernung von 380 Reisekilometern über die Autobahn. Die Navigation schlägt die schnellste Verbindung vor und zeigt für die Streckenabschnitte im LiveTraffic-Modus alle Verkehrsstockungen und Verzögerungen an und plant auch schon mal die Ladestation inklusive Zeitverzögerung ein. Aber das größte Manko ist, dass für die angekündigten Staus keine Alternativrouten wählbar sind oder vorgeschlagen werden. Da muss dann doch noch improvisiert werden.

Dagegen sind alle Komfortmerkmale, wie die fein dosierbare Klimaanlage, die ausgeklügelten Sitzeinstellungen oder das informative Head-up-Display wahre Fahrfreude im EQA. Das Armaturenbrett wird ein wenig dominiert von großzügig eingesetzten Lüftungsdüsen, die individuell auf Luftführung und Luftstromstärke dosiert werden können. Im Langstreckenbereich kann man mit der Reduzierung der wesentlichen Fahrinformationen im Head-up-Display gut leben. Geschwindigkeitanzeige, die fast immer korrekte Verkehrszeichenerkennung mit automatischer Geschwindigkeitsanpassung beim adaptiven Tempomaten und die einfachen Navigationsanweisungen reichen auf der Autobahn aus.

Die drei wählbaren Fahrmodi Sport, Comfort und Eco sind noch ergänzt um Individualeinstellungen. Die ersten 200 Kilometer bis zum CCS Supercharger sind wir im Comfort-Modus zu den zulässigen Höchstgeschwindigkeiten gefahren, hier werden dann schon gerne 20 bis 25 Kilowattstunden pro 100 km verbraucht. Während des Fahrens setzen wir auf den Tempomaten gekoppelt mit der adaptiven Abstandsregelung. Damit werden alle vorausfahrenden Fahrzeugsilhouetten vom schmalen Motorrad bis zum LKW schnell und eindeutig ausgemacht. Auf unseren Langstreckenfahrten hat das System überzeugend gearbeitet und alle Bremsvorgänge vollautomatisch erfasst. Die situationsgerechte Rekuperation speist dann eine Menge Energie zurück. Über eine zentrale grüne Anzeige werden die eingespeisten Kilometer noch einmal separat ausgewiesen. Der Rekuperationsgrad kann per Wippen am Lenkrad nach eigenen Vorgaben justiert werden.

Entspanntes Laden am CCS-Supercharger

Angekommen am ersten Supercharger bei sommerlichen 30 Grad Außentemperatur können wir uns wie auch an den Vortagen vom technisch gut gelösten Ladeanschluss ein Bild machen. Wir haben in der Spitze sowohl an den IONITY- als auch an den Aral-Superchargern immer Leistungsspitzen von bis zu 120 kW Ladeleistung erzielen können. Alle Ladevorgänge konnten bis zu 80 % der Akkukapazität innerhalb von 25 Minuten abgeschlossen werden unabhängig von den äußeren Umständen. Damit ist das Ladeverhalten nicht nur auf dem Datenblatt sondern auch in der Praxis vorbildlich.

Mercedes EQA am Aral CCS-Supercharger in Wittenburg
Mercedes EQA am Aral CCS-Supercharger in Wittenburg

Bei der Fahrt kann das MBUX-Bediensystem getestet werden über die Sprachsteuerung. Bis das System, das über den Sprachbefehl „Hey Mercedes“ gestartet wird, alle Fragen in schlüssige Antworten ummünzen wird werden wohl noch einige Monate ins Land gehen. Aber zumindest die einfachen Anweisungen für die Heizung, das Telefon oder die Navigationssteuerung führen bei vorgegebener Ansprache zum Ziel.

Die nächsten 180 Kilometer testen wir im Sportmodus. Auf der Autobahn wohl die beste Wahl, die Überholvorgänge können zügig abgeschlossen werden. Der EQA riegelt bei 160 km/h ab. Das reicht für entspannte Langstreckenfahrten. Spur- und Kurvenstabilität gepaart mit der geringen Geräuschentwicklung beim elektrischen Fahren machen den Fahrspaß auf der Autobahn aus.

Sonderausstattungen

Mercedes bietet als Premiumhersteller eine vielfältige Individualisierung an. Auf über 76 Seiten der Preisliste finden sich aus unsere Sicht auch viele interessante Details, die für einen Wiederverkaufswert gefragt sind. Interessante Highlights:

Mercedes EQA 250 - Übersichtliche Bedienung in der Mittelkonsole
Mercedes EQA 250 – Übersichtliche Bedienung in der Mittelkonsole

Fahrersitz elektrisch einstellbar mit Memory-Funktion

Die Memory-Funktion speichert die für Sie ideale Position des Fahrersitzes, der Außenspiegel
und des Head-up-Displays einstellbar für bis zu 3 Personen (410,55 Euro)

Verkehrszeichen-Assistent

Der Verkehrszeichen-Assistent kann mit Verknüpfung von Kamera- und Kartendaten nicht nur Geschwindigkeitslimits, Überholverbote und deren Aufhebung erkennen. Er zeigt auch Einfahrverbote an und warnt vor Falscheinfahrt. (351,05 Euro)

Smartphone Integration


(auch als on-demand-Ausstattung verfügbar). Die Smartphone-Integration verknüpft das Mobiltelefon via Apple® CarPlay® und Android Auto® mit dem Mediasystem. (357 Euro)

Fazit

Der Mercedes-Benz EQA hat für Stammkunden noch einige tradierte Bedienfunktionen im Gepäck und erleichtert den Umstieg weg vom Verbrennungsmotor. Die Reichweite ist stark abhängig vom gewählten Fahrmodus und Fahrstil und ist auch für Mittelstrecken geeignet. Der Umstieg vom Verbrenner auf das Elektroauto bringt noch einmal ein ganz entspanntes Fahrgefühl mit sich im neuen EQA.

Addendum

Test aus dem Sommer 2021

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