>>Unterschiedliche Ballungsräume, Kulturen und Nutzungsmuster brauchen unterschiedliche Lösungen

>>Unterschiedliche Ballungsräume, Kulturen und Nutzungsmuster brauchen unterschiedliche Lösungen<<

2. Oktober 2019 0 Von nh
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Dr. Engelbert Wimmer ist nicht nur erfahrener Unternehmensberater in der Automobilindustrie, sondern auch ein eloquenter Visionär im Hinblick auf Trends und Entwicklungen in der globalen Automobilbranche. Das neu erschienene Buch „The In Car Nation Code“ ist ein spannender Leitfaden zum erfolgreichen digitalen Wandel in traditionellen Industrieunternehmen. Die Kombination aus Sachinformationen und einer fiktiven Handlung zwischen einem jungen Konzernvorstand und einem erfahrenen Unternehmensberater kennzeichnen das unterhaltsame Handbuch für Führungskräfte in der Automobilbranche. Im Kurzinterview gewährt uns Dr. Wimmer Einblicke in die tiefgreifenden Transformationsprozesse in den Unternehmen.

Dr. Engelbert Wimmer - Copyright Hannes Magerstaedt
Dr. Engelbert Wimmer – Copyright Hannes Magerstaedt

gcm: Dr. Wimmer, mit den Anforderungen der digital Natives der Generation Z steht die Automobilindustrie weltweit vor weitreichenden Veränderungen. Welche Anforderungen stellt der Wandel vom Hersteller zum Dienstleister für Mobilität an die Automobilindustrie?

Dr. Wimmer: Ich weiß gar nicht, ob ich den Wandel an der Generation Z festmachen würde. Es ist eher die Regulatorik, die den Individualverkehr aus den Ballungsräumen verbannen will, und auch die digitalen Lösungen, die das Verkehrssystem flexibler machen werden. Übrigens gilt für die Anbieter des öffentlichen Verkehrs ein ähnlicher Anpassungsdruck. Auch dort werden wir in den kommenden Jahren extrem spannende, neue Angebots-Konzepte sehen. Die Autobranche selber muss nun intensiv daran arbeiten, sich im Wettlauf um die Mobilität so agil wie möglich aufzustellen. Unterschiedliche Ballungsräume, Kulturen und Nutzungsmuster brauchen unterschiedliche Lösungen. Da muss noch viel erfunden werden.

gcm: Welche internen Veränderungen müssen bei der Automobilindustrie im Hinblick auf die Trends in den kommenden Jahren umgesetzt werden?

Dr. Wimmer: Als Autoindustrie den Erfindungsgeist zu stärken, bedeutet vor allem ein mehr an Agilität und Experimentierfreude zu bewirken. Das beißt sich jedoch sehr mit den hierarchisch-bürokratischen Mustern der Konzerne, und genau da muss man ansetzen. Skalierung und industrielle Größe ja, aber eben auch kleine Zellen, die mal was Neues ausprobieren dürfen. Und gerne auch weit außerhalb der aktuellen Grenzen des Unternehmens.

gcm: Schon 1271 heißt es im hanseatischen „Ordelbook“: »Es gibt über Dir keinen Herren und unter Dir keinen Knecht« . Steht die traditionelle Führungshierarchie in der Automobilindustrie vor massiven Veränderungen?

Dr. Wimmer: Das selbstbestimmte Bürgertum als Vorbild ist tatsächlich eine interessante Metapher für den modernen Wissensarbeiter. In diesem Sinne stimme ich zu, dass dieses Ideal die Führungshierarchie herausfordert. Es fördert nämlich den einzelnen, sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen und nicht der Idee zu verfallen, dass mit der Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag die Lebensleistung bereits erbracht sei. Es fordert die Organisationen, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Erfinder wieder mehr Chancen, Nischen und Möglichkeiten bekommen. Und es bindet alle selbstbewusst in den Dialog ein, was die Zukunft des Unternehmens sein soll.

gcm: Herzlichen Dank, Dr. Wimmer.

Addendum

Interview August 2019

Titelbild: Illustration aus dem Buch »The In.Car.Nation Code – Wie der digitale Wandel in der Mobilitätsindustrie gelingt« von Dr. Engelbert Wimmer – Copyright e&Co. AG

»The In.Car.Nation Code – Wie der digitale Wandel in der Mobilitätsindustrie gelingt« von Dr. Engelbert Wimmer ist im Verlagshaus e&Co. Publishing erschienen und über Amazon erhältlich. ISBN: 978-3-00-060987-9 | Weitere Informationen: www.theincarnationcode.com

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