Die Geschichte des Elektromotors als Automobilantrieb

Die Geschichte des Elektromotors als Automobilantrieb

20. März 2017 Aus Von nh
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Die Geschichte des Elektromotors beginnt nicht etwa in der technologisch fortgeschrittenen Neuzeit: Schon im Jahr 1881 wurde das erste Elektrofahrzeug der Öffentlichkeit präsentiert. Gustave Trouvé stattete sein „Trouvé Tricycle“ – ein dreirädriges, elektrisch angetriebenes Fahrzeug – mit 2 Elektromotoren aus, welche ihre Energie von 6 Bleiakkumulatoren bezogen. Das Gefährt erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h.
Im Jahr 1888 entwickelte der deutsche Fabrikant Andreas Flocken das erste (bekannte) vierrädrige Elektroauto der Welt. Der Flocken-Elektrowagen war ein hochrädriger Kutschwagen, eine sogenannte leichte bayrische „Chaise“ (Früher wurden alle Automobile unabhängig von der Antriebsart als „Dampf-Chaisen“ bezeichnet). Der von Flocken eingebaute Elektromotor übertrug seine Kraft durch elastische Lederriemen auf die Hinterräder: So konnten Fahrbahnunebenheiten gedämpft werden.
Die Batterie für das Elektrofahrzeug stammte vermutlich aus der Fabrik „Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Büsche & Müller OHG“ – aus der später die Firma VARTA hervorging –, dem einzigen deutschen Unternehmen, welches Bleiakkumulatoren für Fahrzeuge herstellen konnte. Die Bleiakkus nach dem Prinzip von Henry Tudor erreichten schon um das Jahr 1886 eine Energiedichte von 27 Wh/ kg und waren mit ihrem Gewicht von etwa 100 kg ideal für den Einbau in das Flocken-Elektrofahrzeug. Über die weiteren Fahrzeugdetails ist leider wenig bekannt, da das Original aus dem Jahr 1888 zudem als verschollen gilt.

Die Anfänge der Elektromobilität

Der Kfz-Sachverständige Franz Haag rekonstruierte in liebevoller Arbeit den Flocken-Elektrowagen, der als ein wichtiger Meilenstein der Elektromobilität gilt. Auch in den USA entwickelten sich die ersten Elektroautos: Im Jahr 1890 baute William Morrison das erste erfolgreich elektrisch angetriebene Auto. Das an eine Kutsche erinnernde Fahrzeug wurde von einem 2,5 PS starken Elektromotor angetrieben, welcher bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 12 km/h von 8 unter den Sitzen integrierten Batterien gespeist wurde. Die weiteren Jahre entwickelten sich zu einer wahren Blütezeit der Elektromobilität: In den Jahren 1896–1912 gab es in den USA etwa 34.000 registrierte Elektrofahrzeuge (1900: 1.575). Die Reichweiten der entwickelten Elektrofahrzeuge erzielten dabei schon fast heutige Werte – manche damalige Elektroautos konnten bis zu 100 Kilometer weit fahren.
Die Entwicklung des Elektromotors als Antriebe in der Kraftfahrzeugbranche entwickelte sich weiter: Im Jahr 1899 durchbrach das erste Elektromobil den Geschwindigkeitsrekord von 100 km/h – „La Jamais Contente“ (zu Deutsch „die nie Zufriedene) war ein zigarrenförmiges Fahrzeug vom belgischen Rennfahrer und Unternehmer Camille Jenatzy.
Auch der junge Ferdinand Porsche stellte im Zuge der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 eine Neuheit unter den Elektrofahrzeugen vor: Das Lohner-Porsche-Elektromobil wurde von elektrischen Motoren angetrieben, welche in den Radnaben der Vorderräder integriert waren. Die sogenannten Radnabenmotoren des Elektrofahrzeugs konnten bis zu 20 Minuten lang je 7 PS leisten; der 44-zellige Akku mit 300 Amperestunden bescherte dem Fahrzeug eine Reichweite von 50 Kilometer. Kurz darauf entwickelte Porsche auch das weltweit erste Hybridfahrzeug, indem er die Radnabenmotoren mit einem Verbrennungsmotor kombinierte.
Besonders in den USA entwickelten sich die Elektrofahrzeuge rasant; um das Jahr 1900 gab es bereits ca. 40  Prozent rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, die restlichen waren entweder mit Dampf oder Benzin betrieben. Als dann im Jahr 1910 der elektrische Anlasser für Ottomotoren erfunden wurde – vorher wurden die Motoren per Hand angekurbelt – geriet der Elektromotor in den Hintergrund: Verbrennungsmotoren hatten größere Reichweiten und auch das Angebot von billigem Öl stieg deutlich an. Die bis dato so erfolgreichen Elektrofahrzeuge verschwanden weitestgehend von der Bildfläche – sie wurden bis ins Jahr 1990 zu Nischenprodukten.

Die Ölkrise in den 1990er-Jahren und das damit verbundene wachsende Umweltbewusstsein brachten Elektrofahrzeuge wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung und der Unternehmen.
Im Jahr 2015 waren bereits weltweit etwa 1.3 Millionen Elektroautos gemeldet.

Addendum:

Quellen:

Artikel:  green car magazine – Ausgabe I/2017
Video: NZZ Format – Ausschnitt aus der NZZ Format Sendung “Grosse Hoffnung, leere Batterien: Die Anfänge des Elektromobils”

Titebild: E-Mobilität hat Zukunft – Copyright: Gunnar Assmy @ fotolia.com

 

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