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Streifen und feine Gumminoppen sind Merkmale von Neureifen

Mikroplastik durch Reifenabrieb – Das ungelöste Problem

In einer Untersuchung des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2018 wurden einer Untersuchung zufolge pro Jahr rund 330.000 Tonnen sogenanntes Mikroplastik in die Umwelt abgegeben. Das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen hat 51 Quellen als Basis für die Ermittlung der freigesetzten Mengen genutzt.

Dabei ist laut der Studie der Abrieb von Autoreifen der größte Verursacher. Hier sollen offensichtlich schon ein Drittel der Emissionen von Mikropartikeln entstehen. Danach folgen als Verursacher die Abfallentsorgung, der Abrieb von Fahrbahndecken oder Freisetzungen von Baustellen.

Erfasst wurden in dieser Studie Plastikpartikel, die fünf Millimeter und kleiner sind. Während vorher vor allem Verpackungsmaterial im Mittelpunkt der Diskussion stand, sind jetzt alle Verursacher übersichtlich deklariert worden. Auftraggeber der Studie waren Chemiekonzerne, Kosmetikhersteller, Wasserverbände, Abfallentsorger und Hochschulen. Die Empfehlung aus den Erkenntnissen der Studie lautete schon vor drei Jahren: „ Wir müssen unsere jährliche Kunststoffemissionen von 5.400 auf 200 Gramm pro Kopf reduzieren, um weitere Umweltschäden zu vermeiden“.

Lösungsansätze

Der Reifenabrieb ist allgegenwärtig und in den letzten Jahren nicht geringer geworden. Die Elektromotoren sind mit höherem Drehmoment ausgestattet und sind entsprechend der höheren Kraftübertragung beim Beschleunigen kein Ansatz zur Verbesserung des Problems. Die Partikel landen ungefiltert über die Kanalisation in den Wasserkreislauf.

Mit der Euro-7-Norm werden zum ersten Mal Reifen- und Bremsabrieb für Kraftfahrzeuge reguliert. Die Kontrolle behebt jedoch nicht das eigentliche Problem und das heißt Mikroplastik. Der Versuch der UNO, ein globales Abkommen zur Plastikverschmutzung auszuhandeln, ist gescheitert. Mikroplastik als winzige Plastikpartikel, die von Autoreifen, Kleidung und Verpackungen absorbiert werden, verschmutzen unsere Umwelt und stellen eine Bedrohung für unsere Wassersysteme dar.

Volvo EX30 Cross Country Reifen
Grenzwerte für Reifenabrieb werden festgelegt.

Grenzwerte für Reifenabrieb EURO-7-Norm


Nicht-abgasbezogene Partikel (Non-Exhaust Particle Emission) aus Reifenabrieb werden in der neuen Norm limitiert. Das Prüfverfahren soll in einer neuen Regelung festgelegt werden. Die Grenzwerte werden noch bestimmt. ( Stand Januar 2026 )

Filtersystem im Praxistest

Langfristig notwendig sind Filtersysteme, die Mikropartikel direkt am Ort des Geschehens auffängt. Ein Ansatz ist die Filterung des Oberflächengewässers direkt im Straßengully. Dieses System wurde in der Frederiksberg Allé im Kopenhagener Stadtteil Frederiksberg in einem Pilotprojekt durch die Initiative des dänischen Green-Tech-Unternehmens „BAIONYX“ durchgeführt. Die Initiative wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Berlin und dem URBANFILTER Sustainability Hub durchgeführt und von der Audi Stiftung für Umwelt gefördert.


Informationen zum Pilotprojekt

Den Testabschnitt der Frederiksberg Allé passierten im Durchschnitt rund 7.700 Fahrzeuge pro Tag. Während der 127 Tage des Monitorings fielen 121 Millimeter Niederschlag. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden die vorhandene Straßenabläufe mit einem, an die dänische Infrastruktur angepassten, Filtersystem auf Basis des CAPTURION von GKD nachgerüstet. Wie bei klassischen Laubfangkörben muss das Modul lediglich eingehängt werden. Tiefbau ist nicht erforderlich. Der Partikelfilter des CAPTURION besteht aus einem Edelstahl-Drahtgewebe mit definierter Porenstruktur. Ein Notüberlauf sichert die Entwässerung bei hoher hydraulischer Last. Die kommunalen Dienste können diese neuen Straßenabläufe ohne nennenswerten Zusatzaufwand pro Reinigung warte.

Quelle GKD / BAIONYX


Im Ergebnis zeigte der Vergleich eines gefilterten Schachtes mit einem Referenzschacht eine deutlich höhere Rückhaltung von abfiltrierbaren Stoffen (AFS). Der gefilterte Schacht hielt in der Studie über alleFraktionen hinweg 129 Prozent mehr AFS zurück. Die Wissenschaftler aus dem Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin quantifizierten den Reifenabrieb über den

Polymermarker Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR). SBR ist ein synthetisches Gummi, das wegen seiner Abriebfestigkeit und Elastizität häufig in Reifen, Dichtungen und technischen Gummiprodukten eingesetzt wird. Das Ergebnis sah laut Studie so aus: 127 Prozent mehr SBR-Masse im gefilterten Schacht, mit Schwerpunkten in den für den Straßenabfluss relevanten Partikelfraktionen.

Fazit

Das Problem Mikropartikel aus dem Reifenabrieb muss langfristig gelöst werden, um diese Partikel aus dem Wasserkreislauf zu filtern. Das Filtern direkt am Straßengully ist zumindest ein Lösungsansatz. Darüber hinaus sind alle Anstrengungen zur Reduzierung des Reifenabriebs noch wesentlich wichtiger.

Addendum

Quellen: GKD / BAIONYX / Euro-7-Norm

Wie seht ihr das Problem?

N. Hagedorn

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