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Sinnbild Tesla Gigafactory - Copyright Moose - stock.adobe.com

Musk|elspiele – Tesla Gigafactory

Unternehmer Elon Musk hatte schon mit seinem ersten globalen Projekt PayPal auf Jahrzehnte ausgesorgt. Nach dem Verkauf an Google wurden eilig die neuen globalen Player an den Start gebracht. Neben Hyperloop und SpaceX steht vor allem Tesla seit Jahren im Fokus der Elektromobilität mit einem eindeutigen Medienstar: Elon Musk. Tesla lebte schon in der Vergangenheit von großformatigen Ankündigungen und Visionen für die Zukunft. Während im Mutterland des Autos schon seit Jahrzehnten erfolgreich mit organischem Wachstumsschüben der Weltmarkt bearbeitet wird, denkt Musk in Giga-Dimensionen zum Ausbau der weltweiten Marktanteile. Nach den beiden Gigafactorys in den USA und in Shanghai wird jetzt ausgerechnet in der Wiege der Automobilindustrie ein Fabrikmonument für die Produktion von Elektroautos und Akkus angekündigt.

Bescheidenheit ist ein Fremdwort für einen Visionär. Und so wurde ausgerechnet die große Bühne bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads als Ankündigung für den Bau der Gigafactory in Berlin ausgewählt. Die Genugtuung in Deutschland auf die Produktion von Batterien und Fahrzeugen zu setzen, war Musk deutlich anzumerken. Von den Vorstandschefs der Konkurrenten BMW, Mercedes und Volkswagen blieben da nur eifrig nachgeschobene Statements. So sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess, Tesla sei wichtig, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Damit trifft er wohl den Nagel auf den Kopf. Sollte der Standort 2021 in Betrieb gehen, wird sich der Marktanteil von Tesla wohl zulasten der traditionellen deutschen Automobilindustrie auswirken.

Standortvorteile

Der Standort Berlin-Brandenburg hat sich im europäischen Wettbewerb gegen Länder wie Schweden, Frankreich oder Finnland durchgesetzt. Zu welchen Zugeständnissen die Politik bereit war, ist noch nicht transparent geklärt. Die Region im Berliner Süden hat bisher keine herausragende Rolle in der Industrie gespielt. Mitentscheidend war wohl laut den Ausführungen von Musk die Qualität der deutschen Ingenieure, die Nähe zu Berlin und die Szene mit Coworking Spaces, Innovationshubs und Netzwerkveranstaltungen. Das internationale Publikum kann auch ein Anreiz für ausländische Fachkräfte sein.

Arbeitsrecht in der Gigafactory

Während für Musk 120 Wochenstunden laut eigenen Angaben ganz normal seien, stehen in Deutschland die Arbeitsschutzrechte im Fokus für Industriebetriebe und ihre Belegschaft. Während in den aktuellen Gigafactorys durchaus bis zu 12 Stunden am Fließband gearbeitet wird, sind die Arbeitsschutzbedingungen und der Mindestlohn hier ein Standard für Arbeitnehmer. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben einen höheren Stellenwert und ab 5 Arbeitnehmern kann auch ein Betriebsrat gegründet werden. Eine gewerkschaftliche Organisation der Arbeitnehmer gibt es in den USA nicht. Auch der Mindestlohn liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Autoindustrie in den USA.

Wie die Arbeitswelt in Zukunft in der Gigafactory in Deutschland aussehen wird, kann zurzeit nicht vorausgesagt werden. Allerdings zeigt das Beispiel Amazon, wie die neuen Global Player versuchen die Arbeitskosten auf möglichst niedrigem Niveau zu halten. Generell wird mit der Umstellung auf Elektromobilität mit einem größeren Arbeitsplatzabbau bei den Herstellern gerechnet. Erste Ankündigungen von BMW, Mercedes und Volkswagen gab es schon in den letzten Wochen.

Angriff auf die Oberklasse

Die Ankündigung von der Produktion des Model Y in Deutschland ab dem Jahr 2021 zeigt schon einmal die Richtung an. Die gut ausgestatteten SUV-Modelle, die den deutschen Herstellern einen erträglichen Gewinn erbringen, sollen in Zukunft im Fokus bei Tesla liegen. Bislang liegt jedoch nur eine Absichtserklärung für den Standort Grünheide vor, der am 12.11.2019 von Elon Musk unterzeichnet wurde. Bei Industrieansiedlungen in dieser Größenordnung wird jetzt wohl erst mal abgewartet, ob das Land Brandenburg alle Forderungen von Tesla und Förderungen für Tesla in den nächsten Monaten erfüllt, bis der erste Spatenstich erfolgen wird. Bis dahin müssen sich die deutschen Hersteller für den Konter wappnen.

Addendum

Titelbild – Sinnbild Tesla Gigafactory – Copyright Moose – stock.adobe.com

Artikel zum Thema Tesla – hier klicken.

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N. Hagedorn

Ein Gedanke zu „Musk|elspiele – Tesla Gigafactory“

  1. eCar-Fan & TESLA-Fahrer

    Ich glaube nicht, dass sich der „Marktanteil von Tesla wohl zulasten der traditionellen deutschen Automobilindustrie auswirken“ wird. Der Markt für E-Autos ist weltweit -auch in Europa und in D- groß genug. Vielmehr gilt m.E. „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und so werden auch die deutschen Hersteller mit größeren Anstrengungen und einem vielfältigeren Angebot ihren Weg machen.

    Wichtig ist, dass die Elektroauto-Mobilität endlich auch in Deutschland richtig vorankommt, ähnlich wie unsere Nachbarn Niederlande und Norwegen es perfekt vormachen!

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